Pallade Veneta - Wegen Beleidigung Erdogans angeklagter türkischer Komiker Göktas vor Gericht

Wegen Beleidigung Erdogans angeklagter türkischer Komiker Göktas vor Gericht


Wegen Beleidigung Erdogans angeklagter türkischer Komiker Göktas vor Gericht
Wegen Beleidigung Erdogans angeklagter türkischer Komiker Göktas vor Gericht / Foto: YASIN AKGUL - AFP

Der beliebte türkische Komiker Deniz Göktas muss sich wegen angeblicher Beleidigung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan und weiterer Vorwürfe seit Montag vor einem Istanbuler Gericht verantworten. Vor dem Gebäude des Caglayan Gerichts demonstrierten rund 50 Menschen gegen die im Juli erfolgte Festnahme des 32-Jährigen. "Deniz Göktas ist nicht allein", skandierten die Demonstrierenden, wie ein AFP-Journalist beobachtete.

Textgröße ändern:

Auf Plakaten der Teilnehmer war zu lesen: "Deniz Göktas soll freigelassen werden". Mehrere Dutzend Sicherheitskräfte waren im Einsatz. In dem Gebäude warteten mehrere Journalisten sowie Unterstützer von Göktas darauf, den Gerichtssaal betreten zu können, in dem der Komiker erwartet wurde. Unter den Wartenden waren auch mehrere andere Komiker aus dem Tuzbiber Comedy Klub, in dem Göktas 2019 seine Karriere begonnen hatte. Vertreter der niederländischen Botschaft und des US-Konsulats waren als Beobachter anwesend.

Zu Beginn der Verhandlung hielt Göktas eine geistreiche und mit politischer Satire gespickte Ansprache, die im Saal immer wieder für Gelächter sorgte. "Erdogan sollte offen für die Kunst der Satire sein", sagte der Angeklagte und wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

In der Vergangenheit sei keiner der berühmten Komiker oder politischen Satiriker der Türkei strafrechtlich verfolgt worden. Die Gesetze und die Witze hätten sich nicht verändert, betonte Göktas. "Was sich verändert hat, ist die zunehmend instabile Führung, die diesen Witz nicht mehr verträgt", sagte er.

Der Komiker war Anfang Juli am Istanbuler Flughafen festgenommen worden. Ihm wurde zur Last gelegt, den Islam und Präsident Erdogan beleidigt zu haben. Kurz zuvor hatte Göktas ein Youtube-Video eines Auftritts veröffentlicht, das millionenfach angeschaut wurde. Seitdem befindet sich Göktas in Untersuchungshaft im Hochsicherheitsgefängnis Karatepe etwa 120 Kilometer westlich von Istanbul.

Göktas wird neben der Beleidigung Erdogans Anstiftung zum öffentlichen Hass zur Last gelegt. Später fügte die Staatsanwaltschaft einen weiteren Anklagepunkt hinzu und beschuldigte den Komiker der "Verherrlichung von Verbrechen und Kriminellen".

Aus dem Gefängnis veröffentlicht Göktas gelegentlich Beiträge auf X. Am Sonntagabend, am Vortag seines Gerichtstermins, schrieb er: "Nach 88 Tagen werde ich zum ersten Mal in Handschellen gelegt und eine Autohupe hören. Die Handschellen vermisse ich ganz sicher nicht."

Göktas war erfolgreich gegen seine Inhaftierung in Berufung gegangen. Doch die Staatsanwaltschaft erhob im August in einem anderen Fall Anschuldigungen gegen ihn. Dies führte zu seiner erneuten Festnahme. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Stand-up-Komiker demnach vor, bei einem seiner Auftritte "ein Verbrechen und einen Straftäter verherrlicht" zu haben.

"Bei einer 90-minütigen Show wird alle zwei Monate eine neue Anklage erhoben", schrieb Göktas Ende August auf X. Die neuen Anschuldigungen gegen ihn seien "wegen eines Witzes über die Daltons" erhoben worden, erklärte er mit Blick auf die der organisierten Kriminalität zugerechneten Bande.

In der Anklageschrift wird das mögliche Strafmaß nicht genannt. Laut Berechnungen türkischer Medien wie der Nachrichtenagentur Anka könnte Göktas bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten eine Haftstrafe von zehn Jahren oder länger drohen.

Die türkischen Behörden hatten zuletzt ihr Vorgehen gegen Kritiker der Regierung verschärft, unter ihnen Musiker, Künstler, Journalisten und oppositionelle Politiker. Im Vorfeld des Nato-Gipfels Anfang Juli in Ankara kam es zu einer Festnahmewelle in der Türkei. Göktas wurde in Ankara geboren und hatte bereits mehrere Auftritte in Europa und den USA.

H.Lagomarsino--PV

Empfohlen

Angriff mit Paintballpistole: 21-Jähriger in Bayern auf einem Auge blind

Unbekannte haben im bayerischen Edelsfeld einen 21-Jährigen durch Schüsse mit einer mutmaßlichen Paintballpistole schwer an den Augen verletzt. Die Polizei in Regensburg teilte am Montag mit, der 21-Jährige sei auf einem Auge erblindet. Auch die Sehkraft des zweiten Auges sei beeinträchtigt. Die Suche nach drei mutmaßlichen Tätern im geschätzten Alter von etwa 18 bis 22 Jahren dauerte an.

Papst Leo XIV. ermahnt Europäer zu neuen Friedensanstrengungen

Zum Abschluss seines Frankreichbesuchs hat Papst Leo XIV. die Europäer eindringlich zu neuen Friedensanstrengungen aufgerufen. Es sei notwendig, "Mut bei den Verhandlungen zu zeigen und bereit zu sein, bestimmte Positionen für das übergeordnete Wohl des Friedens aufzugeben", sagte der Papst am Montag in Metz im Beisein von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Ohne den Ukraine-Krieg ausdrücklich zu nennen, beklagte er ein "sinnloses Gemetzel, das jeden Tag unzählige zivile Opfer fordert".

In Gebüsch an Flugplatz: 17 Katzen in Nordrhein-Westfalen ausgesetzt

In einem Gebüsch an einem Flugplatz in Nordrhein-Westfalen sind 17 Katzen ausgesetzt worden. Die Tiere befanden sich in insgesamt fünf Transportboxen, wie die Polizei in Heinsberg am Montag mitteilte. Unter den Tieren waren demnach auch Jungkatzen im Alter von etwa vier Wochen. Angesichts des Zustands der Katzen ging die Polizei davon aus, dass sie bereits seit 24 Stunden dort gestanden hatten.

Papst Leo XIV. warnt vor "Lügen und Täuschungen" zwischen Staaten

Papst Leo XIV. hat zum Abschluss seines Frankreichbesuchs zu neuen Anstrengungen für den Frieden in Europa aufgerufen und "Lügen und Täuschungen" in internationalen Beziehungen angeprangert. "Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer", sagte der Papst am Montag im lothringischen Metz. "Das gegebene Wort wird missachtet, stattdessen rühmt man sich der Lüge und der Täuschung", sagte der Papst.

Textgröße ändern: