Pallade Veneta - Weitere NGOs unterbrechen nach Beschäftigungsverbot für Frauen Arbeit in Afghanistan

Weitere NGOs unterbrechen nach Beschäftigungsverbot für Frauen Arbeit in Afghanistan


Weitere NGOs unterbrechen nach Beschäftigungsverbot für Frauen Arbeit in Afghanistan
Weitere NGOs unterbrechen nach Beschäftigungsverbot für Frauen Arbeit in Afghanistan / Foto: Wakil KOHSAR - AFP/Archiv

Eine wachsende Anzahl internationaler Hilfsorganisationen hat infolge des von den Taliban verhängten Arbeitsverbots für Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ihre Tätigkeit in Afghanistan ausgesetzt. "Frauen sind für jede humanitäre Hilfsaktion von entscheidender Bedeutung", erklärte die Organisation ActionAid am Sonntag. Dies gelte umso mehr in Afghanistan, wo "nur Frauen mit Frauen interagieren können". Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) stellte bisherige Afghanistan-Hilfen infrage.

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Am Sonntag erklärten neben ActionAid auch die Organisationen ChristianAid und Aktion gegen den Hunger die vorläufige Einstellung ihrer Arbeit. Nach Angaben der NGO ActionAid arbeiten derzeit 97 Frauen für sie in Afghanistan.

Christian Aid erklärte, die Organisation wolle "schnell Klarheit" über die Ankündigung der Taliban und fordere die Behörden dringend auf, das Verbot zurückzunehmen. Millionen Menschen lebten in Afghanistan "am Rande der Hungernot", erklärte Ray Hasan, der regionale Leiter der NGO. ActionAid wie ChristianAid erklärten, ihre Arbeit zunächst "vorübergehend" einzustellen.

Die Organisation Aktion gegen den Hunger teilte am Montag mit, die Arbeit in Afghanistan größtenteils auszusetzen. Einzig die "lebenswichtigen medizinischen Maßnahmen für Kinder, die an akuter Unterernährung leiden", würden fortgesetzt. Die Organisation betonte, dass die Hilfsprojekte vor allem auf Kinder unter fünf Jahren und Frauen im gebärfähigen Alter abzielten. Die Entscheidung der Taliban sei ein "Hindernis für die Fortsetzung unserer Aktivitäten".

"Bis wir Klarheit über diese Ankündigung haben, setzen wir unsere Programme aus", hatte es am Sonntag in einer gemeinsamen Mitteilung von Save the Children, dem Norwegischen Flüchtlingsrat (NRC) und Care geheißen. Das Internationale Rettungskomitee (IRC) teilte am Sonntag mit, es sei auf all seinen Ebenen "auf weibliche Angestellte angewiesen". "Wenn es uns nicht erlaubt ist, Frauen zu beschäftigen, können wir den Bedürftigen nicht helfen."

Die radikalislamischen Taliban hatten das Beschäftigungsverbot am Samstag bekanntgegeben. Sie begründeten es mit "ernsthaften Beschwerden" über das Nichttragen des Hidschabs im Zusammenhang mit für NGOs tätige Frauen. Organisationen, die das Verbot nicht einhalten, drohe der Entzug ihrer Zulassung.

Der Norwegische Flüchtlingsrat wies derweil die Vorwürfe der Taliban zurück. "Bis heute wurden uns keine Belege für Fehlverhalten vorgelegt", sagte Becky Roby, Mitarbeiterin der Flüchtlingshilfsorganisation in Afghanistan, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). NRC habe die Vorschriften und Dekrete der Taliban in Bezug auf Frauen "nach bestem Wissen" eingehalten. Die Teilnahme von Frauen an der humanitären Arbeit sei für NRC jedoch "nicht verhandelbar".

Nicht nur bei Hilfsorganisationen stieß die Ankündigung der Taliban auf scharfe Kritik. "Wir werden nicht akzeptieren, dass die Taliban die Humanitäre Hilfe zum Spielball ihrer Frauenverachtung machen", schrieb Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) im Onlinedienst Twitter. Deutschland werde sich "für eine deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft" einsetzen.

Bundesentwicklungsministerin Schulze erklärte am Montag, sie sei dafür, dass die derzeitige, von Deutschland in Zusammenarbeit mit anderen geleistete Unterstützung "zunächst suspendiert" wird. Angesichts einer "völlig neuen Situation" wolle das Entwicklungsministerium mit der Weltbank zu Beratungen der Beteiligten des Wiederaufbaufonds für Afghanistan (ARTF) einladen.

Das französische Außenministerium erklärte, das Verbot zeige erneut den "Obskurantismus" der Taliban, die sich für den "systematischen Ausschluss der Frauen aus der afghanischen Gesellschaft" entschieden. Die "systematische Schikanierung" der weiblichen Bevölkerung sei "unerträglich".

Die 24-jährige Schabana, Mitarbeiterin einer internationalen NGO, sagte: "Ich bin die einzige Ernährerin meiner Familie. Wenn ich meinen Job verliere, wird meine 15-köpfige Familie verhungern." Afghanistan sei "zur Hölle für Frauen geworden".

Mehr als die Hälfte der 38 Millionen Menschen in Afghanistan ist nach UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit der Machtübernahme der Taliban im August vergangenen Jahres hat sich die Wirtschaftskrise im Land verschlimmert.

Die Taliban hatten zunächst angekündigt, weniger hart vorgehen zu wollen als während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001. Inzwischen wird die Miliz immer radikaler.

T.Galgano--PV

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