Pallade Veneta - Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss: Armee setzt insgesamt 10.000 Soldaten ein

Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss: Armee setzt insgesamt 10.000 Soldaten ein


Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss: Armee setzt insgesamt 10.000 Soldaten ein
Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss: Armee setzt insgesamt 10.000 Soldaten ein / Foto: Ulises Ruiz - AFP

Nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes durch die mexikanische Armee haben mutmaßliche Bandenmitglieder weite Teile des Landes mit einer Welle der Gewalt überzogen. In 20 der 32 Bundesstaaten kam es am Sonntag zu Ausschreitungen, massiv betroffen war auch ein Austragungsort der Fußball-WM. Am Montag verlegte die Regierung zusätzliche 2.500 Soldaten in den Westen des Landes, wodurch sich deren Zahl auf insgesamt 10.000 erhöhte. Nach Angaben von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hatte sich die Lage jedoch beruhigt. Das Auswärtige Amt rief Deutsche in Mexiko zur Vorsicht auf.

Textgröße ändern:

Die mexikanische Armee hatte am Sonntag die Tötung des Anführers des mächtigen Drogenkartells Jalisco Nueva Generación bekannt gegeben. "El Mencho", der in Mexiko und im Nachbarland USA auf den Fahndungslisten stand, sei bei einem Einsatz in Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco verletzt worden und auf dem Flug in die Hauptstadt Mexiko-Stadt gestorben, erklärte die Armee. Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen Dollar (12,7 Millionen Euro) für Hinweise zu seiner Ergreifung ausgesetzt.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte im Onlinedienst X, die US-Regierung habe den Einsatz, bei dem "El Mencho" "eliminiert" worden sei, mit Geheimdienstinformationen unterstützt. Mexikos Präsidentin Sheinbaum betonte am Montag, US-Soldaten seien nicht an dem Einsatz beteiligt gewesen. Es habe lediglich ein "intensiver Informationsaustausch" mit den USA stattgefunden. Mittlerweile sei es "friedlich" und "ruhig" im Land, fügte Sheinbaum hinzu.

Bei dem Einsatz gegen "El Mencho" und den darauffolgenden Ausschreitungen wurden nach Angaben von Sicherheitsminister Omar García Harfuch mindestens 27 Angehörige der mexikanischen Sicherheitskräfte und 30 mutmaßliche Bandenmitglieder getötet. Am Montag gab Verteidigungsminister Ricardo Trevilla die Verlegung von zusätzlichen Soldaten in den Westen des Landes bekannt, wodurch sich deren Zahl auf insgesamt 10.000 erhöhte.

Nach dem Einsatz hatten mutmaßliche Bandenmitglieder etliche Straßen mit brennenden Autos und Lastwagen blockiert. Die Bevölkerung in Jaliscos Hauptstadt Guadalajara wurde dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Die Straßen waren nahezu leer, Geschäfte, Apotheken und Tankstellen waren geschlossen. Größere Veranstaltungen wie Fußballspiele wurden abgesagt, Touristen verschanzten sich in Hotels und Ferienanlagen.

In Guadalajara finden in diesem Sommer mehrere Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer statt. Die deutsche Mannschaft absolviert alle ihre Vorrundenspiele in den USA. Der Weltfußballverband Fifa werde zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keinen Kommentar zur Lage in Mexiko abgeben, erklärte eine Fifa-Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Mexiko riefen Deutsche in Mexiko dazu auf, sichere Orte wie Hotels möglichst nicht zu verlassen und Menschenansammlungen und Orte, an denen Polizeieinsätze stattfinden, zu meiden. Wer in eine Straßensperre gerate, solle sich nicht widersetzen oder flüchten. Schon zuvor hatte das Auswärtige Amt von Reisen in Teile mehrerer mexikanischer Bundesstaaten abgeraten.

Einige Fluggesellschaften aus den USA und Kanada sagten Flüge in mexikanische Städte ab. Einige Maschinen, die bereits auf dem Weg nach Mexiko waren, mussten auf halber Strecke umkehren. Mexikos Nachbarland Guatemala verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze.

Das 2009 von "El Mencho" gegründete Kartell Jalisco Nueva Generación gilt als besonders gewalttätig und ist eines der mexikanischen Drogenkartelle, die US-Präsident Donald Trump als terroristische Organisation eingestuft hat. Die US-Behörden legen dem Kartell zur Last, Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl aus Mexiko über die Grenze in die USA zu schmuggeln. Die Trump-Regierung hat Drogenbanden unter anderem aus Mexiko den "Krieg" erklärt. Im Januar drohte der US-Präsident, auf mexikanischem Staatsgebiet gegen Drogenkartelle vorzugehen.

Die Tötung von "El Mencho" ist der bedeutendste Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle seit der Festnahme der Drogenbosse Joaquín "El Chapo" Guzman und Ismael "El Mayo" Zambada, die in den USA in Haft sitzen. Das Kartell des 59-Jährigen stieg nach der Auslieferung von "El Chapo" und "El Mayo" an die USA zum mächtigsten seines Landes auf. "El Mencho" forderte den Staat offen heraus. So verletzte sein Kartell bei einem Angriff im Juni 2020 den damaligen Polizeichef von Mexiko-Stadt und heutigen Sicherheitsminister García Harfuch.

A.Fallone--PV

Empfohlen

UNO: Weniger Migranten erreichen Europa über das Meer - doch mehr sterben beim Versuch

In diesem Jahr haben nach UN-Angaben bisher weniger Flüchtlinge und Migranten die Bootsüberfahrt nach Europa versucht, auf dem gefährlichen Seeweg sind aber mehr Menschen ums Leben gekommen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) gab die Zahl der Flüchtlinge per Boot bis Mitte September am Donnerstag mit 60.000 an - das entspricht einem Rückgang von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch starben demnach 2292 Menschen bei der Überfahrt, im Vorjahr waren es 1999 gewesen.

Klage scheitert: Schulleiter bekommt keinen Ausgleich für Überstunden

Lehrkräfte können nicht selbstständig entscheiden, länger zu arbeiten, und dafür extra Geld verlangen. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag und betonte, dass dies auch für Schulleiter gelte. Ein pensionierter Rektor aus Niedersachsen scheiterte mit seiner Klage auf finanziellen Ausgleich. (Az. 2 C 19.25)

Bayern: Festnahme nach mutmaßlichem Mord an 45-Jährigem bei Feier in Coburg

Nach der mutmaßlichen Ermordung eines 45-Jährigen bei einer nächtlichen Feier in einer Wohnung im bayerischen Coburg haben Ermittler einen Verdächtigen festgenommen. Er kam unter dem Verdacht des Mordes in Untersuchungshaft, wie die Polizei in Bayreuth und die Staatsanwaltschaft Coburg am Donnerstag mitteilten. Demnach handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen 35-Jährigen.

Festnahme in Brandenburg: IS-Anhänger soll Anschlag auf Kirche in Bremen geplant haben

Im brandenburgischen Landkreis Barnim ist ein Iraker festgenommen worden, der Anschläge in Deutschland geplant haben soll. Gailan Al-M. soll Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sein, wie die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Der Tatverdächtige habe bereits eine Kirche in Bremen ausgekundschaftet, die das erste Anschlagsziel habe sein sollen.

Textgröße ändern: