Pallade Veneta - US-Prozess: Amazon soll bei Prime-Abo-Abschlüssen getrickst haben

US-Prozess: Amazon soll bei Prime-Abo-Abschlüssen getrickst haben


US-Prozess: Amazon soll bei Prime-Abo-Abschlüssen getrickst haben
US-Prozess: Amazon soll bei Prime-Abo-Abschlüssen getrickst haben / Foto: MARCO BERTORELLO - AFP/Archiv

In den USA hat ein Prozess gegen den Internethändler Amazon um die Frage begonnen, ob das Unternehmen Millionen Menschen mit Tricks in seinen Abo-Service Prime gelockt und dann die Kündigung erschwert hat. Am Montag (Ortszeit) startete das Verfahren vor einem Bundesgericht in Seattle im US-Nordwesten mit der Auswahl einer Geschworenenjury. Am Dienstag sollen die Eröffnungsplädoyers folgen.

Textgröße ändern:

Das Verfahren gründet auf einer im Juni 2023 eingereichten Beschwerde der US-Verbraucherschutzbehörde FTC. Die FTC wirft Amazon vor, bewusst sogenannte Dark Patterns, also manipulative Designs, auf seiner Website genutzt zu haben. Sie sollen demnach eingesetzt worden sein, um die Kunden dazu zu verleiten, bei der Bezahlung ihres Einkaufs auch ein Abonnement für den Amazon-Service Prime für 139 Dollar pro Jahr (rund 118 Euro) abzuschließen.

Im Zentrum des Falls stehen zwei Vorwürfe: Amazon soll zum einen mit verwirrenden Zahlvorgänge Prime-Abonnenten ohne deren explizite Zustimmung gewonnen haben. Zum anderen soll das Unternehmen ein absichtlich komplexes Kündigungssystem erschaffen haben, das intern den Spitznamen "Ilias" trug - nach dem Epos von Homer über den langwierigen Trojanischen Krieg.

"Seit Jahren hat Amazon wissentlich Millionen von Verbrauchern dazu verleitet, sich unwissentlich für seinen Amazon Prime-Dienst anzumelden", heißt es in der 2023 eingereichten FTC-Beschwerde. Die Behörde fordert Strafzahlungen, finanzielle Entschädigungen und dauerhafte Anordnungen, die den Konzern zu einer Änderung seiner Geschäftspraktiken verpflichten. Die Klage stützt sich teils auf eine seit 2010 geltende Gesetzgebung, die unter anderem ausdrücklich verbietet, Verbraucherinnen und Verbrauchern Internetdienste in Rechnung zu stellen, ohne die Bedingungen klar offenzulegen und einfache Kündigungsmechanismen anzubieten.

Amazon hingegen argumentiert, dass die in Frage stehenden Geschäftspraktiken nicht ausdrücklich verboten seien und die FTC zu weit gehe. Auch hat das Unternehmen bereits erklärt, seine Vorgänge für den Abschluss und die Kündigung eines Prime-Abos bereits verbessert zu haben - die Vorwürfe seien daher überholt.

Der Prozess dürfte etwa vier Wochen lang dauern. Sollte die FTC dabei Recht bekommen, könnten Amazon bedeutende Strafzahlungen auferlegt werden. Der Konzern könnte auch verpflichtet werden, seine Abo-Services unter Aufsicht des Gerichts ausbessern zu müssen.

Der Fall wird von einer Geschworenenjury untersucht, der der Richter John Chun vorsitzt. Er ist noch für ein weiteres von der FTC angestrengtes Verfahren gegen Amazon wegen des Vorwurfs eines illegalen Monopols zuständig. In der vergangenen Woche hatte Chun laut einem online zum Teil veröffentlichten Urteil zudem entschieden, dass Amazon gegen ein Gesetz zum Schutz von Online-Käufern verstoßen habe, indem es die Zahlungsdaten von Prime-Abonnenten erfasst habe, bevor es die Konditionen des Dienstes offengelegt habe.

E.M.Filippelli--PV

Empfohlen

Signal-Hack: Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts

Wegen der Angriffswelle auf Nutzer des Messengerdienstes Signal aus Politik, Behörden und Medien ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Es gehe um den Anfangsverdacht der Spionage, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Freitag. Demnach wurden die Ermittlungen schon im Februar eingeleitet, als deutsche Sicherheitsbehörden erstmals öffentlich vor den Angriffen gewarnt hatten.

Bröckelnde Balkone: Eigentümergemeinschaft muss Sanierung veranlassen

Wenn Balkone am Mehrfamilienhaus dringend saniert werden müssen, muss die Eigentümergemeinschaft aktiv werden und die Renovierungen veranlassen. Das gilt auch dann, wenn eigentlich die einzelnen Wohnungseigentümer zuständig sind, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Freitag entschied. Es ging um einen Streit von der Ostsee: An der Appartementanlage fielen bereits Teile von den bröckelnden Balkonen, die Grünfläche am Haus musste gesperrt werden. (Az. V ZR 102/24)

US-Organisationen warnen vor Risiken bei Reisen zur Fußball-WM in den USA

Mehr als 120 US-Organisationen haben Fußballfans und andere USA-Reisende vor "schweren Verletzungen ihrer Rechte" während der Fußball-WM gewarnt. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU begründete die Warnung an "Fans, Spieler, Journalisten und andere Besucher" am Donnerstag mit dem "drakonischen einwanderungs- und menschenrechtsfeindlichen Kurs" der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Der Weltfußballverband Fifa müsse deshalb dringend Druck auf die US-Regierung ausüben.

Italienische Blauhelmsoldaten ersetzen beschädigte Jesus-Statue im Libanon

Italienische Blauhelmsoldaten haben eine von israelische Soldaten beschädigte Jesus-Statue im Libanon ersetzt. Wie die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni am Donnerstag mitteilte, hatte das italienische Kontingent der UN-Mission Unifil die Idee, "dem libanesischen Dorf Debl ein neues Kruzifix zu spenden". Die Errichtung der neuen Statue sei "eine kraftvolle Botschaft der Hoffnung, des Dialogs und des Friedens".

Textgröße ändern: