Pallade Veneta - Hausärzteverband warnt Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Hausärzteverband warnt Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung


Hausärzteverband warnt Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung
Hausärzteverband warnt Koalition vor Abschaffung der telefonischen Krankschreibung / Foto: FRANCK FIFE - AFP/Archiv

In der Debatte um die Höhe des Krankenstandes in Deutschland haben die Hausärzte die Bundesregierung vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gewarnt. "Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen bestätigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch). "Wer die telefonische Krankschreibung abschafft, der trägt die Verantwortung dafür, dass sich in Zukunft wieder unzählige Patientinnen und Patienten ohne Not in die Praxen schleppen müssen", mahnte der Mediziner.

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand der Deutschen kritisiert. Im Schnitt kämen die Beschäftigten in Deutschland auf drei Wochen Krankschreibung.

Als Ursache hierfür sieht Merz auch die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Diese Möglichkeit war 2021 während der Corona-Pandemie geschaffen worden, der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) etablierte sie dauerhaft. Am Montag kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Überprüfung der telefonischen Krankschreibung an.

Beier sprach hingegen von einem bewährten Instrument zum Bürokratieabbau. Die telefonische Krankschreibung "entlastet unsere Praxen und schützt unsere Patientinnen und Patienten vor Ansteckungen im Wartezimmer", sagte er dem RND und versicherte: "Sie ist kein regelfreier Raum, wie gerne behauptet wird."

Verbandschef Beier warf den Arbeitgebern vor, deren Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung habe keine belastbare Grundlage. "Es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik sich an die Fakten hält, statt auf das Arbeitgebermärchen hereinzufallen", sagte er. Beier stellte klar, dass es für die Krankschreibung per Telefon klare Regeln gebe. So müssten die Patienten in der Praxis persönlich bekannt sein. Die Krankschreibung dürfe zudem maximal fünf Tage lang sein.

Auch der Grünen-Politiker Janosch Dahmen verteidigte die telefonische Krankschreibung und warnte vor den Folgen einer Abschaffung. Die telefonische Krankschreibung "entlastet Praxen, reduziert unnötige Arztkontakte und verhindert in der Infektsaison volle Wartezimmer", sagte Dahmen, selbst Arzt und Sprecher der Grünen für Gesundheitspolitik, der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Wer die telefonische Krankschreibung abschaffe, "produziert mehr Bürokratie und mehr Belastung, für Ärztinnen und Ärzte genauso wie für Patientinnen und Patienten."

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, verteidigte die telefonische Krankschreibung ebenfalls gegen Kritik aus der Union. "Die telefonische Krankschreibung ist kein 'Freifahrtschein', sondern eine eng begrenzte, ärztlich verantwortete Regelung für leichte Erkrankungen", sagte Pantazis den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochausgabe). "Wer krank ist, soll sich auskurieren können und wer das System stabil halten will, muss Krankheiten verhindern, nicht Kranke unter Generalverdacht stellen", forderte er.

F.Dodaro--PV

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