Pallade Veneta - Krankenhausversorgung soll künftig weniger nach ökonomischen Kriterien erfolgen

Krankenhausversorgung soll künftig weniger nach ökonomischen Kriterien erfolgen


Krankenhausversorgung soll künftig weniger nach ökonomischen Kriterien erfolgen
Krankenhausversorgung soll künftig weniger nach ökonomischen Kriterien erfolgen / Foto: Ina FASSBENDER - AFP/Archiv

Krankenhausbehandlungen in Deutschland sollen künftig mehr nach medizinischen und weniger nach ökonomischen Kriterien erfolgen. Eine Regierungskommission legte am Dienstag Vorschläge für eine umfassende Reform vor. Ziel ist, das bisherige Fallpauschalensystem grundlegend zu ändern und den wirtschaftlichen Druck von den Kliniken zu nehmen. So soll künftig ein fester Betrag für Vorhalteleistungen definiert werden, um eine gute Versorgung auch in ländlichen Regionen zu gewährleisten. Stationäre und ambulante Versorgung sollen eng verzahnt werden.

Textgröße ändern:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sprach von einer "Revolution im System". Bisher wurden unabhängig vom Behandlungsaufwand einheitliche Pauschalen für vergleichbare Fälle gezahlt, wodurch es eine "Tendenz zu billigerer Medizin" gegeben habe. Wenn jemand künftig behandelt werde, "kann er sicher sein, dass ökonomische Aspekte keine Rolle spielen".

"Wir haben die Ökonomie zu weit getrieben", sagte Lauterbach weiter. Eine gute Grundversorgung für jeden müsse garantiert sein, Spezialeingriffe müssten auf besonders gut ausgestattete Kliniken konzentriert werden.

Die Reformvorschläge sehen sogenannte Vorhaltebudgets vor. Die Kommission empfiehlt, künftig einen festen Betrag als Vorhaltekosten für Personal oder Technik zu definieren, den Krankenhäuser - je nach ihrer Zuordnung - erhalten. Künftig sollen Krankenhäuser in drei Level eingeordnet und entsprechend gefördert werden.

Level eins sieht die Grundversorgung vor, also medizinisch und pflegerische Basisversorgung, zum Beispiel grundlegende chirurgische Eingriffe und Notfälle. Level zwei umfasst die Regel- und Schwerpunktversorgung; dabei geht es um Krankenhäuser, die im Vergleich zur Grundversorgung noch weitere Leistungen anbieten. Level drei sieht eine Maximalversorgung etwa in Universitätskliniken vor.

Für jedes Level sollen einheitliche Mindestvoraussetzungen gelten. "Damit würden erstmals einheitliche Standards für die apparative, räumliche und personelle Ausstattung gelten - und damit die Behandlungsqualität für die Patientinnen und Patienten maßgeblich erhöht werden", heißt es in den Reformvorschlägen.

Eine "herausragende Bedeutung" komme dabei den Krankenhäusern des Levels eins zu, die eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung sicherstellen sollen, sagte der Koordinator der Krankenhauskommission, Tom Bschor. Diese Kliniken sollten teilweise integriert ambulant-stationär arbeiten. Gesetzgeberisch solle ermöglicht werden, dass sie von qualifizierten Pflegefachleuten und nicht von Ärzten geführt werden.

Mit Blick auf die Finanzierung sagte Bschor, die Vorschläge verursachten keine zusätzlichen Kosten. Er verwies darauf, dass Behandlungen eingespart würden, die nicht nötig seien, wenn der Anreiz für möglichst viele behandelte Fälle sinke. Auch durch einen Anstieg ambulanter Behandlungen entstünden weniger Kosten. Die Gesamtsumme solle gleich bleiben im Vergleich zum bisherigen System, sagte Bschor.

Die Regierungskommission empfiehlt, die Regelungen "in einer großzügigen Übergangsphase schrittweise einzuführen", geplant ist ein Zeitraum von fünf Jahren. Damit bleibe den Krankenhäusern, Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen und Ländern ausreichend Zeit, sich auf das veränderte Finanzierungssystem einzustellen.

U.Paccione--PV

Empfohlen

"Zusätzliche Belastung": Getränkehersteller gegen geplante Zuckersteuer

Mehr als 300 Unternehmen der Getränkewirtschaft in Deutschland haben sich in einem gemeinsamen offenen Brief gegen eine von der Regierung geplante Zuckersteuer ausgesprochen. Sie warnen darin vor der "zusätzlichen Belastung" für Unternehmen und für Verbraucher und argumentieren, für die Wirksamkeit einer solchen Steuer "fehlen die Belege". Außerdem habe die Branche auf Eigeninitiative den Zuckergehalt marktrelevanter Erfrischungsgetränke seit 2018 um rund 15 Prozent gesenkt.

Hausärzte werfen Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. "Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich", sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. "Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, sind keine Taten gefolgt."

Warken will Suizidprävention stärken - Verbände fordern zentrale Hilfe-Rufnummer

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Suizidprävention bundesweit stärken. Die dafür zuständigen Länder und Kommunen sollten besser unterstützt werden, heißt es in einem Gesetzentwurf, dessen Inhalte AFP am Freitag in Berlin in Auszügen vorlagen. Darin ist unter anderem die Schaffung einer "Bundesfachstelle für Suizidprävention" geplant. Mehrere Verbände drängten auf eine bundesweit einheitliche Krisendienst-Rufnummer.

Marburger Bund fordert besseren Hitzeschutz für Krankenhäuser

Angesichts anhaltend hoher Temperaturen hat der Ärzteverband Marburger Bund einen besseren Hitzeschutz für Krankenhäuser gefordert. "Die allermeisten Bereiche vom Krankenhaus sind nicht klimatisiert", sagte die erste Vorsitzende Susanne Johna am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Klare Vorgaben gebe es nur für den Operationsbereich und für die Radiologie. Nur ein Drittel der Häuser habe klimatisierte Patientenzimmer.

Textgröße ändern: