Pallade Veneta - Wagner-Chef fordert Druck auf russische Armee im Streit um Munition

Wagner-Chef fordert Druck auf russische Armee im Streit um Munition


Wagner-Chef fordert Druck auf russische Armee im Streit um Munition
Wagner-Chef fordert Druck auf russische Armee im Streit um Munition / Foto: Sergei ILNITSKY - POOL/AFP/Archiv

Der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner hat seine Landsleute in einem ungewöhnlichen Schritt aufgerufen, ihn in seiner Forderung nach Munition zu unterstützen und Druck auf die Armee auszuüben. "Wenn jeder Russe (...) einfach nur sagen würde: 'Gebt Wagner Munition' (...) dann wäre das schon sehr bedeutend", sagte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin in einer am Mittwoch veröffentlichten Tonaufnahme. Bereits am Vortag hatte Prigoschin Aufsehen erregt, indem er der russischen Armeeführung "Hochverrat" vorwarf, weil sie seine Söldner nicht ausreichend mit Ausrüstung versorge.

Textgröße ändern:

Der beispiellose Aufruf des Chefs der Söldnertruppe ist ein weiterer Beleg für das Ausmaß der Spannungen zwischen der Söldnertruppe und dem russischen Generalstab. Prigoschin beschuldigt das russische Oberkommando, die Söldner im Kampf um die Stadt Bachmut in der Ostukraine nicht mit Munition zu versorgen. In Russland kann Kritik am Militär mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft werden. Mehrere Oppositionelle sind aufgrund dieses Gesetzes inhaftiert.

Prigoschin forderte nun in seiner Audiobotschaft Russen "vom Fahrer bis zur Flugbegleiterin" auf, Munition für die Wagner-Söldner zu verlangen und sagte, entsprechende Forderungen würden im Internet bereits verbreitet. "Wir werden sie klein kriegen und sie dazu bringen, mit dem Quatsch aufzuhören", sagte Prigoschin. Es gebe genügend Geschosse, "aber karrieregeile Politiker, Dreckskerle, Mistviecher müssen erst ihre Unterschrift leisten", damit diese geliefert würden, schimpfte er in der Audiobotschaft.

Seine Botschaft flankierte Prigoschin mit einem Foto von dutzenden im Schnee liegenden Leichen von Kämpfern, die nach seinen Angaben am Dienstag wegen Munitionsmangels getötet wurden. "Ihre Frauen, ihre Mütter und ihre Kinder werden ihre Leichen in Empfang nehmen. Wer ist schuldig? Diejenigen, die das Problem mit den Munitionslieferungen regeln müssen", sagte er.

Am Dienstag hatte Prigoschin Generalstabschef Waleri Gerassimow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu beschuldigt, "Hochverrat" zu begehen, indem sie die von den Söldnern geforderte Ausrüstung nicht lieferten und Hilfe durch Lufttransporte verweigerten. Der Generalstab habe sogar verboten, den Wagner-Söldnern "Schaufeln zu liefern, mit denen sie Schützengräben ausheben können". Es gebe eine "Frontalopposition" gegen seine Truppe, die "nichts weniger als ein Versuch zur Zerstörung Wagners" sei, sagte Prigoschin.

Das russische Verteidigungsministerium reagierte auf diese Vorwürfe mit einer Erklärung, in der detailliert die Munition aufgelistet wird, die laut offiziellen Angaben an die "freiwilligen Sturmgeschwader" geliefert wurde - ein Name, den die Armee offenbar für Wagner verwendet. Sämtliche Forderungen nach Munition für Angriffstruppen würden stets "so schnell wie möglich" erfüllt, Berichte über Munitionsknappheit seien "absolut falsch", neue Lieferungen sollten am Samstag erfolgen, betonte das Ministerium.

Die Söldnertruppe Wagner, für die Prigoschin Gefangene aus ganz Russland rekrutiert und ihnen im Gegenzug Amnestie versprochen hatte, hat bei den Kämpfen in der Ostukraine eine wichtige Rolle übernommen. Äußerungen Prigoschins, wonach der Wagner-Gruppe Geländegewinne in der Ukraine ohne die Hilfe der russischen Armee gelungen seien, hatten zu Spannungen mit hochrangigen Militärs geführt.

Prigoschin ist seit langer Zeit ein Verbündeter des Kremls. Nach jahrelangem Leugnen hatte er im vergangenen Jahr eingeräumt, die Söldnertruppe Wagner gegründet zu haben, deren Kämpfer auch im Nahen Osten und in Afrika gesichtet wurden.

Prigoschins zunehmend häufigere und heftigere öffentliche Äußerungen in jüngster Zeit wertete die Politologin Tatjana Stanowaja als Hinweis darauf, dass der Söldner-Chef "keinen direkten Zugang" zu Präsident Wladimir Putin mehr hat: "Das ist ein Akt der Verzweiflung und ein Versuch, über die Öffentlichkeit Kontakt aufzunehmen und die Militärführung aufzuschrecken", sagte sie.

O.Merendino--PV

Empfohlen

Debatte um Stromsteuersenkung: Rehlinger wirft Merz leere Versprechungen vor

In der Debatte um die Stromsteuersenkung für alle Unternehmen und Verbraucher hat die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) leere Versprechungen vorgeworfen. Das Leben müsse bezahlbar bleiben, sagte Rehlinger der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe). "Die Senkung der Stromsteuer für alle ist eine gute Möglichkeit, direkt zu entlasten." Solange es keine Finanzierungslösung gebe, sei die Ankündigung des Bundeskanzlers "allerdings ein leeres Versprechen", kritisierte die SPD-Politikerin.

IG-Metall-Chefin: Auftritt von Audi-Chef in den USA "politisch inakzeptabel"

Die Chefin der IG Metall, Christiane Benner, hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner, als "politisch inakzeptabel" kritisiert. Die Art und Weise, wie Döllner sich und Audi in den USA präsentiert habe, sei außerdem "peinlich" und den "Audianerinnen und Audianern nicht würdig", erklärte sie am Montag. Döllner habe "eklatant" die eigenen Unternehmensregeln verletzt, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen.

Berlin: Eralp hält Bundesgesetz zu Vergesellschaftungen für verfassungswidrig

Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin und mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp hält die Pläne des Bundes zur Erschwerung von Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen für verfassungswidrig. Damit werde versucht, den Artikel 15 des Grundgesetzes, der Vergesellschaftungen vorsieht, auszuhöhlen, sagte Eralp am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Man kann nicht durch ein Bundesgesetz unmöglich machen, was das Grundgesetz vorsieht und wofür die Berlinerinnen und Berliner gestimmt haben."

Japans Ex-Regierungschef Fukuda im Alter von 90 Jahren gestorben

Der frühere japanische Regierungschef Yasuo Fukuda ist tot. Fukuda sei am Donnerstag im Alter von 90 Jahren gestorben, teilte ein Vertreter der derzeit regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) der Nachrichtenagentur AFP am Montag mit. Der LDP-Politiker Fukuda hatte im September 2007 die Regierungsgeschäfte übernommen, nachdem Ministerpräsident Shinzo Abe verstorben war. Ein Jahr später, im September 2008, trat Fukuda zurück.

Textgröße ändern: