Pallade Veneta - Deutscher Präventionsexperte verlässt päpstliche Kommission gegen Missbrauch

Deutscher Präventionsexperte verlässt päpstliche Kommission gegen Missbrauch


Deutscher Präventionsexperte verlässt päpstliche Kommission gegen Missbrauch
Deutscher Präventionsexperte verlässt päpstliche Kommission gegen Missbrauch / Foto: PATRICIA DE MELO MOREIRA - AFP

Der deutsche Präventionsexperte Hans Zollner hat sich aus dem Kinderschutz-Gremium des Vatikans zurückgezogen. Wie der Leiter dieser Kommission, der US-Kardinal Sean O'Malley, am Mittwoch mitteilte, gab der Jesuit sein Amt am Mittwoch auf. Papst Franziskus habe sein Rücktrittsgesuch angenommen und ihm "für die Jahre seines Dienstes zutiefst gedankt".

Textgröße ändern:

Laut O'Malley erfolgte Zollners Rücktritt aufgrund einer hohen Arbeitsbelastung. Der renommierte Experte für das Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche begründete seinen Schritt jedoch mit "strukturellen und praktischen Problemen" des Gremiums, die "dringend angegangen werden" müssten.

Er sei "zunehmend besorgt" über die Arbeitsweise der päpstlichen Kinderschutzkommission, "insbesondere hinsichtlich Verantwortlichkeit, Einhaltung, Rechenschaftspflicht und Transparenz", erklärte Zollner. Es sei ihm daher "unmöglich" weiterzumachen. Zollner kritisierte "einen Mangel an Klarheit" hinsichtlich des Auswahlprozesses für das Gremium sowie eine "unzureichende" finanzielle Rechenschaftlegung. Zudem müsse "Transparenz über getroffene Entscheidungen" herrschen. Zu häufig seien die Informationen "unzureichend" und die Kommunikation "vage".

Zollner war das letzte verbliebene Gründungsmitglied der von Papst Franziskus im Jahr 2014 eingesetzten Kinderschutzkommission. Er leitet auch das Zentrum für den Schutz von Minderjährigen an der Päpstlichen Universität Gregoriana.

Probleme bei der Kinderschutzkommission gab es bereits seit 2017. Damals verließ die Irin Marie Collins, die selber als Kind von einem Priester sexuell missbraucht worden war, das Gremium wegen angeblich mangelnder Kooperationsbereitschaft der Kurie. Ein weiteres Missbrauchsopfer, der Brite Peter Saunders, stellte ein Jahr später seine Mitarbeit in der Kommission ein. Er warf dem Vatikan weitgehende Untätigkeit im Kampf gegen Kindesmissbrauch vor.

Der Gründer der Betroffeneninitiative Rete L'Abuso (Missbrauchs-Netzwerk), Francesco Zanardi, sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP, Zollner sei "sehr ehrlich" mit dem Problem der pädophilen Priester in der Kirche umgegangen, "und der Vatikan lässt ihn dafür bezahlen". Zanardi zufolge war Zollner in den vergangenen Jahren zunehmend ins Abseits geraten. Zollner bezeichnete er als eine seltene Stimme des Widerspruchs. Die Kommission selbst hingegen sei "absolut nutzlos".

Die katholische Kirche wird seit Jahrzehnten von Missbrauchsskandalen erschüttert. Angesichts tausender Fälle von sexuellem Missbrauch durch katholische Geistliche auf der ganzen Welt und wiederholten Vertuschungsvorwürfen hatte Papst Franziskus 2019 neue Regeln zum Umgang mit Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche vorgelegt.

P.Colombo--PV

Empfohlen

Proteste gegen Sparpläne und Missstände an Schulen erschüttern Frankreich

Wenige Tage vor der geplanten Vorstellung des Haushaltsplans mit milliardenschweren Einsparungen haben in Frankreich tausende Menschen für höhere Löhne im öffentlichen Dienst demonstriert. Der Gewerkschaftsbund gab die Zahl der landesweit Protestierenden am Dienstag mit mehr als 300.000 an; die Regierung ging von rund 200.000 Teilnehmern aus. Unabhängig davon erschütterten teils gewaltsame Schülerproteste das Land, bei denen Schulen blockiert und Polizisten attackiert wurden.

AfD muss Bundesgeschäftsstelle räumen - noch keine neuen Räume

Die AfD muss ihre Bundesgeschäftsstelle in Berlin räumen - hat aber noch kein neues Büro. Ein Großteil der aktuellen Räume muss nach einem Urteil des Berliner Landgerichts vom vergangenen Jahr bis Mittwoch geräumt werden, wie ein Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP bestätigte. Eine neue Immobilie sei aber noch nicht gefunden. Mitarbeitende müssten deshalb von zuhause aus arbeiten.

Proteste an französischen Schulen weiten sich aus - Lehrer streiken

In Frankreich haben sich teils gewaltsame Schülerproteste gegen schlecht ausgestattete Gebäude und zu lange Schultage ausgeweitet. Bei Unruhen an etwa 340 Schulen im ganzen Land wurden zehn Menschen verletzt, wie das Bildungsministerium am Dienstag mitteilte. Etwa 40 Schulen wurden blockiert, die Polizei nahm 40 Menschen in Gewahrsam. Die Bewegung war vor einigen Tagen im Großraum Paris entstanden und hatte sich auf andere Landesteile ausgebreitet.

Sachsen: Anklage gegen vier mutmaßliche IS-Mitglieder erhoben

In Sachsen ist Anklage gegen vier mutmaßliche IS-Mitglieder erhoben worden. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wirft den Beschuldigten im Alter zwischen 27 und 43 Jahren Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vor, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Sie sollen im Irak als Kämpfer, Scharfschützen oder Grenzschützer für verschiedene Verbände der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) tätig gewesen sein.

Textgröße ändern: