Pallade Veneta - Zolgensma: Novartis untersucht mögliche Verbindung zu Tumorfällen

Zolgensma: Novartis untersucht mögliche Verbindung zu Tumorfällen


Zolgensma: Novartis untersucht mögliche Verbindung zu Tumorfällen
Zolgensma: Novartis untersucht mögliche Verbindung zu Tumorfällen

Sie kostet Millionen und soll Kindern mit einer seltenen Muskelschwundkrankheit helfen: Die Millionenspritze Zolgensma galt als medizinischer Durchbruch und zeitweise als teuerstes Medikament der Welt. Weltweit riefen Familien zu Spenden auf, um sich die Hoffnungstherapie leisten zu können.

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Sie kostet Millionen und soll Kindern mit einer seltenen Muskelschwundkrankheit helfen: Die Millionenspritze Zolgensma galt als medizinischer Durchbruch und zeitweise als teuerstes Medikament der Welt. Weltweit riefen Familien zu Spenden auf, um sich die Hoffnungstherapie leisten zu können. Doch nun schildert der Schweizer Hersteller Novartis von zwei Tumorfällen, die mit der Gentherapie zusammenhängen könnten. Seit der Erstzulassung 2019 in den USA gingen insgesamt neun Meldungen über Tumore bei Patienten ein, die zuvor mit Zolgensma behandelt worden waren. In zwei Fällen fanden Untersuchungen Erbgut des für die Gentherapie verwendeten Virus-Vektors in der DNA der Patienten. Das gilt als Hinweis darauf, dass die Tumorbildung mit der Behandlung zusammenhängen könnte. Das Mittel wird zur Behandlung von Kindern unter zwei Jahren mit der seltenen Muskelschwundkrankheit Spinale Muskelatrophie Typ I (SMA Typ I) eingesetzt.

Für Säuglinge und Kleinkinder mit der Diagnose bedeutete die Millionenspritze die letzte Rettung. Sie ist die schwerste Form der erblichen Muskelkrankheit Spinale Muskelatrophie. „Bei betroffenen Babys gehen Nervenzellen zugrunde, die die Muskeln steuern. Dadurch werden die Muskeln immer schwächer, die Kinder können häufig weder selbstständig sitzen noch später laufen“, erklärt Prof. Christoph Kleinschnitz (53), Direktor der Neurologie an der Uniklinik Essen. Besonders gefährlich: Auch die Muskeln fürs Schlucken und Atmen können betroffen sein. „Ohne wirksame Behandlung erreichen viele Kinder das zweite Lebensjahr nicht“, erklärt der Neurologe. Hauptgrund ist die fortschreitende Muskelschwäche, die schließlich auch die Atmung beeinträchtigt.

Medikament könnte Tumorzellwachstum anregen Seit Juli 2020 ist das Hoffnungsmedikament Zolgensma in Deutschland verfügbar. Die EU-Zulassung war bereits im Mai 2020 erfolgt. In den USA war die Gentherapie schon seit Mai 2019 zugelassen. Zolgensma soll den genetischen Fehler hinter SMA ausgleichen. Dafür nutzt die Gentherapie ein harmlos gemachtes Virus als eine Art „trojanisches Pferd“: Es bringt eine funktionsfähige Kopie des fehlenden Gens in die Körperzellen. „Dadurch können diese wieder ein wichtiges Eiweiß herstellen, das die Nervenzellen brauchen, um die Muskeln zu steuern. Die Therapie wird nur einmal als Infusion gegeben“, erklärt Prof. Kleinschnitz.

Nach Angaben der US-Arzneimittelbehörde FDA wurden nach der Zolgensma-Behandlung unter anderem Tumoren des zentralen und peripheren Nervensystems, im Bereich der Wirbelsäule sowie der Niere gemeldet. Eine mögliche Erklärung, warum das Medikament das Wachstum von Tumorzellen anregen könnte: „Es scheint so, als hätte sich Virus-DNA in die Gene von den Patienten eingebaut. An dieser Stelle wurde dann ein Eiweiß aktiviert, das Zellwachstum fördert und Tumoren auslösen kann. Weil die Virus-DNA in den Zellen verbleibt, könnte sie auch Jahre später noch Tumore auslösen“, erklärt Prof. Kleinschnitz. Die Therapie wurde insgesamt mehr als 6000 Kindern verabreicht. Es gibt keine Daten dazu, wie viele Kinder in Deutschland mit dem Medikament behandelt wurden und aus welchen Ländern die betroffenen Kinder stammen.

US-Arzneimittelbehörde FDA will nun das Risiko prüfen Patientenvertreter hatten kritisiert, dass Novartis zu langsam über die Fälle informiere. Die Patientenorganisation SMA Europe hatte den Konzern aufgefordert, darzulegen, was bekannt und was ungewiss sei und was dies für die behandelten Kinder bedeuten könnte. Das Basler Unternehmen erklärte, es habe die Gesundheitsbehörden in beiden Fällen, die mit der Gentherapie zusammenhängen könnten, rechtzeitig und angemessen informiert. Auf das mögliche Tumorrisiko werde zudem im Beipackzettel von Zolgensma hingewiesen.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA will nun prüfen, wie hoch das Risiko für gutartige und bösartige Tumore ist. Das teilte die Behörde am Freitag mit. Die FDA betont, dass der Nutzen der Gentherapie die möglichen Risiken in den zugelassenen Anwendungsgebieten weiter überwiegt. Prof. Kleinschnitz betont: „Klar ist, dass die Erkrankung so schwerwiegend ist, dass viele Kinder unbehandelt innerhalb der ersten Lebensjahre versterben würden. Dementsprechend müssen diese schweren Nebenwirkungen natürlich genauestens beobachtet werden und gleichzeitig überwiegt der Nutzen der Therapie das Risiko für die Kinder definitiv.“

F.M.Ferrentino--PV