Pallade Veneta - Münchner Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt und Kardinal Marx schwer

Münchner Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt und Kardinal Marx schwer


Münchner Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt und Kardinal Marx schwer
Münchner Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt und Kardinal Marx schwer

Das neue Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising hat den emeritierten Papst Benedikt XVI. und den amtierenden Erzbischof Reinhard Marx schwer belastet. Benedikt habe als damaliger Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger in vier Fällen nichts gegen des Missbrauchs beschuldigte Kleriker unternommen, teilten die Gutachter am Donnerstag in München mit. In einer Stellungnahme bestritt Benedikt demnach seine Verantwortung "strikt", die Gutachter halten dies aber nicht für glaubwürdig.

Textgröße ändern:

Die beauftragte Anwaltskanzlei untersuchte für die Zeit von 1945 bis 2019 Missbrauchsfälle im Erzbistum. Die Studie geht von mindestens 497 Opfern und einer weit höheren Dunkelziffer aus. Viele Fälle liegen weit in der Vergangenheit. Allerdings meldeten die Autoren der Studie auch 42 noch lebende und tätige Kleriker und Kirchenbeschäftigte der Staatsanwaltschaft, weil sie einen Missbrauchsverdacht sehen. Die Prüfung dieser Fälle läuft den Angaben zufolge seit August.

Die Frage nach einer möglichen Mitverantwortung Benedikts, der von 2005 bis zu seinem Amtsverzicht 2013 als Papst die Geschicke der katholischen Kirche lenkte, hatte vor der Veröffentlichung des Gutachtens besondere Aufmerksamkeit ausgelöst. Von 1977 bis 1982 amtierte Joseph Ratzinger als Münchner Erzbischof.

In zwei der vier Fälle, bei denen die Gutachter ein Fehlverhalten Ratzingers sehen, sei es um Kleriker gegangen, denen mehrere, auch von staatlichen Gerichten attestierte Missbrauchstaten vorzuwerfen seien, erklärten die Autoren. Beide Priester seien in der Seelsorge tätig geblieben, kirchenrechtlich sei nichts unternommen worden. Ein Interesse an den Missbrauchsopfern sei bei Ratzinger "nicht erkennbar" gewesen.

Die Gutachter sind mittlerweile auch überzeugt, dass Ratzinger Kenntnis von der Vorgeschichte des Priesters Peter H. hatte, der 1980 aus dem Bistum Essen nach München kam. H. war als Pädophiler verurteilt und beging später im Erzbistum München weitere Missbrauchstaten. Ratzinger habe in einer Stellungnahme bestritten, bei der Ordinariatssitzung im Januar 1980, in der die Einsetzung H.s beschlossen wurde, dabei gewesen zu sein.

"Wir halten die Aussage des Papstes Benedikt, er sei in dieser Sitzung nicht anwesend gewesen, für wenig glaubwürdig", sagte Rechtsanwalt Ulrich Wastl. Dabei verwies er auf das Protokoll der Sitzung, in dem sich Aussagen des damaligen Kardinals zu anderen Themen fänden.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte dem Bayerischen Rundfunk, "erschreckend ist das Lügen, das Unwahrheitsagen von Joseph Ratzinger". Der Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, sagte dem Sender "Welt": "Wir wissen jetzt, dass Ratzinger bis heute lügt über seine Verantwortung."

Der Pressesprecher des Vatikans, Matteo Bruni, kündigte an, der Kirchenstaat werde das zuvor dem Vatikan noch nicht bekannte Gutachten nun genau studieren. Der Heilige Stuhl bekräftige "sein Gefühl der Scham und Reue für den Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche".

Auch Benedikt bekundete über seinen Sprecher Georg Gänswein "Schock und Scham über den Missbrauch von Minderjährigen durch Kleriker". Bis zum Donnerstagnachmittag habe der 94-Jährige keine Kenntnis über den genauen Inhalt des Gutachtens gehabt, erklärte Gänswein. Benedikt werde das Papier in den kommenden Tagen studieren und bete "für alle Opfer".

Der Münchner Kardinal Marx sagte, er sei "erschüttert und beschämt". Er fühle sich als Erzbischof "mitverantwortlich" für die Institution Kirche in den vergangenen Jahrzehnten und bitte um Entschuldigung. Konkret zum Inhalt des Gutachtens äußerte sich Marx nicht - er will dies nun prüfen und in einer Woche Stellung beziehen.

Die Gutachter warfen Marx insbesondere Untätigkeit vor. Es sei ungeachtet einer Vielzahl von Meldungen nur in "verhältnismäßig geringer Zahl" festzustellen, dass sich der Kardinal überhaupt unmittelbar mit Missbrauchsfällen befasst habe, sagte Pusch. Außerdem sei Marx in zwei Verdachtsfällen ein konkretes fehlerhaftes Verhalten vorzuwerfen.

A.Tucciarone--PV

Empfohlen

Pyrotechnik gegen Busse und Brandsätze: Viel Arbeit für Polizei an Halloween

In der Halloween-Nacht ist es in zahlreichen Städten zu Polizeieinsätzen wegen Vorfällen mit umherziehenden Menschengruppen gekommen. In Kiel zündeten Unbekannte zwei Brandsätze und auf einem Fußweg ausgekipptes Motorenöl an, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Zudem warfen mutmaßlich Jugendliche Steine von einer Brücke auf ein fahrendes Auto. In Berlin wurden laut Polizei unter anderem Linienbusse mit Pyrotechnik beschossen.

Krypto-Börse Binance nimmt nach schwerem Hackerangriff Auszahlungen wieder auf

Die weltgrößte Kryptowährungsplattform Binance hat nach dem massiven Hackerangriff die schrittweise Wiederaufnahme der Auszahlungen angekündigt. Die erste Serie von Auszahlungen sei im Netzwerk eröffnet, teilte das Unternehmen am Sonntag im Onlinedienst X mit. Die US-Bundespolizei FBI machte Nordkorea für den Hackerangriff verantwortlich, bei dem nach Angaben von Binance Werte in Höhe von 6,3 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) geraubt wurden.

Mindestens ein Toter bei heftigen Regenfällen auf Galápagosinseln

Auf den Galápagosinseln ist mindestens ein Mensch bei starken Regenfällen ums Leben gekommen. Der Tod eines Bewohners sei bestätigt, und zwei weitere würden vermisst, erklärten die Behörden auf der zu Ecuador gehörenden Inselgruppe am Samstag (Ortszeit). 2000 Familien auf der Insel Santa Cruz seien von den Fluten betroffen. Die Regenfälle hatten am Freitagnachmittag eingesetzt.

Ausschreitungen nach "Gen Z"-Protesten - Plünderungen in Frankfurt am Main

Nach zunächst weitgehend friedlichen "GenZ"-Protesten ist es in mehreren deutschen Städten am Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen. In Frankfurt am Main bewarfen Randalierer nach Angaben der Polizei Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Scheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. In Hamburg setzten die Beamten im Umfeld des Hauptbahnhofs mehrfach einen Wasserwerfer ein, nachdem sie aus größeren Menschengruppen heraus mit Pyrotechnik beworfen wurden.

Textgröße ändern: