Pallade Veneta - "Mobbing-Kampagne": Nach Vorwürfen zurückgetretener Cambridge-Professor tot aufgefunden

"Mobbing-Kampagne": Nach Vorwürfen zurückgetretener Cambridge-Professor tot aufgefunden


"Mobbing-Kampagne": Nach Vorwürfen zurückgetretener Cambridge-Professor tot aufgefunden
"Mobbing-Kampagne": Nach Vorwürfen zurückgetretener Cambridge-Professor tot aufgefunden / Foto: Brook Mitchell - AFP

Rund eine Woche nach seinem Rücktritt inmitten von Plagiatsvorwürfen ist der britische Cambridge-Professor Jason Arday tot aufgefunden worden. Angehörige und Kollegen des 41-Jährigen sprachen am Samstag von einer "Mobbing-Kampagne" gegen Arday, der vor drei Jahren der jüngste schwarze Professor der britischen Elite-Universität geworden war. Premierminister Andy Burnham beklagte Ardays Tod als "Tragödie in vielerlei Hinsicht".

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Der Akademiker wurde nach Polizeiangaben am Freitagnachmittag tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden. Ardays Familie bestätigte dessen Tod und kritisierte eine "Mobbing-Kampagne" voller Gerüchte über die akademische Arbeit und das Privatleben des Soziologen. "Diese Kampagne der Falschinformationen war zu viel für Jason, der ein sanftmütiger Mensch war und in jedem immer das Beste sehen wollte", hieß es in einer von Ardays Verleger veröffentlichten Erklärung von dessen Familie.

Arday war am 5. August von seinem Posten als Professor für Bildungssoziologie an der Universität Cambridge zurückgetreten. Vorausgegangen waren Plagiatsvorwürfe und Zweifel an Ardays Angaben zu dessen Lebenslauf. Anhänger Ardays warfen dessen Kritikern dagegen Rassismus vor.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan erklärte, Arday sei "Opfer einer gefährlichen öffentlichen Demütigung" geworden, mit der "andere Menschen in seiner Position ganz einfach nicht konfrontiert worden wären". Der Fall müsse die Gesellschaft wachrütteln, forderte Khan. Die schwarze Labour-Parlamentsabgeordnete Bell Ribeiro-Addy sprach von einer regelrechten "Hexenjagd" auf Arday.

Jason Arday sei nach seinem Rücktritt "zutiefst niedergeschlagen" gewesen, sagte dessen Freund, der auf die Geschichte der Schwarzen spezialisierte Professor Kehinde Andrews, der BBC. Der Fall werfe ein Schlaglicht auf die "extrem schwierigen Umstände, unter denen Schwarze im akademischen Milieu leben".

Premierminister Burnham warnte mit Blick auf Ardays Tod vor "voreiligen Schlüssen". Stattdessen müsse darüber nachgedacht werden, "wie es dazu gekommen ist".

Der Direktor des Autismus-Forschungszentrums der Uni Cambridge, Simon Baron-Cohen sagte der BBC, seit drei Jahren habe Arday darunter gelitten, "was er als eine Kampagne gegen sich beschrieb". Die "persönlichen Angriffe" gegen den Akademiker hätten ein "ungeheures Ausmaß" gehabt. Bereits vor Ardays Tod hatte Baron-Cohen für diesen Partei ergriffen: "Ich kann nicht untätig zuschauen, wie ein autistischer Mann am Boden liegt und die Schläge weiter auf ihn einhageln", warnte er im Onlinedienst X. Bei Arday war im Kindesalter Autismus diagnostiziert worden.

Arday war 2023 als jüngster schwarzer Professor in Cambridge gefeiert worden, damals war er 37 Jahre alt. In den vergangenen Wochen hatte es Plagiatsvorwürfe gegen den Akademiker gegeben. Kritiker warfen ihm vor, Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Zuerst aufgebracht wurden die Vorwürfe von dem US-Forscher Nathan Cofnas, der die Uni Cambridge 2024 wegen Rassismus-Vorwürfen verlassen musste. Cofnas Vorwürfe wurden von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die Arday als "Aushängeschild" für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme (DEI) bezeichneten.

Die Uni-Leitung hatte Arday zunächst verteidigt, Anfang August aber schließlich eine interne Untersuchung angekündigt. Kurz darauf war der 41-Jährige von seinem Posten zurückgetreten. In einem online veröffentlichten Brief betonte er, dass seine Entscheidung nicht "als Zustimmung zu den Darstellungen" missverstanden werden dürfe, die ihn umgäben.

Die "Times" hatte zuvor mehrere investigative Artikel über die Arbeit und das Privatleben des Soziologie-Professors veröffentlicht. In einem Interview mit der Zeitung räumte der Akademiker "Fehler" in seiner wissenschaftlichen Arbeit ein, erklärte jedoch, er werde zu Unrecht "als Lügner, Fantast und wissenschaftlicher Betrüger dargestellt". Zudem sprach er von einer "rassistisch motivierten Kampagne", um ihn von seinem Posten "zu entfernen".

J.Lubrano--PV

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