Pallade Veneta - Hausärtze und Rettungsdienste kritisieren geplante Krankenhausreform

Hausärtze und Rettungsdienste kritisieren geplante Krankenhausreform


Hausärtze und Rettungsdienste kritisieren geplante Krankenhausreform
Hausärtze und Rettungsdienste kritisieren geplante Krankenhausreform / Foto: Ina FASSBENDER - AFP/Archiv

Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für eine Krankenhausreform stoßen bei Hausärzten und Rettungsdiensten auf Kritik. "Ein sehr großer Teil der Notfallversorgung findet in den Hausarztpraxen statt, gleichzeitig spielen diese in dem Gutachten de facto keine Rolle", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Markus Beier, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

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Eine hochwertige hausärztliche Versorgung sei "der beste Schutz gegen eine kollabierende Notfallversorgung", mahnte Beier. "Statt nur den Missstand zu verwalten, muss das Problem endlich an der Wurzel gepackt und die hausärztliche Versorgung gestärkt werden", verlangte der Verbandsvorsitzende. Es dränge sich der Eindruck auf, dass das Reformkonzept vorrangig aus Sicht der Krankenhäuser und nicht aus Sicht der Patientinnen und Patienten geschrieben worden sei.

Ebenfalls kritisch äußerten sich die Johanniter, die deutschlandweit Rettungsdienste betreiben. Die von Lauterbach geplante stärkere Spezialisierung der Krankenhäuser werde dazu führen, dass "weniger Notaufnahmen existieren werden und wir mit den Rettungswagen weitere Fahrstrecken und damit längere Fahrzeiten haben werden", sagte der Leiter des Geschäftsbereichs Rettung und Medizinische Dienste, Kevin Grigorian, ebenfalls dem RND. Dagegen helfe auch die vorgesehene Errichtung von Integrierten Notfallzentren an den Notaufnahmen wenig.

Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit äußerte der Marburger Bund, der angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte vertritt. Die Vorsitzende Susanne Johna warnte in Berlin, bei strikter Umsetzung der Reformkriterien würden etwa mehr als die Hälfte der Geburtshilfe-Standorte wegfallen. Auch andere Leistungsangebote würden dann massiv ausgedünnt. "Wir wollen keine Wartelistenmedizin, wie es sie in anderen europäischen Ländern gibt, wo Patienten mitunter ein Jahr auf eine planbare Operation warten müssen", erklärte Johna.

Ebenfalls besorgt äußerte sich der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek. "Es gilt, einen erheblichen Klinik-Kahlschlag zu verhindern", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Holetschek forderte Lauterbach auf, er solle "einen Krankenhausgipfel organisieren, an dem sowohl Klinikvertreter teilnehmen als auch der Bundesfinanzminister".

Der CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge stellte sich jedoch in der Zeitung im Grundsatz hinter die Reform. "Vielerorts wird es schmerzhafte Einschnitte, Schließungen und Umwandlungen von Kliniken geben müssen", sagte er. Die Konzentration und Spezialisierung werde aber "dem System guttun und die Qualität der Versorgung erhöhen".

Das Reformkonzept Lauterbachs sieht den Aufbau eines neuen Leitsystems für Notrufe und die Einrichtung so genannter integrierter Notfallzentren an mehr als 400 Krankenhäusern vor. Krankenhäuser sollen in die drei Kategorien Grundversorgung, Schwerpunktversorgung sowie Maximalversorgung etwa an Universitätskliniken gegliedert werden. Zudem ist eine Änderung des Vergütungssystems geplant.

J.Lubrano--PV

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