Pallade Veneta - Miersch kritisiert Unions-Forderungen nach Rückzug von Brosius-Gersdorf

Miersch kritisiert Unions-Forderungen nach Rückzug von Brosius-Gersdorf


Miersch kritisiert Unions-Forderungen nach Rückzug von Brosius-Gersdorf
Miersch kritisiert Unions-Forderungen nach Rückzug von Brosius-Gersdorf / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP/Archiv

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat sich gegen indirekte Aufforderungen aus der Union nach einem Rückzug der Staatsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf von ihrer Kandidatur für das Richteramt am Bundesverfassungsgericht gewandt. Es wäre "ein Gebot der Fairness, wenn auch Vertreter der Union innehalten und das Gespräch mit der Kandidatin suchen würden, statt sich täglich reflexartig an Rücktrittsforderungen zu beteiligen", sagte Miersch den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Textgröße ändern:

Aufforderungen nach einem Rückzug von Brosius-Gersdorf hatten zuvor Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und CSU-Chef Markus Söder geäußert. Dies wies Miersch nun zurück. Der SPD-Fraktionschef verwies dagegen als positives Beispiel auf das Verhalten von Repräsentanten der katholischen Kirche, die nach anfänglicher Kritik mit der Juristin gesprochen und ihre Kritik daraufhin zurückgenommen oder relativiert hatten.

"Es verdient Respekt, dass hochrangige Vertreter der katholischen Kirche das direkte Gespräch mit Professor Brosius-Gersdorf suchen und einräumen, falsch informiert gewesen zu sein", sagte dazu Miersch. "Das ist ein starkes und aufrichtiges Zeichen in Zeiten, in denen gezielte Falschinformationen und Kampagnen von rechts außen den Diskurs vergiften." Er legte den Kritikern der Staatsrechtlerin aus der Union nahe, sich dies zum Vorbild zu nehmen.

Gegen einen Rückzug von Brosius-Gersdorf wandte sich auch der Staatsrechtler Alexander Thiele. "Das Problem ist der Umgang mit ihr und nicht sie als Wissenschaftlerin", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). "Ein schnelles Zurückziehen wäre hochgradig problematisch, auch für künftige Nominierungen", warnte Thiele weiter. Aus seiner Sicht wäre die aktuelle Krise keineswegs "automatisch gelöst, wenn Brosius-Gersdorf hinschmeißt". Auch Thiele wandte sich damit gegen die Vorstöße aus der Union.

Ebenfalls gegen einen Verzicht auf die Kandidatur von Brosius-Gersdorf wandte sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten. Dem "Druck von Antifeministen und rechtsextremen Lobbyisten darf nicht nachgegeben werden", hieß es in einer Erklärung. Der Fall sei ein Beispiel, wie Frauen "durch Fakenews und gezielte Kampagnen persönlich, beruflich oder politisch diskreditiert" würden. Der Vorgang spiele "in die Hände rechtspopulistischer Kräfte und deren Lobby" in Deutschland. Ein Rückzug der Juristin wäre nun "ein Signal an Demokratiefeinde, dass sich Lügenkampagnen, Fakenews und ultrarechte, christlich fundamentalistische Lobbyarbeit lohnt".

A.Fallone--PV

Empfohlen

81-Jährige liegt tot in Wohnung: Polizei in Sachsen-Anhalt geht von Verbrechen aus

Nach dem Fund einer toten 81-Jährigen in einer Wohnung in Hettstedt in Sachsen-Anhalt wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Es gebe "Hinweise auf eine nicht natürliche Todesursache", teilte die Polizei in Halle am Sonntag nach einer Obduktion mit. Einzelheiten zum möglichen Geschehensablauf würden nicht gemacht, die Ermittlungen seien "in einem frühen Stadium".

40. Tschernobyl-Jahrestag: Selenskyj wirft Russland "nuklearen Terrorismus" vor

Inmitten tödlicher russischer Luftangriffe hat die Ukraine am Sonntag der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 40 Jahren gedacht. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland am Jahrestag "nuklearen Terrorismus" vor. Russische Drohnen flögen immer wieder über das stillgelegte Akw Tschernobyl hinweg, im vergangenen Jahr sei die wichtige Schutzhülle des Unglücksreaktors getroffen worden. Durch russische Angriffe auf die Ukraine wurden am Wochenende nach Behörden-Angaben mindestens elf Menschen getötet.

Ökonom Fratzscher fordert autofreie Sonntage und Tempolimit

Der Ökonom Marcel Fratzscher spricht sich mit Blick auf die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs für autofreie Sonntage wie in den Siebzigerjahren aus. "Wir brauchen autofreie Sonntage und ein Tempolimit – auch jetzt schon, nicht erst, wenn es sich weiter zuspitzt", sagte Fratzscher dem Nachrichtenportal t-online laut Meldung von Sonntag. "Das klingt sehr kontrovers. Aber was viele nicht verstehen: Wir haben im Augenblick weltweit zehn bis fünfzehn Prozent weniger Öl und Gas."

Opferverbände lehnen Verlegung von Kriegsverbrecher Mladic nach Serbien ab

Verbände von Opfern des Bosnien-Krieges haben sich gegen eine mögliche Verlegung des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic nach Serbien ausgesprochen. Die Familien der Kriegsopfer sähen es als eine "schwere Ungerechtigkeit an", falls der zu lebenslanger Haft verurteilte Kriegsverbrecher der weiteren Haft unter internationaler Aufsicht entgehen würde, schrieben die Vertreter von fünf Opferverbänden in einem am Samstag veröffentlichten Brief an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana.

Textgröße ändern: