Pallade Veneta - Internationales Entsetzen nach zwei weiteren Hinrichtungen im Iran

Internationales Entsetzen nach zwei weiteren Hinrichtungen im Iran


Internationales Entsetzen nach zwei weiteren Hinrichtungen im Iran
Internationales Entsetzen nach zwei weiteren Hinrichtungen im Iran / Foto: SPENCER PLATT - GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv

Im Iran sind zwei weitere Todesurteile im Zusammenhang mit den seit Monaten andauernden Protesten vollstreckt worden. Mohammed Mahdi Karami und Sejed Mohammed Hosseini seien "heute Morgen gehängt" worden, berichtete der Internetdienst Misan Online der iranischen Justizbehörde am Samstag. Die EU prangerte die erneuten Hinrichtungen als "weiteres Zeichen der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste" an. Derweil ernannte das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, einen neuen Polizeichef.

Textgröße ändern:

Karami und Hosseini waren im Dezember laut Misan Online als "Hauptverantwortliche" für den Tod eines Mitglieds der paramilitärischen Bassidsch-Miliz bei Demonstrationen in der Stadt Karadsch westlich von Teheran schuldig gesprochen worden. Am Dienstag hatte der Oberste Gerichtshof das Urteil gegen die beiden bestätigt. Damit verdoppelt sich die Zahl der Hinrichtungen im Zuge der Proteste im Iran auf vier.

Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo war Karami 22 Jahre alt. Laut der ebenfalls in Oslo ansässigen Organisation Hengaw war Hosseini 39 Jahre alt.

Aktivisten hatten zuvor das "unfaire Schnellverfahren" angeprangert. Es habe "nichts mit einem aussagekräftigen Gerichtsverfahren" gemeinsam, erklärte Amnesty International. Karamis Vater sagte gegenüber iranischen Medien, ein Anwalt der Familie habe keinen Zugang zu den Akten seines Sohnes erhalten. Der Anwalt schrieb im Onlinedienst Twitter, ein letztes Treffen mit der Familie sei Karami verwehrt worden, aus Protest habe er auf Essen und Wasser verzichtet.

IHR-Chef Mahmood Amiry-Moghaddam sagte, beide Männer seien "Folter ausgesetzt und nach Scheinprozessen verurteilt worden". Auf Twitter forderte er ein härteres internationales Vorgehen gegen den Iran, insbesondere "neue und härtere Sanktionen gegen Einzelpersonen und Organisationen".

Der Chef der in New York ansässigen Menschenrechtsorganisation Center for Human Rights in Iran (CHRI), Hadi Ghaemi, warf dem Iran vor, "Hinrichtungen und tödliche Gewalt gegen Demonstrationen einzusetzen, um Terror unter der Zivilbevölkerung zu verbreiten" und die Hoffnungen nach Veränderung "zunichte zu machen".

Die EU prangerte die Hinrichtungen als "weiteres Zeichen der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste" im Iran an. Sie fordere die Behörden erneut auf, "die höchst verwerfliche Praxis, Todesurteile gegen Demonstranten zu verhängen und zu vollstrecken, sofort zu beenden" und die jüngsten verhängten Todesurteile "unverzüglich aufzuheben", erklärte Nabila Massrali, eine Sprecherin des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte verurteilte auf Twitter die "auf erpressten Geständnissen" basierenden Prozesse. Es sei "schockierend, dass der Iran trotz des internationalen Aufschreis weiterhin Demonstranten" hinrichte.

Die iranische Justiz hat im Dezember bereits zwei junge Männer hingerichtet, die bei Protesten Sicherheitskräfte verletzt oder getötet haben sollen.

Insgesamt haben die Gerichte bislang 14 Demonstranten zum Tode verurteilt. Vier von ihnen wurden bereits hingerichtet, zwei weitere Todesurteile wurden vom Obersten Gericht bestätigt, sechs Verurteilte warten auf ein neues Verfahren und zwei weitere können Berufung einlegen.

Der Iran wird seit dem Tod der Kurdin Mahsa Amini am 16. September von einer Protestwelle erschüttert. Die 22-Jährige war nach der Festnahme durch die Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strikte islamische Kleiderordnung gestorben. Die iranischen Behörden prangern die landesweiten Demonstrationen als "Unruhen" an.

Derweil ernannte Chamenei seiner offiziellen Webseite zufolge einen neuen Polizeichef. Der bereits seit 2010 von den USA wegen Menschenrechtsverletzungen mit Sanktionen belegte General Ahmad-Resa Radan übernahm das Amt demnach von Hossein Aschtari.

Der Iran-Experte Mehrzad Boroujerdi von der Universität für Wissenschaft und Technik in Missouri sagte der Nachrichtenagentur AFP, vor der Ankündigung habe es "Gerüchte gegeben", wonach Chamenei Aschtaris Leistung scharf kritisiert habe. Er rechne nun damit, dass Leute wie Aschtari durch "noch mehr Hardliner ersetzt" würden, sagte Boroujerdi.

T.Galgano--PV

Empfohlen

Umfrage: AfD in Mecklenburg-Vorpommern weiter vorn - SPD macht Boden gut

Rund zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD einer Umfrage zufolge in der Wählergunst weiter vorn. Die am Donnerstag veröffentlichte Erhebung des Instituts Infratest dimap für den Norddeutschen Rundfunk sieht die Partei bei 35 Prozent. Im Vergleich zu einer vorangegangenen Umfrage von Anfang Juli ist das ein Prozentpunkt weniger. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig macht indes Boden gut und kann drei Punkte auf 32 Prozent hinzugewinnen.

Treffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens in Weimar

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU), Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot und der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski kommen am Donnerstag zu Gesprächen in Weimar zusammen (Pk. gegen 10.30 Uhr). Auf der Tagesordnung des Treffens im Format des vor 35 Jahren ins Leben gerufenen sogenannten Weimarer Dreiecks stehen nach Angaben des Auswärtigen Amts unter anderem die aktuellen hybriden Bedrohungen durch Russland, die EU-Erweiterung sowie die europäische Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit.

Hape Kerkeling hält Vortrag bei der SPD-Bundestagsfraktion - für Demokratie

Für ihre Klausurtagung holt sich die SPD-Bundestagsfraktion Impulse aus dem Showgeschäft. Der Entertainer Hape Kerkeling werde bei dem Treffen der SPD-Abgeordneten am Donnerstag einen Vortrag zum Thema Demokratie und Toleranz halten, wie Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese den Funke-Zeitungen sagte. Der 61-jährige Kerkeling habe "nicht zuletzt in einer sehr persönlichen Rede in der Gedenkstätte Buchenwald ausgedrückt, wie wichtig ihm ein tolerantes, offenes und zusammenführendes Miteinander ist", sagte Wiese. Kerkelings Appell für den Erhalt der Demokratie habe "großen Widerhall gefunden".

"Kein Fan": Trump froh über Ausreise von Harry und Meghan

US-Präsident Donald Trump hat sich zufrieden über die Ausreise von Prinz Harry und seiner Familie aus den USA gezeigt. "Ich bin froh darüber. Ich war kein Fan", sagte Trump am Mittwoch im Oval Office in Washington. Harry und seine Frau Meghan Markle seien "ungeheuer respektlos gegenüber der Königin und König Charles" gewesen, sagte der Präsident.

Textgröße ändern: