Pallade Veneta - Missbrauchsopfer enttäuscht von Münchner Kardinal Marx

Missbrauchsopfer enttäuscht von Münchner Kardinal Marx


Missbrauchsopfer enttäuscht von Münchner Kardinal Marx
Missbrauchsopfer enttäuscht von Münchner Kardinal Marx

Missbrauchsopfer haben enttäuscht auf die Stellungnahme des Münchner Kardinals Reinhard Marx auf das dortige Gutachten zum sexuellen Missbrauch reagiert. "Das war für Betroffene schwer erträglich", sagte der Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Marx bezeichnete es zwar als "unverzeihlich", dass Betroffene von Missbrauch in seinem Bistum übersehen wurden. Ein neues Rücktrittsangebot lehnte er aber ab.

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Vor einer Woche hatte eine Münchner Kanzlei ihr Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising seit dem Zweiten Weltkrieg vorgelegt. Darin bezifferten die Gutachter die Zahl der Opfer mit mindestens rund 500 und warfen sämtlichen Erzbischöfen seit Kriegsende, darunter neben Marx auch Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., Fehlverhalten vor.

Marx sagte, nach seinem von Papst Franziskus abgelehnten Amtsverzicht im vergangenen Jahr werde er nun nicht erneut seinen Rücktritt anbieten. "Ich bin bereit, auch weiterhin meinen Dienst zu tun, wenn das hilfreich ist." Er schloss aber für die Zukunft ein neues Angebot des Amtsverzichts an den Papst nicht aus.

"Ich klebe nicht an meinem Amt", sagte Marx. Falls er selbst oder andere den Eindruck gewinnen sollten, er wäre für die weitere Aufarbeitung eher Hindernis als Hilfe, werde er sich kritisch hinterfragen. Allerdings wolle er das dann mit anderen besprechen - "in einer synodalen Kirche will ich das nicht mehr mit mir allein ausmachen".

Das Gutachten hat aber dennoch eine personelle Konsequenz, wie Marx sagte. Prälat Lorenz Wolf, der durch das Gutachten belastet wurde, habe ihm mitgeteilt, dass er "alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lassen will - damit bin ich einverstanden", sagte der Kardinal. Damit zieht sich der Geistliche auch aus dem Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks zurück, dessen Vorsitzender Wolf zuletzt war. Es hatte wegen des Gutachtens bereits Rücktrittsforderungen an Wolf gegeben.

Marx wiederholte frühere Äußerungen, erschüttert über die Missbrauchsfälle zu sein. "Die Kirche war offensichtlich für viele Menschen ein Ort des Unheils", sagte er. Wer systemische Ursachen dafür weiter leugne, habe die Ursachen nicht verstanden. Marx wiederholte auch frühere Entschuldigungen bei Missbrauchsopfern und ergänzte diese um eine Entschuldigung bei den Gläubigen im Erzbistum, die derzeit "an der Kirche verzweifeln".

In Bayern werden stark gestiegene Kirchenaustritte gemeldet. Der bayerische FDP-Vorsitzende Martin Hagen forderte in dem Zusammenhang, dass die Kirchen die bei den bayerischen Standesämtern fällige Gebühr von 35 Euro übernehmen.

Katsch kritisierte als Sprecher der Missbrauchsopfer insbesondere, dass Marx auf ein neues Rücktrittsangebot verzichtete. "Vor einer Woche ist das Schiff auf Grund gelaufen - heute erklärt uns der Kapitän, dass er unbedingt an Deck bleiben muss." Marx sei offensichtlich der Meinung, ohne die Bischöfe und ohne ihn gehe es nicht. "Ich bin wirklich mit meinem Latein am Ende", sagte Katsch.

Der Sprecher des Eckigen Tischs forderte "endlich" eine Hinwendung zu den Missbrauchsopfern. Es gebe bis heute keine unabhängige Anlaufstelle für Missbrauchsopfer, weiterhin müssten Ehrenamtliche wie die Freiwilligen des Eckigen Tischs diese Arbeit machen.

"Es gibt immer noch kein Opfergenesungswerk, es gibt immer noch keine faire, angemessene Entschädigung", kritisierte Katsch. Es falle ihm wirklich schwer, "auf dieses selbstzentrierte Gerede von Kardinal Marx wirklich zu antworten".

N.Tartaglione--PV

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