Pallade Veneta - Hantavirus: Knapp hundert Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen

Hantavirus: Knapp hundert Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen


Hantavirus: Knapp hundert Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen
Hantavirus: Knapp hundert Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen / Foto: JORGE GUERRERO - AFP

Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" sind erste evakuierte Passagiere und Besatzungsmitglieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Sondermaschinen brachten am Sonntag die ersten Betroffenen nach Spanien, Frankreich, Großbritannien und Kanada. Vier Deutsche landeten gemeinsam mit weiteren Betroffenen in einer niederländischen Maschine in Eindhoven. Nach spanischen Angaben wurden am ersten Tag der Evakuierungen insgesamt 94 Menschen mit 19 verschiedenen Nationalitäten ausgeflogen.

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Drei Passagiere des Schiffs waren in den vergangenen Wochen am Hantavirus gestorben, darunter eine Deutsche. Unter den rund 150 Insassen des Kreuzfahrtschiffs wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO drei weitere Infektionen mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Anden-Hantavirus nachgewiesen, zudem gibt es zwei Verdachtsfälle.

Mit einer Sondermaschine wurden am Sonntagmorgen zunächst 14 spanische Passagiere und Besatzungsmitglieder zu einem Militärflughafen nach Madrid geflogen und in ein Armeekrankenhaus gebracht.

Am Nachmittag landete eine Maschine mit fünf Franzosen nördlich von Paris. Am Abend gab Premierminister Sébastien Lecornu bekannt, dass einer der Franzosen Krankheitssymptome habe. Die Kreuzfahrtpassagiere sollten zunächst für drei Tage in einer Klinik unter Quarantäne gestellt und gründlich untersucht werden und sich anschließend 45 Tage zu Hause isolieren.

Vier deutsche Insassen des Schiffs landeten am Abend im niederländischen Eindhoven. An Bord der Maschine waren nach Angaben des spanischen Katastrophenschutzes auch acht Niederländer, sowie Insassen aus Belgien, Griechenland, Guatemala und Argentinien.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sollten die vier Deutschen in den Niederlanden von Vertretern des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (Stakob) in Empfang genommen und anschließend nach Deutschland gebracht werden.

Das niederländische Außenministerium erklärte, die niederländischen Insassen der Maschine würden in ihre Heimatorte gebracht und dort unter häusliche Quarantäne gestellt. Die Passagiere aus anderen Ländern sollten in eine "Quarantäneeinrichtung" gebracht werden. Alle Betroffenen müssen demnach rund sechs Wochen in Quarantäne bleiben.

Laut einer Liste der "Hondius"-Reederei befanden sich zuletzt sechs Deutsche an Bord des Kreuzfahrtschiffes; eine weitere Deutsche war Anfang des Monats am Hantavirus gestorben. Ihre Leiche bleibt an Bord des Schiffes, das am Montagabend mit den verbliebenen Besatzungsmitgliedern seine Fahrt in Richtung Niederlande fortsetzen soll.

In Manchester landete ein Flugzeug mit 20 Briten an Bord, wie im TV zu sehen war. Sie sollten in ein Krankenhaus nahe Liverpool gebracht werden für Tests und eine erste Quarantäne.

Die in blaue Schutzanzüge gehüllten evakuierten Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden im Industriehafen von Teneriffa zunächst mit kleinen Booten an Land und dann mit Bussen zum Flughafen gebracht, wo sie an Bord der bereitstehenden Sondermaschinen gingen.

Zuvor waren alle Insassen der "Hondius" an Bord noch einmal untersucht worden, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez betonte. Sie sprach von einem "ziemlich intensiven" ersten Tag und sagte, für Montagnachmittag seien zwei weitere Flüge nach Australien und in die Niederlande vorgesehen.

Die Evakuierten gelten laut WHO aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus von bis zu sechs Wochen als "Hochrisikokontakte" und müssen 42 Tage unter Beobachtung bleiben. Zugleich betont die WHO, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung "absolut gering" sei.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte die Evakuierung der "Hondius" zur Chefsache gemacht und war eigens nach Teneriffa gereist. In einem offenen Brief an die Bewohner der Insel bemühte er sich, Sorgen zu zerstreuen: "Dies ist kein neues Covid", betonte er mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Gegen das Hantavirus, das schwere Atemwegserkrankungen und Nierenprobleme verursachen kann, gibt es keine Impfung. Mit Medikamenten lassen sich nur die Symptome bekämpfen, nicht jedoch die Ursache.

Die "Hondius" war am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben des Kreuzfahrtunternehmens Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, um die Leiche ihres Mannes in die Heimat zu begleiten. Zwei Tage später starb sie nach einem Flug nach Johannesburg im Krankenhaus. Am 2. Mai starb eine deutsche Passagierin an Bord der "Hondius".

Die WHO vermutet, dass sich der zuerst gestorbene Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging und sich das Virus anschließend an Bord von Mensch zu Mensch verbreitete. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte das niederländische Paar seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist.

In mehreren Ländern haben die Behörden die Suche nach möglichen Kontaktpersonen von "Hondius"-Passagieren aufgenommen. Eine Deutsche, die mit der später verstorbenen Deutschen Kontakt hatte und bereits vor ein paar Tagen von Bord geholt wurde, wurde im Universitätsklinikum Düsseldorf negativ auf das Hantavirus getestet.

O.Mucciarone--PV

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