Pallade Veneta - Ermittler: Angeklagter im Vergewaltigungsfall Pelicot war nicht ahnungslos

Ermittler: Angeklagter im Vergewaltigungsfall Pelicot war nicht ahnungslos


Ermittler: Angeklagter im Vergewaltigungsfall Pelicot war nicht ahnungslos
Ermittler: Angeklagter im Vergewaltigungsfall Pelicot war nicht ahnungslos / Foto: Christophe Simon - AFP

Im Berufungsprozess gegen einen der mutmaßlichen Vergewaltiger der Französin Gisèle Pelicot hat ein Polizei-Ermittler die Argumentation des Angeklagten zurückgewiesen und diesen schwer belastet. Der Angeklagte Husamettin D. sei sich "völlig darüber im Klaren" gewesen, dass Gisèle Pelicot schlief, während er sie über mehr als drei Stunden hinweg sexuell missbraucht habe, sagte Ermittlungschef Jérémie Bosse-Platière am Dienstag vor Gericht im südfranzösischen Nîmes.

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Der Angeklagte hatte zuvor seine Unschuld beteuert und erklärt, er sei überzeugt gewesen, an einem erotischen Spiel eines freizügigen Paares teilzunehmen. Gisèle Pelicots damaliger Ehemann Dominique Pelicot hatte seine Frau über Jahre hinweg immer wieder mit Medikamenten betäubt und sie gemeinsam mit Männern vergewaltigt, die er in Internetforen kontaktiert hatte. Er und 50 weitere Angeklagte waren im Dezember wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs verurteilt worden.

Der damals zu neun Jahren Haft verurteilte Husamettin D. bestand als einziger der Verurteilten auf einem Berufungsverfahren. Damit drohen ihm erneut bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Jeder, der die von Dominique Pelicot aufgenommenen 107 Fotos und 14 Videos von der Nacht sehe, in der Husamettin D. im Haus des Paares war, verstehe sofort, dass D. der Zustand seines Opfers vollkommen bewusst gewesen sei, sagte Ermittlungschef Bosse-Platière. Die Aufnahmen zeigten Gisèle Pelicot "bewegungslos und schnarchend", während sie von D. vergewaltigt werde.

Eines der Videos zeige, wie D. sich sofort zurückziehe, als sich sein Opfer bewegt: "Es wird klar, dass er fürchtet, sein Opfer könne aufwachen", sagte der Ermittler. D. und Dominique Pelicot hätten sich viel Mühe gegeben, keinen Lärm zu machen und geflüstert, um ihr Opfer nicht aufzuwecken.

Der Ermittlungschef wies auch die Darstellung des Angeklagten zurück, er sei nur eine halbe Stunde im Haus der Pelicots gewesen. Laut Zeitstempel der Aufnahmen habe er vielmehr mindestens drei Stunden und 24 Minuten in dem Haus verbracht. Hinweise darauf, dass Dominique Pelicot den Angeklagten etwa unter Druck gesetzt und zu seinen Taten gedrängt habe, wie dieser beteuert, ergeben die Videoaufnahmen dagegen laut Bosse-Platière nicht.

Das Berufungsverfahren in Nîmes soll voraussichtlich bis Mittwoch oder Donnerstag dauern. Für Dienstagnachmittag wurde die Aussage von Pelicots Ex-Mann Dominique erwartet. Er hatte im ersten Prozess ein Geständnis abgelegt und war im Dezember zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Wegen ihres Muts während des ersten Prozesses im vergangenen Jahr war Gisèle Pelicot zu einer Galionsfigur im Kampf für die Frauenrechte geworden. Sie hatte sich für ein öffentliches Verfahren eingesetzt, "damit die Scham die Seite wechselt".

F.Amato--PV

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