Pallade Veneta - EU-Energieminister einigen sich nach monatelangem Streit auf Gaspreisdeckel

EU-Energieminister einigen sich nach monatelangem Streit auf Gaspreisdeckel


EU-Energieminister einigen sich nach monatelangem Streit auf Gaspreisdeckel
EU-Energieminister einigen sich nach monatelangem Streit auf Gaspreisdeckel / Foto: Charly TRIBALLEAU - AFP

Nach monatelangem Streit haben sich die EU-Energieminister am Montag auf einen Preisdeckel für Gas im Großhandel geeinigt, der unter hohen Auflagen greifen soll. Auch Deutschland, das sich lange gegen eine solche Obergrenze gewehrt hatte, stimmte Diplomatenangaben zufolge zu. Damit wollen die EU-Staaten die hohen Energiepreise gemeinsam bekämpfen.

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Konkret soll der Preisdeckel ab Mitte Februar automatisch aktiviert werden, wenn der Preis an der europäischen Gasbörse TTF in den Niederlanden drei Arbeitstage lang bei über 180 Euro liegt. Darüber hinaus muss der Gaspreis über diese drei Tage mindestens 35 Euro über dem Preis für Flüssiggas (LNG) auf dem Weltmarkt liegen. Am Montag lag der Preis an der Gasbörse TTF bei rund 110 Euro pro Megawattstunde, also unter dem festgelegten Wert.

Auch Deutschland stimmte der Obergrenze einem EU-Diplomaten zufolge zu. "Insgesamt" könne er sagen, "dass wir genug Instrumente haben", den Marktkorrekturmechanismus "klug und zielgenau einzusetzen," sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach der Einigung. Damit bezog sich der Minister auf die Sicherheitsbedingungen, unter denen der Deckel ausgesetzt wird: Etwa bei einer erhöhten Gasnachfrage oder stark gesunkenen Lieferungen.

Vor allem Deutschland und Österreich hatten sich in den Verhandlungen für solche starken Sicherheitsgarantien eingesetzt. "Eine Skepsis", dass mit einem Markteingriff Nebeneffekte provoziert würden, "ist geblieben", fügte Habeck hinzu.

Seit Monaten forderten viele Länder, unter anderem Frankreich, Belgien und Italien, einen Preisdeckel für Gas. Deutschland befürchtete jedoch Versorgungsprobleme. Nachdem es auch in der vergangenen Woche bei einem extra zu diesem Thema angesetzten Treffen nicht voran ging, hatte der tschechische Industrieminister Jozef Sikela am Montagmorgen signalisiert, dass es eine Mehrheitsentscheidung für einen Deckel geben und Deutschland überstimmt werden könnte.

Tschechien hat derzeit den turnusmäßigen Ratsvorsitz inne und leitete daher die Verhandlungen. Mehreren Ländern zufolge hatte die tschechische Ratspräsidentschaft als Kompromiss einen Preisdeckel von 188 Euro pro Megawattstunde vorgelegt. Nun einigten sich die 27 EU-Staaten zwar auf einen Preisdeckel, aber dieser sieht anders aus, als die ersten Forderungen der Mitgliedstaaten.

Ursprünglich hatten viele Mitgliedsländer einen Deckel gefordert, wie es ihn bereits in Spanien und Portugal gibt. Die dort angewandte Regelung sieht vor, dass die Gaskosten von Stromversorgern gedeckelt werden, um die Strompreise zu senken. Die Differenz zum Marktpreis wird vom Staat ausgeglichen. Dies hatte Habeck abgelehnt.

Mitte November legte die EU-Kommission dann einen Vorschlag vor, mit dem eine Obergrenze nur unter hohen Auflagen im europäischen Großhandel für Gas greifen würde. Demnach sollte der sogenannte Marktkorrekturmechanismus erst greifen, wenn der Preis an der TTF-Börse zwei Wochen lang höher liegt als 275 Euro pro Megawattstunde. Ein solcher Wert wurde aber selbst auf dem Höhepunkt der Gaskrise im August nicht erreicht.

Für diesen sogenannten Marktkorrekturmechanismus hatte sich Deutschland offen gezeigt, andere Länder sahen ihn als zu lasch an.

Mit der jetzt gefundenen Einigung zeigte sich die belgische Energieministerin Tinne Van der Straeten zufrieden. Die Rolle der Preisobergrenze bestehe darin, "einzugreifen, wenn die Gaspreise irrationale Preisniveaus erreichen. Daher hoffe ich, dass dieser Mechanismus niemals ausgelöst wird", erklärte Van der Straeten.

Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) kritisierte hingegen den Preisdeckel. "Künstlich verknappte Einkaufsmöglichkeiten können dazu führen, dass Förderländer ihre Tankerschiffe in Länder schicken, wo sie höhere Preise für ihr Gas erzielen können", erklärte VKU- Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Der Kreml kritisierte die Preisobergrenze als "inakzeptabel". Es handele sich um eine "Verletzung des Prozesses der Preisbildung auf dem Markt", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen.

F.Dodaro--PV

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