Pallade Veneta - Hoffnung auf Überlebende nach Erdbeben in Afghanistan schwindet

Hoffnung auf Überlebende nach Erdbeben in Afghanistan schwindet


Hoffnung auf Überlebende nach Erdbeben in Afghanistan schwindet
Hoffnung auf Überlebende nach Erdbeben in Afghanistan schwindet / Foto: Wakil Kohsar - AFP

Nach dem schweren Erdbeben mit mehr als 1400 Toten schwindet in Afghanistan die Hoffnung, noch Überlebende in den Trümmern zu finden. In der am schlimmsten betroffenen Provinz Kunar haben Rettungsteams einige Bergdörfer immer noch nicht erreicht, wie der Behördenvertreter Ijas Ulhak Jaad am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP sagte. Einsätze zur Bergung von Verschütteten und zur Versorgung der Überlebenden seien dort noch gar nicht angelaufen.

Textgröße ändern:

Das Beben der Stärke 6,0 hatte sich in der Nacht zum Montag in der Nähe der Großstadt Dschalalabad im Osten Afghanistans ereignet. Allein in der Provinz Kunar kamen nach Angaben der Taliban-Regierung mindestens 1411 Menschen ums Leben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind immer noch "viele Menschen in zerstörten Gebäuden eingeschlossen". Die afghanischen Behörden und die UNO gehen daher davon aus, dass die Opferzahl weiter ansteigen wird.

Viele Orte in der bergigen Grenzregion zu Pakistan sind weiterhin schwer erreichbar, weil Erdrutsche und Felsstürze die Zufahrtsstraßen blockiert haben. Ein Hilfsteam von Save the Children musste nach Angaben der Hilfsorganisation etwa 20 Kilometer zu Fuß laufen, "um durch Felsstürze abgeschnittene Dörfer zu erreichen". Medizinische Geräte zur Versorgung von Verletzten trugen die Helfer dabei auf dem Rücken.

Das Verteidigungsministerium der Taliban-Regierung erklärte, innerhalb von zwei Tagen seien 155 Hubschrauberflüge organisiert worden, um rund 2000 Verletzte und deren Angehörige in Krankenhäuser zu bringen. Im Dorf Masar Dara in Kunar wurde zudem eine kleine mobile Klinik eingerichtet, um Verletzte notdürftig zu versorgen. Wie ein AFP-Korrespondent berichtete, wurden bisher jedoch keine Zelte für Überlebende aufgestellt. Die Bewohner zerstörter Lehm- und Steinhäuser müssen daher im Freien schlafen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation ActionAid sind mehr als 12.000 Menschen direkt von dem Erdbeben betroffen. Frauen und Mädchen, die von den radikalislamischen Taliban systematisch diskriminiert und ihrer Rechte beraubt werden, seien in der Notlage besonders gefährdet.

Afghanistan wird häufig von Erdbeben erschüttert, insbesondere am Hindukusch, wo die Eurasische und die Indische Erdplatte aufeinander treffen. Da viele Häuser in dem Land aus Lehmziegeln gebaut sind, richten die Erdstöße oft schwere Schäden an.

Hinzu kommt, dass die humanitäre Lage in Afghanistan infolge der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im August 2021 ohnehin katastrophal ist. Der Westen hat seine Hilfen seitdem stark zurückgefahren.

"Dieses Erdbeben hätte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können", erklärte der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC), Jagan Chapagain. Die Katastrophe verursache "nicht nur unmittelbares Leid", sondern verschärfe auch die ohnehin schon schlimme humanitäre Krise in Afghanistan.

Das Welternährungsprogramm (WFP), das sich nach eigenen Angaben um Lebensmittel-Hilfen für die Erdbeben-Opfer bemüht, erklärte, da in Afghanistan schon vor dem Beben viele Menschen an Hunger gelitten hätten, sei die "Realität brutal".

O.Merendino--PV

Empfohlen

Trump-Regierung will Todesstrafe ausweiten und Erschießungskommandos zulassen

Das US-Justizministerium will die Todesstrafe für Schwerverbrechen auf Bundesebene ausweiten und dafür die Hinrichtungsmethoden unter anderem um Erschießungskommandos erweitern. "Die vorherige Regierung ist ihrer Pflicht, das amerikanische Volk zu schützen, nicht nachgekommen, indem sie sich weigerte, die Höchststrafe gegen die gefährlichsten Verbrecher, darunter Terroristen, Kindermörder und Polizistenmörder zu verhängen", erklärte Justizminister Todd Blanche am Freitag.

US-Staatsanwältin stellt Ermittlungen gegen Notenbankchef Powell ein

Die US-Justiz hat die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Notenbankchef Jerome Powell eingestellt und damit den Weg für die Ernennung eines Nachfolgers freigemacht. Staatsanwältin Jeanine Pirro erklärte am Freitag in Onlinediensten, statt der Justiz werde nun die interne Aufsicht der Federal Reserve (Fed) die Kosten für die Renovierung des Notenbankgebäudes untersuchen. Dementsprechend habe sie angewiesen, die Ermittlungen gegen Powell nun einzustellen.

Signal-Hack: Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts

Wegen der Angriffswelle auf Nutzer des Messengerdienstes Signal aus Politik, Behörden und Medien ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Es gehe um den Anfangsverdacht der Spionage, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Freitag. Demnach wurden die Ermittlungen schon im Februar eingeleitet, als deutsche Sicherheitsbehörden erstmals öffentlich vor den Angriffen gewarnt hatten.

Bröckelnde Balkone: Eigentümergemeinschaft muss Sanierung veranlassen

Wenn Balkone am Mehrfamilienhaus dringend saniert werden müssen, muss die Eigentümergemeinschaft aktiv werden und die Renovierungen veranlassen. Das gilt auch dann, wenn eigentlich die einzelnen Wohnungseigentümer zuständig sind, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Freitag entschied. Es ging um einen Streit von der Ostsee: An der Appartementanlage fielen bereits Teile von den bröckelnden Balkonen, die Grünfläche am Haus musste gesperrt werden. (Az. V ZR 102/24)

Textgröße ändern: