Pallade Veneta - Keine Fortschritte bei Verhandlungen zwischen Demonstranten und indischer Regierung

Keine Fortschritte bei Verhandlungen zwischen Demonstranten und indischer Regierung


Keine Fortschritte bei Verhandlungen zwischen Demonstranten und indischer Regierung
Keine Fortschritte bei Verhandlungen zwischen Demonstranten und indischer Regierung / Foto: STR - AFP

Eine zweite Verhandlungsrunde zwischen der indischen Regierung und Vertretern der sogenannten Kakerlaken-Bewegung ist am Freitag ergebnislos zu Ende gegangen. Die Vertreter der Bewegung hätten der Regierung klar gemacht, dass "nur der Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan akzeptabel wäre", sagte ein Sprecher der Gruppe, Ashutosh Ranka. Darauf sei die Regierung aber nicht eingegangen.

Textgröße ändern:

"Die Gespräche fanden in einer freundlichen Atmosphäre statt", erklärte Gesundheitsminister J.P. Nadda, der für die Regierung mit den Demonstranten verhandelt hatte. "Wir haben uns ihre Forderungen angehört und ihnen mitgeteilt, dass wir uns morgen erneut treffen werden."

Seit Tagen gehen tausende Menschen unter Führung der Kakerlaken-Partei CJP in der Hauptstadt Neu Delhi und anderen Städten auf die Straße. Auslöser der Proteste waren Unregelmäßigkeiten bei einem Aufnahmetest für das Medizinstudium. Weil Aufgaben im Vorfeld bekannt geworden waren, mussten mehr als zwei Millionen Bewerber den Test wiederholen. Zusätzlichen Unmut lösten Fehler bei der Online-Bewertung von fast zwei Millionen Schülern aus.

Die Proteste waren am Montag eskaliert, als zehntausende Menschen zum Auftakt der Monsunsitzungsperiode des Parlaments durch Neu Delhi zogen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, Demonstranten warfen Steine. Nach Polizeiangaben wurden mindestens 178 Menschen verletzt, darunter zahlreiche Sicherheitskräfte.

Am Donnerstag kündigte Premierminister Narendra Modi dann harte Strafen für diejenigen an, die vom Bekanntwerden der Prüfungsaufgaben profitieren wollten. "Nichts ist wichtiger als das Wohlergehen und die Zukunft unserer Jugend", schrieb Modi in Onlinediensten. Er werde alles daran setzen, dass ein entsprechender Gesetzentwurf "so schnell wie möglich dem Parlament vorgelegt und von diesem verabschiedet wird", sagte Modi in einer Videobotschaft.

"Warum hat die Regierung so lange gebraucht, um diese Schritte anzukündigen?", sagte die 20-jährige Demonstrantin Sushmita der Nachrichtenagentur AFP, die am Freitag weiter im Zentrum Neu Delhis ausharrte. "Ich weiß nicht, wie Modi und diese Regierung bei den nächsten Wahlen wieder um unsere Unterstützung werben können."

Am Donnerstagabend gab der bekannte Aktivist Sonam Wangchuk bekannt, seinen am 28. Juni begonnenen Hungerstreik beendet zu haben. Als Begründung erklärte er, die Regierung habe versichert, dass keine rechtlichen Schritte gegen die Demonstranten eingeleitet würden. "Zudem haben sie uns eine offene Debatte im Parlament über eine bessere Organisation des Bildungs- und Prüfungswesens versprochen", fügte er hinzu.

Die CJP war Mai zunächst als satirische Reaktion auf Äußerungen des Obersten Richters Surya Kant entstanden, der junge Regierungskritiker während einer Anhörung Berichten zufolge mit "Kakerlaken" und "Parasiten" verglichen hatte. Inzwischen fordert die Bewegung auch mehr Arbeitsplätze und Chancen für junge Menschen und kritisiert Modis Regierungsstil als zunehmend autoritär.

Die Proteste gelten als eine der größten innenpolitischen Herausforderungen für den hindu-nationalistischen Regierungschef seit dem Beginn seiner dritten Amtszeit im Jahr 2024.

U.Paccione--PV

Empfohlen

"GenZ"-Proteste: Anklagen gegen Regierung und Appelle für friedliche Demos

Eine "verlassene Jugend" klagt an, die Politik zeigt Verständnis: Vor den geplanten bundesweiten "GenZ"-Protesten haben die Initiatoren die Bundesregierung aufgefordert, die Belange junger Menschen Ernst zu nehmen. Bei Pressekonferenzen in Köln und Berlin erhoben Sprecherinnen und Sprecher der Initiative "GenZ regelt" am Freitag zugleich schwere Vorwürfe. Angesichts befürchteter Krawalle gab es parteiübergreifend Appelle für einen friedlichen Verlauf.

Frankreichs Regierung ruft zum Blockade-Ende auf - Schüler wollen weiter protestieren

Nach der Bekanntgabe erster Maßnahmen für Schüler und Studierende hat die französische Regierung zu einem Ende der Blockade-Aktionen vor Schulen und Unis aufgerufen. "Ab Montag muss wieder gearbeitet werden", sagte Hochschulminister Philippe Baptiste angesichts des Endes der Herbstferien am kommenden Wochenende. Schüler- und Studierendenverbände riefen jedoch bereits zur Fortsetzung der Proteste auf.

Frankreich: Schüler kündigen nach Treffen mit Macron weitere Proteste an

Vertreter der seit Wochen demonstrierenden französischen Schülerinnen und Schüler haben nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron weitere Proteste angekündigt. Nach dem Treffen am Freitag rief der Schülervertreter Nathanaël Combary die Demonstranten auf, "weiter zu mobilisieren". Demnach bot Macron den Schülervertretern eine "Reform der Schuldemokratie" sowie eine "vollständige Überarbeitung" der Plattform Parcoursup an, die Schüler für ihre Bewerbung für Studiengänge nutzen müssen.

Zehntausende Studierende fordern bei Demonstration in Wien mehr Geld für Hochschulen

In der österreichischen Hauptstadt Wien sind am Donnerstag zehntausende Studierende gegen das ihrer Meinung nach unzureichende Finanzierung der Hochschulen auf die Straße gegangen. Die Demonstranten trugen Transparente mit Parolen wie "Unsere Bildung, unsere Zukunft", "Die Demokratie braucht Bildung" und "Bildung darf kein Privileg werden". Nach Schätzungen der Organisatoren nahmen mindestens 40.000 Menschen an den Protesten teil. Die Polizei war zuvor von 20.000 Teilnehmern ausgegangen.

Textgröße ändern: