Pallade Veneta - Anschläge auf Umspannwerke: Polizei fahndet unter Hochdruck nach Verdächtigem

Anschläge auf Umspannwerke: Polizei fahndet unter Hochdruck nach Verdächtigem


Anschläge auf Umspannwerke: Polizei fahndet unter Hochdruck nach Verdächtigem
Anschläge auf Umspannwerke: Polizei fahndet unter Hochdruck nach Verdächtigem / Foto: Ina FASSBENDER - AFP/Archiv

Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fahnden die Ermittler mit Hochdruck nach einem 48-jährigen Verdächtigen. Der Mann aus dem nordrhein-westfälischen Gevelsberg geriet als Verfasser von zwei als authentisch eingeschätzten Bekennerschreiben samt Täterwissen ins Visier, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf sagten. Einsatzkräfte der Polizei fanden im Wohnhaus des Mannes in Gevelsberg demnach "sprengstoffverdächtige Gegenstände".

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In den beiden Schreiben begründete der Verdächtige die Anschläge nach Angaben der Minister mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen. Er gehe nach derzeitigem Stand von einem Fall von "Klimaextremismus" durch einen mutmaßlichen Einzeltäter aus, sagte Dobrindt. Er verwies zugleich auf die noch laufenden Ermittlungen, eine abschließende Beurteilung sei noch nicht möglich. Nicht alles, was sofort eindeutig erscheine, sei es am Ende auch, fügte er hinzu.

Auch Reul betonte, es gebe noch "viele Fragen". Es werde aktuell noch geprüft, ob der Gesuchte tatsächlich der Verfasser der Schreiben sei und wie er mit den Taten in Verbindung stehe. Auch die Frage, ob er allein gehandelt habe, sei noch nicht abschließend geklärt. In den Bekennerschreiben würden unter anderem aber genaue Einzelheiten zur Konstruktion der bei den Anschlägen genutzten Vorrichtungen genannt.

Am Dienstag waren Anschläge auf Umspannwerke in der Nähe von großen Kohlekraftwerken im brandenburgischen Jänschwalde und bei Bergheim in Nordrhein-Westfalen verübt worden. Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde dabei mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.

Laut Reul wurden in den Schreiben des gesuchten Verdächtigen weitere potenzielle Sabotageziele genannt. An Umspannwerken in Dormagen und Weisweiler in Aachen wurden daraufhin am Donnerstag und Freitag ebenfalls Abschussvorrichtungen entdeckt. An der Anlage in Dormagen fand ein Spaziergänger demnach zwei auf das Umspannwerk gerichtete Rohre mit Kabeln und Zeitschaltuhren, wie Reul weiter berichtete.

Einsatzkräfte durchsuchten demnach am Freitag auch das Wohnhaus des Mannes in Gevelsberg und stießen dort auf "sprengstoffverdächtige Gegenstände". Nach dem Verdächtigen selbst wurde weiter gefahndet, die Polizei bat Zeugen um Hinweise und schaltete ein spezielles Hinweisportal frei. Es gebe keine Vorerkenntnisse, die auf eine Gefährlichkeit des Gesuchten für andere Menschen hindeute, sagte Reul.

Einen Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge durchsuchten Spezialkräfte am Freitag außerdem eine Lastwagen am Hambacher Forst bei Aachen. Demnach sollte es sich um ein Fahrzeug des Beschuldigten handeln. In der Nähe liegt ein großer Braunkohletagebau, der Hambacher Forst wurde früher zeitweise von Umweltaktivisten aus Protest besetzt.

Die Anschläge in Bergheim und Jänschwalde führten zu Abschaltungen in Kraftwerksblöcken, die Stromversorgung war laut Sicherheitsbehörden und Betreiber aber nicht beeinträchtigt oder gefährdet. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Vorwurfs verfassungsfeindlicher Sabotage, in Brandenburg auch wegen Bildung einer Terrorvereinigung.

Der Gesuchte hinterließ auf den Bekennerschreiben dem Landesminister zufolge seinen Namen und seine Adresse. Das sei "sehr ungewöhnlich", fügte Reul an. Dobrindt betonte, die Handschrift auf den Schreiben sei authentisch, diese enthielten "eindeutiges Täterwissen". Derzeit deuteten die Indizien auf einen Einzeltäter. Allgemein gehe aktuell von Extremismus sowie Staatsterrorismus die größten Anschlagsgefahr aus. Es gebe auch mögliche Verbindungen zwischen den beiden Bereichen.

Die Sicherheitslage in Deutschland gilt derzeit als angespannt, die Sorge vor Sabotageakten und Anschlägen ist hoch. Hintergrund ist unter anderem die Bedrohung durch sogenannte hybride Kriegsführung durch andere Staaten. Die Bundesregierung hatte erst kürzlich Russland für einen versuchten Sprengstoffanschlag mit einer Drohne auf dem Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht. Dort befanden sich ukrainische Frachtmaschinen. Russland weist den Vorwurf zurück.

O.Merendino--PV

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