Pallade Veneta - Ersatzkassen: Kosten für Menschen im Pflegeheim steigen drastisch

Ersatzkassen: Kosten für Menschen im Pflegeheim steigen drastisch


Ersatzkassen: Kosten für Menschen im Pflegeheim steigen drastisch
Ersatzkassen: Kosten für Menschen im Pflegeheim steigen drastisch / Foto: STEFANIE LOOS - AFP/Archiv

Mehr als 2500 Euro im Monat müssen Pflegebedürftige im Durchschnitt für ihre anfängliche Unterbringung und Versorgung in einem Heim aufbringen - rund 350 Euro mehr als vor einem Jahr. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek). Auch für diejenigen, die länger im Heim sind, wird es deutlich teurer. Immer mehr Menschen könnten sich die stationäre Pflege nicht mehr leisten, warnt der vdek.

Textgröße ändern:

Der Verband wertete die Eigenanteile, die von den Pflegeheimbewohnenden getragen werden müssen, zum Stichtag 1. Juli aus. Sie setzen sich zusammen aus den Kosten für die Unterkunft und Verpflegung, den Investitionskosten und Ausgaben für die pflegerische Versorgung. Die berechneten Steigerungen gehen fast komplett auf den letztgenannten Posten zurück. Weil die Pflegekassen ihre Zuschüsse zu den Pflegekosten mit zunehmender Dauer des Heimaufenthalts erhöhen, sinken die Gesamtkosten für die Bewohnerinnen und Bewohner nach und nach.

Im ersten Jahr des Heimaufenthalts werden laut vdek mittlerweile im bundesweiten Durchschnitt 2548 Euro Eigenbeteiligung pro Monat fällig. Das entspreche einer Steigerung um 348 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Im zweiten Jahr schultern die Pflegebedürftigen laut vdek im Bundesdurchschnitt aktuell 2299 Euro monatlich - 292 mehr als ein Jahr zuvor. Im dritten Jahr ergibt sich ein Wert von 2050 Euro (plus 236), danach sind es 1738 Euro (plus 165).

Die starke Steigerung der Kosten für die pflegerische Versorgung ist der vdek-Analyse zufolge vor allem durch höhere Löhne zu erklären. Seit September 2022 gilt für die Bezahlung des Pflegepersonals eine Tariftreueregelung. Seit 1. Juli 2023 greift zudem eine neue Personalbemessung in der Pflege.

"Wir unterstützen die Maßnahmen für eine faire Bezahlung des Pflegepersonals und die Sicherstellung einer angemessenen Personaldecke in Pflegeheimen", betonte Jörg Meyers-Middendorf vom vdek-Vorstand. "Es kann aber nicht sein, dass die stetig steigenden Kosten zum Großteil von den Pflegebedürftigen geschultert werden müssen. Wenn der Aufenthalt im Pflegeheim von immer mehr Menschen nicht mehr bezahlt werden kann, läuft etwas gründlich schief."

"Es braucht zeitnah eine Lösung zur nachhaltigen Entlastung der Pflegebedürftigen, die nicht allein auf dem Rücken der Beitragszahler lastet", erklärte Meyers-Middendorf. Er forderte, "die Bundesländer endlich zur Übernahme der Investitionskosten für die Pflegeeinrichtungen zu verpflichten".

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, griff den Bundesgesundheitsminister an. "Karl Lauterbach zeigt, dass ihm die finanzielle Not der Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen kalt lassen", sagte Brysch der Nachrichtenagentur AFP. Bei der Verabschiedung der jüngsten Pflegereform im Juni sei schon klar gewesen, "welche Kostenwelle auf die Pflegeheimbewohner zurollt. Doch der Tsunami wurde nicht gestoppt."

Brysch forderte "eine Erhöhung aller Leistungsbeträge um 350 Euro. Ebenso muss die Pflegeversicherung die Kosten für die reine Pflege komplett übernehmen."

Der Pflegeexperte der Linksfraktion, Ates Gürpinar, erklärte in Berlin ebenfalls, Minister Lauterbach dürfe "nicht länger zuschauen". Nötig sei "eine echte Reform der Pflegefinanzierung. Alle pflegebedingten Kosten müssen übernommen werden", verlangte auch Gürpinar.

O.Merendino--PV

Empfohlen

Erster Ebola-Fall in Nigeria: Gefährlicher Bundibugyo-Virusstamm nachgewiesen

Der erste bestätigte Ebola-Fall in Nigeria geht laut den Gesundheitsbehörden auf den Bundibugyo-Virusstamm zurück, der bereits die aktuelle Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo verursacht hat. Zur Absicherung der Diagnose seien drei Molekulartests vorgenommen worden, sagte Olajumoke Babatunde, Direktorin der öffentlichen Labordienste am Nigerianischen Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention (NCDC), am Mittwoch im Anschluss an eine Dringlichkeitssitzung.

Ebola-Epidemie: Nigeria meldet ersten Fall

In der Ebola-Epidemie in Zentralafrika hat nun auch Nigeria einen ersten Fall gemeldet. Eine unlängst per Flugzeug aus Uganda eingereiste Frau sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte das Gesundheitsministerium des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas am Dienstag mit. Dort sei sie mehrere Tage behandelt worden, bevor sich die Diagnose bestätigt habe. Die Regierung forderte alle Gesundheitseinrichtungen des Landes zu "höchster Alarmbereitschaft" auf.

Kassenärzte sagen deutlich längere Termin-Wartezeiten ab 2027 voraus

Die Kassenärzte in Deutschland erwarten, dass gesetzlich Versicherte ab kommendem Jahr deutlich länger auf einen Arzttermin als bisher warten müssen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, verwies dazu in der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) auf die Kürzung von Mitteln für die ambulante Versorgung. Dadurch seien "mehr als 50 Millionen Termine" gestrichen worden. Die Terminnot werde sich daher weiter verschärfen, sagte Gassen.

Facharzttermine: Koalition will bei Wartezeiten für Kassenpatienten handeln

Die schwarz-rote Koalition will bei der Vergabe von Facharztterminen an gesetzlich Versicherte mehr Gerechtigkeit schaffen. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) kündigte am Wochenende Vorschläge von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) an, die für kürzere Wartezeiten sorgen sollen. Der Vorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Oliver Blatt, kritisierte die bisherige Bevorzugung von Privatpatienten als "himmelschreiende Ungerechtigkeit".

Textgröße ändern: