Pallade Veneta - Bundestagsabstimmung über Schutz von Whistleblowern kurzfristig abgesetzt

Bundestagsabstimmung über Schutz von Whistleblowern kurzfristig abgesetzt


Bundestagsabstimmung über Schutz von Whistleblowern kurzfristig abgesetzt
Bundestagsabstimmung über Schutz von Whistleblowern kurzfristig abgesetzt / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Der Bundestag hat am Donnerstag kurzfristig zwei eigentlich zur Abstimmung vorgesehene Gesetze zum Whistleblower-Schutz von der Tagesordnung genommen. Grund sei, dass die Gespräche mit der Union über das Vorhaben fortgesetzt würden, hieß es am Nachmittag aus Kreisen der Ampel-Koalition. So solle doch noch eine einvernehmliche Regelung gefunden werden. Die Unionsfraktion forderte die Koalition auf, den Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat einzuschalten.

Textgröße ändern:

Das zweiteilige Gesetzespaket zielte darauf ab, das Risiko für Menschen senken, die auf Missstände in ihrer Firma oder Behörde hinweisen. Damit soll eine EU-Richtlinie umgesetzt werden; Deutschland ist hier bereits erheblich in Verzug.

Der Bundestag hatte einen entsprechenden Gesetzentwurf schon einmal beschlossen, dieser scheiterte aber im Februar im Bundesrat. Vor allem Länder mit CDU/CSU-Regierungsbeteiligung meldeten Vorbehalte an. Sie machten unter anderem geltend, der Entwurf verursache hohe Kosten und viel Bürokratie, insbesondere für kleinere Firmen. Nachdem der Bundesrat das Gesetz stoppte, rief allerdings weder die Länderkammer noch der Bundestag oder die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss an.

Stattdessen spaltete die Ampel-Koalition das Gesetz in zwei Teile auf. Das Hauptgesetz bedurfte ihrer Auffassung nach nicht mehr der Zustimmung des Bundesrats. Zustimmungspflichtig wäre demnach nur noch das Ergänzungsgesetz gewesen, das die Regelungen auf Landes- und Kommunalbehörden anwendbar machen sollte. In den nun angekündigten Gesprächen könnte die Aufteilung in zwei Gesetze allerdings wieder rückgängig gemacht werden.

Der SPD-Rechtsexperte Sebastian Fiedler kritisierte die Union scharf. "Es drängt sich der Eindruck auf, der Union sind zweifelhafte Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen wichtiger als eine effektive Aufdeckung schwerster Straftaten", erklärte er nach der Absetzung des Tagesordnungspunkts im Bundestag.

"Im parlamentarischen Verfahren fordern wir daher die Union erneut auf, mit uns gemeinsam mehr für den Schutz hinweisgebender Personen zu tun, um effektiv Kriminalität zu verhindern", erklärte Fiedler. "Wir erwarten, dass sich CDU/CSU in den kommenden Gesprächen ihrer Verantwortung endlich bewusst werden."

Die Unionsfraktion will allerdings von Verhandlungen nur innerhalb des Bundestags nichts wissen. "Die 'Ampel' muss die berechtigten Bedenken der Länder endlich ernst nehmen und den Weg einschlagen, den das Grundgesetz bei Unstimmigkeiten zwischen Bund und Ländern vorsieht: Sie muss den Vermittlungsausschuss anrufen", erklärte der Rechtspolitiker Günter Krings (CDU). Die Koalition wolle "endlos" taktieren - "die Zeit für Tricks ist aber jetzt vorbei".

A.Graziadei--PV

Empfohlen

Niedersachsen: Gericht bestätigt Wahlausschluss von AfD-Bürgermeisterkandidat

In Niedersachsen ist ein weiterer wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue von der Kommunalwahl am 13. September ausgeschlossener AfD-Kandidat mit einem Eilantrag vor Gericht gescheitert. Der Antrag sei nach seiner Auffassung unzulässig, entschied das Verwaltungsgericht Göttingen nach Angaben vom Dienstag. Es geht um Justin Vogel, der für die AfD als Bürgermeisterkandidat in Herzberg am Harz antreten wollte. Der örtlich zuständige Wahlausschuss ließ ihn nicht zu. (Az. 1 B 229/26)

Erneut 22 straffällige Männer nach Afghanistan abgeschoben

Aus Deutschland sind abermals 22 Männer nach Afghanistan abgeschoben worden. Die Afghanen seien in Deutschland allesamt strafrechtlich in Erscheinung getreten, teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag mit. Die Rückführung sei per Charterflug in die afghanische Hauptstadt Kabul erfolgt und "erfolgreich beendet" worden. Mit ihnen seien nun seit Beginn der Legislaturperiode insgesamt 250 Afghanen aus Deutschland in ihre Heimat abgeschoben worden. Der letzte Abschiebeflug liegt eine Woche zurück.

EU-Chefdiplomatin Kallas: "Hybride" Angriffe Russlands werden EU nicht abschrecken

EU-Außenkommissarin Kaja Kallas hat die Unterstützung der EU für die Ukraine in ihrem Abwehrkrieg gegen die Russland unterstrichen. Mit "einer Welle zunehmend kinetischer hybrider Angriffe" wolle Moskau "uns Angst machen, damit wir die Unterstützung für die Ukraine einstellen", sagte Kallas am Dienstag bei einem Treffen der EU-Verteidigungsminister im irischen Wicklow. "Das wird ihnen nicht gelingen", fügte sie hinzu.

Iranerinnen und Ungarin für Vaclav-Havel-Menschenrechtspreis nominiert

Zwei Iranerinnen - eine Anwältin und eine Journalistin - sowie eine ungarische Menschenrechtsaktivistin sind für den Vaclav-Havel-Menschenrechtspreis nominiert. Die Preisträgerin wird Ende September bestimmt, wie der Europarat am Dienstag in Straßburg mitteilte. Der Preis, der den Namen des ehemaligen Dissidenten und späteren tschechischen Präsidenten trägt, wird seit 2013 von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats verliehen.

Textgröße ändern: