Pallade Veneta - Schülerproteste in Frankreich: Jugendlichem wird von Polizei-Granate die Hand abgerissen

Schülerproteste in Frankreich: Jugendlichem wird von Polizei-Granate die Hand abgerissen


Schülerproteste in Frankreich: Jugendlichem wird von Polizei-Granate die Hand abgerissen
Schülerproteste in Frankreich: Jugendlichem wird von Polizei-Granate die Hand abgerissen / Foto: LOU BENOIST - AFP

Bei den Schülerprotesten in Frankreich ist ein Jugendlicher nach Behördenangaben schwer verletzt worden. Dem 15-jährigen Schüler sei am Montag bei einer Demonstration in Lens von einer Polizei-Granate die Hand abgerissen worden, hieß es aus Kreisen der Polizeigewerkschaft. Er habe die mit Gummigeschossen gefüllte Granate offenbar aufgehoben und zurückwerfen wollen, als diese in seiner Hand explodiert sei. Solche Geschosse werden bei Demonstrationen eingesetzt, um Menschenansammlungen aufzulösen.

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Der Präfekt des Départements Pas-de-Calais, François-Xavier Lauch, sprach von einem "sehr schwerwiegenden" Vorfall. Der Schüler schwebe aber nicht in Lebensgefahr. Der 15-Jährige sei "sehr schnell" in ein Krankenhaus gebracht worden. Derzeit sei noch unklar, ob der Jugendliche tatsächlich "eine Granate aufgehoben hat, die in seiner Hand explodiert ist, oder ob die Granate auf ihn gefallen ist", sagte Lauch.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die Polizeiaufsicht IGPN eingeschaltet, um in dem Fall zu ermitteln.

Die Berufsschule in Lens, die der 15-Jährige besucht, kündigte an, ab sofort auf Fernunterricht umzustellen und eine Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung einzurichten.

Die Proteste in Frankreich halten seit Wochen an. Für Dienstag haben zahlreiche Organisationen zu einem weiteren großen Protesttag aufgerufen. Am Montag fiel aus Furcht vor neuen Ausschreitungen in gut 400 Schulen erneut der Unterricht aus.

Auch 30 bis 40 Hochschulen beteiligten sich nach Regierungsangaben an der Protestbewegung, die in der vergangenen Woche ein bislang unbekanntes Ausmaß von Gewalt erreicht hatte. Die Menschenrechtsliga prangerte am Montag mit Blick auf den Einsatz der Sicherheitskräfte eine "weitgehende Abkehr vom Rechtsstaat" an.

Die Gewalttaten der vergangenen Woche ziehen unterdessen strafrechtliche Folgen nach sich. In der Polizei laufen interne Ermittlungen in fünf Fällen. Eine davon betrifft die Verletzung eines 16-Jährigen, der ein Auge verlor. Die Verletzung stamme vermutlich von einem Hartgummigeschoss der Polizei, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Familie des Jugendlichen erstattete Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren, die einen Polizisten zu Boden geworfen und gegen den Kopf getreten haben sollen. Der Ältere erstattete seinerseits Anzeige gegen den Polizisten und wirft ihm vor, er habe bei einer versuchten Festnahme in einem Bach seinen Kopf unter Wasser gehalten.

Die linkspopulistische Fraktionschefin Mathilde Panot warf der Regierung vor, dass innerhalb von zehn Jahren 10.000 Lehrerstellen gestrichen worden seien. Zudem würden zehn Prozent der Stunden ausfallen, weil abwesende Lehrer nicht ersetzt würden. Premierminister Sébastien Lecornu hatte am Wochenende fünf Ministerien beauftragt, nach Lösungen zu suchen.

In der vergangenen Woche waren insgesamt 5000 Menschen im Zusammenhang mit dem Protesten festgenommen worden, davon 85 Prozent Minderjährige. Zwei Dutzend Schulen wurden stark beschädigt oder in Brand gesetzt. Zudem wurden 78 Schulbeschäftigte verletzt, in den meisten Fällen nicht von Schülern der betroffenen Schulen.

Auslöser der Unruhen Mitte September war eine Schule in einer Pariser Vorstadt gewesen, in der Personal fehlte. Landesweit waren zum Schuljahresbeginn 2025/26 gut 2000 Lehrerstellen unbesetzt. Die Schüler fordern mehr Lehrer, kürzere Schultage, weniger Schüler in den Klassen sowie Klimaanlagen und Heizungen.

D.Bruno--PV

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