Pallade Veneta - NGOs setzen Programme in Afghanistan wegen Arbeitsverbots für Frauen aus

NGOs setzen Programme in Afghanistan wegen Arbeitsverbots für Frauen aus


NGOs setzen Programme in Afghanistan wegen Arbeitsverbots für Frauen aus
NGOs setzen Programme in Afghanistan wegen Arbeitsverbots für Frauen aus / Foto: Wakil KOHSAR - AFP/Archiv

Wegen des von den Taliban verhängten Arbeitsverbots für Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NGOs) setzen mehrere ausländische Hilfsorganisationen ihre Tätigkeit in Afghanistan aus. "Bis wir Klarheit über diese Ankündigung haben, setzen wir unsere Programme aus", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Save the Children, dem Norwegischen Flüchtlingsrat (NRC) und Care am Sonntag. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) erklärte, Deutschland werde sich "für eine deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft" einsetzen. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) stellte bisherige Afghanistan-Hilfen infrage.

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Auch andere Hilfsorganisationen erklärten, ihre Arbeit in Afghanistan vorerst einstellen zu wollen, darunter das Internationale Rettungskomitee (IRC). Die Organisation teilte am Sonntag mit, sie sei auf all seinen Ebenen "auf weibliche Angestellte angewiesen". "Wenn es uns nicht erlaubt ist, Frauen zu beschäftigen, können wir den Bedürftigen nicht helfen."

Die Organisation Aktion gegen den Hunger teilte am Montag mit, die Arbeit in Afghanistan größtenteils auszusetzen. Einzig die "lebenswichtigen medizinischen Maßnahmen für Kinder, die an akuter Unterernährung leiden", würden fortgesetzt. Die Organisation betonte, dass die Hilfsprojekte vor allem auf Kinder unter fünf Jahren und Frauen im gebärfähigen Alter abzielten. Die Entscheidung der Taliban sei ein "Hindernis für die Fortsetzung unserer Aktivitäten".

Die radikalislamischen Taliban hatten das Beschäftigungsverbot am Samstag mit Verweis auf "ernsthafte Beschwerden" über das Nichttragen des Hidschabs im Zusammenhang mit für NGOs tätige Frauen bekanntgegeben. Organisationen, die das Verbot nicht einhalten, drohe der Entzug ihrer Zulassung.

Der Norwegische Flüchtlingsrat wies derweil die Vorwürfe der Taliban zurück. "Bis heute wurden uns keine Belege für Fehlverhalten vorgelegt", sagte Becky Roby, Mitarbeiterin der Flüchtlingshilfsorganisation in Afghanistan, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). NRC habe die Vorschriften und Dekrete der Taliban in Bezug auf Frauen "nach bestem Wissen" eingehalten. Die Teilnahme von Frauen an der humanitären Arbeit sei für NCR jedoch "nicht verhandelbar".

Nicht nur bei Hilfsorganisationen stieß die Ankündigung der Taliban auf scharfe Kritik. "Wir werden nicht akzeptieren, dass die Taliban die Humanitäre Hilfe zum Spielball ihrer Frauenverachtung machen", schrieb Bundesaußenministerin Baerbock im Onlinedienst Twitter. Die Taliban raubten "der Hälfte der Bevölkerung ein weiteres Grundrecht, brechen humanitäre Prinzipien und gefährden die lebenswichtige Versorgung der Menschen". Geschlechtsbezogene Verfolgung könne "auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein".

Bundesentwicklungsministerin Schulze erklärte am Montag, sie sei dafür, dass die derzeitige, von Deutschland in Zusammenarbeit mit anderen geleistete Unterstützung "zunächst suspendiert" wird. Die Taliban hätten einen "unverantwortlichen Schlag gegen die Hilfe für das afghanische Volk getan". Ohne Frauen könnten Organisationen ihre Arbeit in vielen Bereichen nicht fortsetzen. Angesichts einer "völlig neuen Situation" wolle das Entwicklungsministerium mit der Weltbank zu Beratungen der Beteiligten des Wiederaufbaufonds für Afghanistan (ARTF) einladen.

Die UNO warnte davor, Frauen in Afghanistan "systematisch von allen Aspekten des öffentlichen und politischen Lebens" auszuschließen. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Afghanistan, Ramis Alakbarow, erklärte, das Verbot behindere die Bereitstellung von Hilfsgütern für Millionen von Menschen. Die UNO würden versuchen, es rückgängig zu machen.

Die 24-jährige Schabana, Mitarbeiterin einer internationalen NGO, berichtete: "Ich bin die einzige Ernährerin meiner Familie. Wenn ich meinen Job verliere, wird meine 15-köpfige Familie verhungern." Afghanistan sei "zur Hölle für Frauen geworden".

Millionen Menschen in Afghanistan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit der Machtübernahme der Taliban im August vergangenen Jahres hat sich die Wirtschaftskrise im Land verschlimmert. Die Taliban hatten zunächst angekündigt, weniger hart vorgehen zu wolNGOSlen als während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001.

B.Fortunato--PV

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