Pallade Veneta - Regierung will Kompetenzen von Pflegekräften erweitern

Regierung will Kompetenzen von Pflegekräften erweitern


Regierung will Kompetenzen von Pflegekräften erweitern
Regierung will Kompetenzen von Pflegekräften erweitern / Foto: THOMAS KIENZLE - AFP/Archiv

Die Bundesregierung will die Kompetenzen von Pflegefachassistenzkräften erweitern und die Ausbildung bundesweit vereinheitlichen. Das sieht ein Gesetzentwurf der Bundesministerien für Gesundheit und für Familie vor, der am Donnerstag erstmals im Bundestag beraten wurde. Die schwarz-rote Regierung greift damit in wesentlichen Punkten einen Gesetzentwurf der Ampel-Koalition auf, der vor der Bundestagswahl nicht mehr verabschiedet worden war.

Textgröße ändern:

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hob in der Debatte hervor, Pflegefachpersonen könnten damit "künftig Aufgaben übernehmen, die bisher Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren. Zudem solle die Pflege "von vermeidbarer Bürokratie befreit" werden. Erleichtert werden soll auch die Anerkennung von im Ausland oder in anderen Bundesländern erworbenen Abschlüssen.

"Pflege ist eine Lebenssituation, die jeden und jede jederzeit betreffen kann", sagte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Das neue Gesetz eröffne auch "Chancen für Menschen, die bisher für diesen Beruf nicht in Betracht kamen".

Prien bezeichnete die Neuregelung als ersten Schritt zur Stärkung der Pflege. Weitere sollten folgen, um deren Finanzierung zu sichern und "die Pflege zukunftsfest zu machen". Auch Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige müssten dringend verbessert werden.

Die neue einheitliche 18-monatige Pflegeassistenzausbildung soll Anfang 2027 die bisher geltenden 27 unterschiedlichen Landesregelungen ersetzen. Sie soll unterschiedliche Einsatzbereiche umfassen und damit laut Regierung "vielfältige Berufsperspektiven eröffnen".

Ein bestimmter Schulabschluss soll als Zugangsvoraussetzung nicht mehr vorgeschrieben werden, der Regelfall soll aber mindestens ein Hauptschulabschluss sein. Alle Auszubildenden sollen künftig eine angemessene Ausbildungsvergütung erhalten. Im Pflegealltag sollen Dokumentationspflichten "auf das notwendige Maß" begrenzt werden.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen kritisierte im Bundestag, dass die CDU/CSU nicht bereit gewesen sei, das Vorhaben noch vor der Wahl mitzutragen. Dies habe das Verfahren um ein Jahr verzögert. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Simone Fischer wandte sich zudem gegen drohende Leistungskürzungen bei der Pflege. Auch dürften Hürden in der Ausbildung nicht zu stark abgesenkt werden, denn "Erfahrung ersetzt keine qualifizierte Ausbildung", warnte sie.

Gegen eine "Billig-Lösung für mehr Profite" warnte sich die Linken-Gesundheitsexpertin Julia-Christina Stange. Sie forderte, eine Ausbildungsdauer von 24 statt 18 Monaten, denn Pflege müsse "mehr sein als satt und sauber". Zudem solle soweit erforderlich Sprachunterricht in die Ausbildung integriert werden. Auch müssten die Arbeitsbedingungen in der Pflege weiter verbessert werden.

Für die AfD kritisierte Joachim Bloch, dass Verbesserungen in der Pflege in den vergangenen Jahrzehnten versäumt worden seien. Dabei seien die Folgen des demografischen Wandels schon lange absehbar.

Die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmer sprach mit Blick auf die Neuregelung von einem "guten Tag für die Profession Pflege". Zur Erweiterung der Kompetenzen für Pflegefachkräfte sagte sie, diese "können sehr viel mehr, als ihnen bisher gesetzlich erlaubt ist".

Positiv sei zudem der Wegfall des derzeitigen "Ausbildungsflickenteppichs". Auch Dittmer wies allerdings darauf hin, dass der Gesetzentwurf in erster Linie das aufgreife, was bereits von der Ampel-Regierung vorgelegt worden sei.

Der Gesetzentwurf wird nun in den Ausschüssen weiter beraten. Ende September ist die erste Beratung im Bundesrat geplant.

T.Galgano--PV

Empfohlen

Mangel an Pflegeplätzen: Verband fordert "pflegepolitische Wende"

Angesichts drastisch gestiegener Eigenanteile und fehlender Pflegeplätze sieht der Arbeitgeberverband Pflege dringenden Handlungsbedarf. "Wir brauchen eine pflegepolitische Wende, sonst wird die Pflegekrise zur Gesellschaftskrise", erklärte Verbandspräsident Thomas Greiner am Donnerstag. "Pflege muss wieder günstiger werden, die Eigenanteile müssen runter und wir brauchen Pflegeplätze, Pflegeplätze, Pflegeplätze."

Barmer-Umfrage: Fast jeder Fünfte verschweigt etwas beim Arzt

Viele Menschen in Deutschland trauen sich einer Umfrage zufolge oft nicht, offen mit ihrem Arzt zu sprechen. 18 Prozent der befragten Erwachsenen gaben an, beim Arztbesuch schon einmal Probleme aus Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen verschwiegen zu haben, wie aus einer Umfrage der Krankenkasse Barmer laut Mitteilung vom Mittwoch hervorging. Demnach sind besonders Frauen und jüngere Menschen betroffen.

Bereits mehr als 2000 Tote durch Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo

Die offizielle Zahl der Todesopfer durch die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo ist auf mehr als 2000 gestiegen. Von den 4381 bestätigten Infektionsfällen seien 2011 tödlich ausgegangen, teilten die kongolesischen Behörden am Dienstag mit. Damit nähert sich die Opferzahl derjenigen des bislang schwersten Ebola-Ausbruchs im Land, bei dem in den Jahren 2018 bis 2020 fast 2300 Infizierte gestorben waren.

Essstörungen: Klinikbehandlungen von Mädchen binnen 20 Jahren verdoppelt

Die Zahl der wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelten Mädchen hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt. Kamen 2004 rund 2800 Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren aufgrund von Magersucht und ähnlichen Störungen in eine Klinik, stiegen die Fälle bis 2024 auf knapp 6000, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte.

Textgröße ändern: