Pallade Veneta - Iran unter Schock: Präsident Raisi und Außenminister bei Hubschrauberabsturz getötet

Iran unter Schock: Präsident Raisi und Außenminister bei Hubschrauberabsturz getötet


Iran unter Schock: Präsident Raisi und Außenminister bei Hubschrauberabsturz getötet
Iran unter Schock: Präsident Raisi und Außenminister bei Hubschrauberabsturz getötet / Foto: ATTA KENARE - AFP

Nach dem Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi bei einem Hubschrauber-Absturz steht dem Iran eine Zeit der innenpolitischen Unsicherheit bevor. Raisis bisheriger Vize Mohammed Mochber übernahm am Montag zwar vorläufig die Amtsgeschäfte und auch ein neuer Interims-Außenminister wurde ernannt, weil Amtsinhaber Hossein Amir-Abdollahian zusammen mit Raisi bei dem Absturz am Sonntag ums Leben gekommen war. In den nächsten 50 Tagen muss nun aber ein neuer Präsident gewählt werden - und bisher zeichnet sich kein Anwärter ab.

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Der Ultrakonservative Raisi galt als Favorit für die Nachfolge des geistlichen Oberhaupts des schiitischen Landes, Ayatollah Ali Chamenei, dem er nahestand. Als eigentliche Nummer Eins an der Spitze des Iran übertrug der 85 Jahre alte Chamenei am Montag dem 68-jährigen Mochber vorläufig die Staatsführung. Zusammen mit Legislative und Judikative soll er nun die Präsidentschaftswahl organisieren. Experten rechnen nicht mit einem außenpolitischen Kurswechsel.

Chamenei hatte schon am Sonntag der Bevölkerung versichert, dass sie sich "keine Sorgen" über den Fortgang der Staatsgeschäfte machen müsse. Er rief nach Raisis Tod eine fünftägige landesweite Trauerzeit aus.

Die Trauerfeierlichkeiten sollen am Dienstag beginnen. Eine Bestattungszeremonie für Raisi und seine Begleiter werde am Dienstagmorgen in Täbris im Norden des Iran stattfinden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Danach werden die Trauerzeremonien am Mittwoch in Teheran und am Donnerstag in Raisis Heimatstadt Maschchad fortgesetzt.

Der bisherige Atom-Chefunterhändler Ali Bagheri wurde übergangsweise zum neuen Chefdiplomaten des Landes ernannt, wie ein Regierungssprecher im Staatsfernsehen mitteilte. Unter Amir-Abdollahian hatte der 56-jährige Bagheri als Vize-Außenminister gedient.

Der Generalstabschef der iranischen Armee ordnete eine Untersuchung der Absturzursache an, wie iranische Medien berichteten. Der staatliche Fernsehsender Irib hatte zuvor berichtet, dass der Hubschrauber bei Regen und dichtem Nebel gegen einen Berg geprallt und zerschellt sei.

Die Regierung in Teheran hatte am Montagmorgen erstmals den Tod von Raisi bestätigt: "Der hart arbeitende und unermüdliche Präsident des iranischen Volkes (...) hat sein Leben für die Nation aufgeopfert." Chamenei erklärte: "Die iranische Nation hat einen aufrichtigen und wertvollen Diener verloren."

Zuvor hatten am frühen Montagmorgen iranische Staatsmedien den Tod des 63-jährigen Präsidenten gemeldet, dessen Hubschrauber seit Sonntagnachmittag in einer bewaldeten Gebirgsregion im Nordwesten des Landes verschollen war. Bei dem Absturz des Helikopters vom Typ Bell 212 starben neben Raisi und Außenminister Amir-Abdollahian noch sieben weitere Menschen, darunter Leibwächter, der Pilot sowie regionale Vertreter aus Politik und Religion.

Der Präsidentenhubschrauber war am Sonntagnachmittag in einem nebelverhangenen Berggebiet in der Gegend von Dscholfa in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan abgestürzt. Raisi hatte in der Grenzprovinz gemeinsam mit Aserbaidschans Staatschef Ilhan Alijew ein Staudammprojekt eingeweiht.

Auf dem Rückflug landeten nur zwei der drei Hubschrauber der Präsidentenflotte in der Stadt Täbris. Ein riesiger Such- und Rettungseinsatz begann, auch Soldaten und Freiwillige waren dabei. Zahlreiche ausländische Regierungen boten Unterstützung an, darunter die Türkei, der Irak, Katar, Russland und Saudi-Arabien. Die EU stellte Satellitendaten bereit.

Die Regierung in Teheran hatte zunächst von einer "harten Landung" des Präsidentenhubschraubers gesprochen, Behördenvertreter berichteten sogar, es habe Funkkontakt zu mindestens einem Menschen in dem Helikopter gegeben, auch von einem "Unfall" war die Rede. Das Fernsehen zeigte Bilder von Suchmannschaften, die im dichten Nebel einen Berg erklommen.

Erst bei Sonnenaufgang am Montag hieß es schließlich von Seiten der Rettungskräfte, dass der zerstörte Hubschrauber mit den neun toten Insassen in dem unwegsamen Gelände gefunden worden sei. Auf Tragen wurden die neun Leichen aus dem Wald zu einer Straße und dann nach Täbris gebracht, wie das Staatsfernsehen zeigte.

Der ultrakonservative Raisi war seit 2021 Präsident des Iran. Während seiner Amtszeit erlebte das Land Massenproteste, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini im September 2022 ausgelöst wurden, eine durch US-Sanktionen verschärfte Wirtschaftskrise und eine gefährliche Konfrontation mit dem Erzfeind Israel, bei der Teheran erstmals hunderte Drohnen und Raketen von seinem Staatsgebiet aus auf Israel abschoss.

Weltweit bekundeten zahlreiche Länder, aber auch militante pro-iranische Gruppen wie Hamas und Hisbollah, ihr Beileid. Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte Raisi als einen "herausragenden" Politiker, später telefonierte er laut Kreml mit dem neuen Interims-Präsidenten und beide "unterstrichen ihren Willen, die Zusammenarbeit weiterhin zu verstärken".

Chinas Staatschef Xi Jinping sprach von einem "großen Verlust für das iranische Volk". Auch Syriens Machthaber Baschar al-Assad, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und die Führung von Saudi-Arabien sprachen ihr Beileid aus.

Auch der EU-Ratsvorsitzende Charles Michel erklärte sein "aufrichtiges Beileid", ebenso der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Von europäischen Politikern kam aber auch Kritik an diesen Solidaritätsadressen. Eine Nato-Sprecherin brachte das Beileid des Militärbündnisses für "das iranische Volk" zum Ausdruck. Ähnlich äußerte sich das französische Außenministerium.

G.Riotto--PV

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