Pallade Veneta - Scharfe Kritik an Aus für nationalen Sicherheitsrat

Scharfe Kritik an Aus für nationalen Sicherheitsrat


Scharfe Kritik an Aus für nationalen Sicherheitsrat
Scharfe Kritik an Aus für nationalen Sicherheitsrat / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Das Aus für den ursprünglich von der Bundesregierung geplanten nationalen Sicherheitsrat stößt auf scharfe Kritik bei FDP und Union. Der "Spiegel" berichtete am Wochenende, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hätten sich trotz monatelanger Verhandlungen nicht darüber einigen können, wo das neue Gremium angesiedelt werde, wer es führen und wie es besetzt werden solle. Daher sei entschieden worden, das ganze Projekt nicht weiterzuverfolgen.

Textgröße ändern:

Die Idee sei vom Tisch, berichtete der "Spiegel" aus Verhandlungskreisen. Ein weiterer Streitpunkt war demnach die Festschreibung des Zwei-Prozent-Ziels bei den Ausgaben für Verteidigung in der neuen "Nationalen Sicherheitsstrategie". Das Ziel wird dem Bericht zufolge im aktuellen Entwurf des vertraulichen Papiers ausdrücklich erwähnt. Eine Kopplung steigender Ausgaben für Verteidigung an Investitionen in Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit, wie von den Grünen gefordert, finde sich darin aber nicht.

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte umfassende "Nationale Sicherheitsstrategie" soll ressortübergreifend Vorgaben für alle sicherheitspolitischen Herausforderungen geben.

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff sagte dem "Spiegel": "Die Blockade des nationalen Sicherheitsrats durch Kanzleramt und Auswärtiges Amt ist aus Sicht der FDP enttäuschend, weil alle Beteiligten wissen, dass eine Verbesserung der Abläufe in der Außen- und Sicherheitspolitik überfällig ist." Für die FDP bleibe das Thema "definitiv" auf der Tagesordnung.

Unionsfraktionsvize Johannes Wadephul sprach von einem "sicherheitspolitischen Offenbarungseid". Er warf der "Ampel" Handlungsunfähigkeit vor, die "besorgniserregende Ausmaße" annehme. Der CDU-Politiker unterstrich im "Spiegel" die Notwendigkeit für einen Sicherheitsrat: "Eine zentrale Institution zur Vorausschau von Gefahren und Krisen sowie Koordinierung von deren Abwehr ist geradezu lebenswichtig für unseren Staat."

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, sagte dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag": "Die Bundesregierung ist in das Projekt 'Nationale Sicherheit' vollmundig gestartet und scheitert bereits bei Grundsatzfragen." Das sei "schlechtes Regierungsmanagement vor allem des Kanzleramtes".

Ein nationaler Sicherheitsrat, in dem außen-, verteidigungs- und innenpolitisch die Entscheidungsstränge zwischen den Bundesressorts, aber auch zwischen Bund und Ländern zusammenlaufen, sei aber "dringend erforderlich", so Hardt. Das habe unter anderem die Situation um den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan im August 2021 gezeigt.

SPD und Grüne verteidigten hingegen die Entscheidung von Kanzleramt und Auswärtigem Amt. "Wenn es in Deutschland keinen nationalen Sicherheitsrat geben sollte, ist das weder überraschend noch problematisch", sagte SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner dem Magazin. Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin sagte, "neue bürokratische Wasserköpfe" seien nicht nützlich. Sie befeuerten nur "neue Konkurrenzen".

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sagte dem "Handelsblatt": "Wir haben in Deutschland kein Präsidialsystem, wo der Kanzler am Ende allein entscheidet, sondern Koalitionsregierungen, die sich in allen grundsätzlichen Fragen einigen müssen – auch und gerade in der Außen- und Sicherheitspolitik." Deshalb sei es ein "Denkfehler, das US-Modell des Nationalen Sicherheitsrats eins zu eins zu kopieren, quasi als Parallel-Außenministerium im Kanzleramt".

S.Urciuoli--PV

Empfohlen

Trump nominiert Hung Cao dauerhaft zum US-Marine-Staatssekretär

US-Präsident Donald Trump hat den bisherigen kommissarischen Marine-Staatssekretär Hung Cao für die dauerhafte Besetzung des Postens nominiert. Er könne sich "niemanden Besseren" als obersten zivilen Verantwortlichen für Marine und Marineinfanterie vorstellen, erklärte Trump am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social und rief den Senat zu einer schnellen Bestätigung auf.

Nicaragua: Parlament billigt Ausschluss von Oppositionsparteien von Wahlen

Das Parlament in Nicaragua hat den von Langzeitpräsident Daniel Ortega geforderten Ausschluss von Oppositionsparteien von Wahlen in dem zentralamerikanischen Land gebilligt. Die Nationalversammlung nahm die Verfassungsreform in einer Sondersitzung, die vor der Kathedrale von León abgehalten wurde, 90 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Managua, einstimmig an, wie Parlamentspräsident Gustavo Porras am Mittwoch bekanntgab. Die Reform verlängert zudem die Amtszeit des Präsidenten von sechs auf sieben Jahre.

Klingbeil offen für weitere Steuerentlastung - wenn Union Vorschläge macht

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat sich bereit erklärt, die Bürgerinnen und Bürger noch stärker bei der Steuer zu entlasten als bislang vorgesehen. Nach dem Kabinettsbeschluss zur Reform der Einkommensteuer zeigte sich Klingbeil am Mittwoch offen für Forderungen des Koalitionspartners Union nach einem höheren Entlastungsvolumen - und forderte CDU/CSU auf, Vorschläge zur Gegenfinanzierung vorzulegen. Er sei "gespannt, welche Ideen auf den Tisch kommen", sagte Klingbeil in Greenville in den USA. Sein Ministerium würde weitere Entlastungen "positiv begleiten".

Ausbildungssuche abgebrochen: Behörde kann Kindergeld von Mutter zurückverlangen

Bricht ein volljähriges Kind die Suche nach einem Studien- oder Ausbildungsplatz ab, ohne dies der Mutter zu sagen, kann die Familienkasse laut einem Urteil aus Baden-Württemberg das Kindergeld zurückfordern. Das Kind bemühte sich erst später um einen Platz, wie das Finanzgericht Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Der Rückforderungsbetrag kann aber aufgerechnet werden. (Az.: 13 K 1645/24)

Textgröße ändern: