Pallade Veneta - US-Behörden geben Nazi-Raubkunst an Erben von jüdischem Kunstsammler zurück

US-Behörden geben Nazi-Raubkunst an Erben von jüdischem Kunstsammler zurück


US-Behörden geben Nazi-Raubkunst an Erben von jüdischem Kunstsammler zurück
US-Behörden geben Nazi-Raubkunst an Erben von jüdischem Kunstsammler zurück / Foto: Chris DELMAS - AFP

US-Behörden in New York haben sieben in der Zeit des Nationalsozialismus geraubte Kunstwerke an die Erben des jüdisch-österreichischen Kunstsammlers Fritz Grünbaum übergeben. Die Zeichnungen des österreichischen Künstlers Egon Schiele seien "freiwillig" von den letzten Besitzern, darunter das Museum of Modern Art (Moma) in New York, ausgehändigt worden, erklärte die Staatsanwaltschaft von Manhattan am Mittwoch.

Textgröße ändern:

Der Kunstsammler, Kabarettist und Kritiker des NS-Regimes, Fritz Grünbaum, wurde 1938 von den Nazis in Österreich festgenommen und in das KZ-Dachau bei München deportiert, wo er 1941 starb. In Dachau musste er seiner Frau Elisabeth eine Vollmacht ausstellen. Sie wurde später gezwungen, die gesamte Sammlung ihres Mannes den NS-Behörden zu übergeben, bevor sie in das bei Minsk gelegene NS-Vernichtungslager Maly Trostinez verschleppt wurde.

Grünbaums Erben bemühen sich seit Jahren vor Gericht um die Rückgabe von Kunstwerken aus seiner einstigen Sammlung. 2018 sprach ihnen ein US-Gericht zwei Bilder zu, nachdem der damalige Präsident Barack Obama den Holocaust Expropriated Art Recovery Act unterzeichnet hatte, das Gesetz zur Wiedererlangung geraubter Kunst.

Staatsanwalt Alvin Bragg bezeichnete die Rückgabe der sieben Schiele-Zeichnungen als "Erinnerung daran", dass es "nie zu spät ist, um einige der Dinge, die wir verloren haben, zurückzugewinnen" und die Opfer der Nazis zu ehren.

Timothy Reif, ein Verwandter Grünbaums und selbst Richter, dankte den Behörden für die erfolgreiche Aufklärung von "Verbrechen, die vor mehr als 80 Jahren begangen wurden". "Danke, dass Sie sich auf die richtige Seite der Geschichte gestellt haben", sagte er bei einer Zeremonie in New York und wandte sich dabei an Staatsanwalt Briggs und dessen auf den illegalen Kunsthandel spezialisierten Mitarbeitern.

Die sieben Zeichnungen waren dieses Jahr von New Yorker Ermittlern vom Moma, der Ronald Lauder Sammlung, der Morgan-Bibliothek, dem Santa Barbara Kunstmuseum und der Vally Sabarsky Stiftung beschlagnahmt worden. Die Institutionen hätten die Kunstwerke nach der Einsicht von Beweisen, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt, bereitwillig abgegeben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Sie schätzt den Wert der Aquarell- oder Kreide-Zeichnungen auf insgesamt mehr als neun Millionen Dollar (rund 8,4 Millionen Euro).

Fritz Grünbaum besaß hunderte Kunstwerke, von denen 80 von Schiele stammten. Die Nazis betrachteten die Bilder des österreichischen Expressionisten als "Entartete Kunst". Laut Staatsanwaltschaft versteigerten oder verkauften sie die meisten von Schieles Werken, um mit dem Erlös die Finanzen ihrer Partei aufzustocken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchten die sieben Schiele-Zeichnungen laut Staatsanwaltschaft in den 50er Jahren auf dem Kunstmarkt wieder auf - zunächst in der Schweiz und dann in New York.

Grünbaums Erben setzen unterdessen ihre Suche nach den verlorenen Werken fort. In der vergangenen Woche beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft von Manhattan drei verschiedene Schiele-Zeichnungen aus dem Art Institute of Chicago, dem Carnegie Museum of Pittsburgh und dem Allen Memorial Art Museum am Oberlin College in Ohio.

A.Saggese--PV

Empfohlen

Tilly zu Moskauer Urteil: Das ist "zusätzliche Motivation"

Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly hat gelassen auf seine Verurteilung in Abwesenheit durch ein russisches Gericht reagiert. "Solange das Grundgesetz hier in Deutschland gültig ist und ich nicht in Länder reise, wo es wirklich gefährlich werden kann, solange trifft mich das Urteil eigentlich nicht", sagte Tilly am Donnerstag dem Sender Phoenix. Das Urteil von achteinhalb Jahren Haft sei im Gegenteil auch "eine kleine zusätzliche Motivation".

Nachtflug nach L.A.: John Travolta stellt Regie-Debüt in Cannes vor

Der Filmstar und Hobby-Pilot John Travolta stellt seinen ersten Film als Regisseur beim diesjährigen Filmfestival in Cannes vor. Der Film erzähle die Geschichte eines Achtjährigen, der zum ersten Mal in einem Flugzeug reise, teilten die Organisatoren des Festivals am Donnerstag in Paris mit. Er basiere auf einem Buch, das Travolta 1997 veröffentlicht habe. Travolta hatte die Geschichte für seinen ältesten Sohn Jett geschrieben, der seit seiner Kindheit an Krampfanfällen litt und 2009 starb.

Social-Media-Verbot für Kinder: Indonesien verwarnt Google und Meta abermals

Wenige Tage nach Inkrafttreten eines Social-Media-Verbots für Kinder in Indonesien haben die dortigen Behörden die US-Tech-Giganten Google und Meta schon zum zweiten Mal wegen Nichteinhaltung des Gesetzes vorgeladen. Das Kommunikations- und Digitalministerium in dem südostasiatischen Land warnte die Mutterkonzerne von Plattformen wie Youtube und Facebook am Donnerstag vor "Sanktionen", sollten die beiden Unternehmen sich weiter nicht an das Gesetz halten.

US-Richter stoppt Trumps Ballsaal am Weißen Haus

Ein US-Bundesrichter hat einen Baustopp für den von US-Präsident Donald Trump geplanten Ballsaal am Weißen Haus angeordnet. Für das Projekt fehle dem Präsidenten die Zustimmung des Kongresses, urteilte der Richter Richard Leon am Dienstag in Washington. Trump sei "nicht der Eigentümer" des Weißen Hauses, schrieb Leon zur Begründung. Der Richter gab damit einer Klage der Nationalen Stiftung für Denkmalpflege statt.

Textgröße ändern: