Pallade Veneta - Tausende nehmen in Belgrad Abschied von gestorbenem Kriegsverbrecher Mladic

Tausende nehmen in Belgrad Abschied von gestorbenem Kriegsverbrecher Mladic


Tausende nehmen in Belgrad Abschied von gestorbenem Kriegsverbrecher Mladic
Tausende nehmen in Belgrad Abschied von gestorbenem Kriegsverbrecher Mladic / Foto: OLIVER BUNIC - AFP

Tausende Menschen haben am Montag in der serbischen Hauptstadt Belgrad Abschied von dem in Haft in Den Haag gestorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladic genommen. Schon am Montagmorgen bildete sich eine lange Schlange vor der St.-Lukas-Kirche, in welcher der Sarg mit Mladics Leichnam aufgebahrt war, bevor er am Nachmittag beigesetzt werden sollte. Angesichts der Feierlichkeiten verurteilte die EU die "Verherrlichung von Kriegsverbrechern" in Serbien, das EU-Mitglied werden will.

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Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef war am 27. August in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 verbüßte. Sein Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden, bei dem bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando die UN-Schutzzone gestürmt und etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet hatten.

Als sein Leichnam in der vergangenen Woche in einem Regierungsflugzeug nach Belgrad gebracht wurde, wurde er mit militärischen Ehren empfangen. Am Wochenende nahmen hochrangige Politiker an einer von pensionierten und aktiven Generälen organisierten Gedenkzeremonie teil.

Die Ankündigung von Justizminister Nenad Vujic, wonach Mladic mit "militärischen und staatlichen Ehren" beerdigt werden sollte, hatte in Brüssel Empörung ausgelöst. Aus Protest gegen die "Verherrlichung" Mladics in Serbien sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos einen Besuch bei dem EU-Beitrittskandidaten ab.

Am Montag sagte ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS) in Brüssel, die "Leugnung von Völkermord" und ein allgemeiner Revisionismus widersprächen den "grundlegendsten europäischen Werten". Dies habe "keinen Platz in der EU oder in EU-Beitrittskandidaten".

Die EU stehe in Solidarität "mit allen Opfern, Überlebenden und ihren Familien, die unter Kriegsverbrechen in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens gelitten haben", erklärte der Sprecher. Brüssel unterstütze alle Länder des westlichen Balkans in ihren Bemühungen zur "Förderung von Versöhnung und regionaler Stabilität".

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, der nach eigenen Angaben wegen einer zuvor eingegangenen Verpflichtung nicht an der Beisetzung teilnehmen konnte, hatte die Vorwürfe einer Verherrlichung des ehemaligen Generals im Vorfeld der Beerdigung zurückgewiesen.

Er relativierte die Aussagen von Justizminister Vujic, der wie Verteidigungsminister Bratislav Gasic in die Kirche gekommen war, und erklärte, die Trauerfeier sei von Mladics Familie ausgerichtet worden. Die St.-Lukas-Kirche ist deutlich kleiner als der Dom des Heiligen Sava im Zentrum Belgrads, in dem normalerweise Staatsbegräbnisse stattfinden.

Hunderte Menschen, von denen viele Mladic glorifizierende T-Shirts trugen, warteten, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Mladics Sohn Darko, der offiziell als Veranstalter der Trauerfeier galt, stand am Eingang der Kirche.

Im Innenraum küssten viele Menschen den mit Medaillen und der für Mladic typischen Offiziersmütze geschmückten Sarg, an dem eine Ehrenwache von Soldaten und Veteranen stand, während orthodoxe Priester Gebete sprachen. Unter den Trauergästen war auch der russische Botschafter in Serbien.

Mladic wird trotz seiner Verurteilung von serbischen Nationalisten weiter als "Held" verehrt, insbesondere in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska. Von dort waren Menschen mit Bussen zu der Trauerfeier angereist. Auf einem Banner gegenüber der Kirche stand: "Willkommen General, Dank sei Deiner Mutter gegeben, dass sie einen Helden geboren hat, so dass der Ruhm des Serbentums zurückkehren mag."

Die Rentnerin Radojka Visic aus dem bosnischen Banja Luka sagte, sie sei gekommen, um einen "Nationalhelden" zu verabschieden. "Sie konnten uns auf dem Schlachtfeld nicht besiegen, deshalb haben sie ihn ins Gefängnis gesteckt und dort gefoltert." Und der Kriegsveteran Nemanja Konstantinovic sagte, Mladic habe nur sein Volk verteidigt. "Er wurde leider angeklagt, obwohl er für nichts schuldig war."

Mladic sollte nach einem Gottesdienst, der vom Patriarchen des serbisch-orthodoxen Kirche geleitet werden sollte, auf einem nahegelegenen Friedhof neben seiner Tochter Ana beerdigt werden. Die 23-Jährige hatte sich 1994 während des Bosnienkriegs das Leben genommen, einigen Berichten zufolge aus Scham über die Verbrechen ihres Vaters. Ihre Familie bestreitet das. Als Mladic 2011 nach Den Haag überstellt wurde, war es sein letzter Wunsch gewesen, das Grab seiner Tochter zu besuchen.

R.Lagomarsino--PV

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