Pallade Veneta - Selenskyj kommt nach Deutschland - Berlin sagt umfangreiches Rüstungspaket zu

Selenskyj kommt nach Deutschland - Berlin sagt umfangreiches Rüstungspaket zu


Selenskyj kommt nach Deutschland - Berlin sagt umfangreiches Rüstungspaket zu
Selenskyj kommt nach Deutschland - Berlin sagt umfangreiches Rüstungspaket zu / Foto: Sergei SUPINSKY - AFP/Archiv

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kommt erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs nach Deutschland. Sein Besuch wird für Sonntag erwartet, wie die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus Regierungskreisen in Berlin erfuhr. Kurz vor Bekanntwerden der Reise kündigte das Bundesverteidigungsministerium ein milliardenschweres Rüstungspaket für Kiew an. Ukrainische Regierungsvertreter lobten den Schritt.

Textgröße ändern:

Details zum Besuch von Selenskyj am Sonntag wurden zunächst nicht bekannt. Am Samstag hielt er sich in Italien auf. Selenskyj und das ukrainische Volk werden am Sonntag mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. Ob der Präsident aus diesem Anlass nach Aachen reist, blieb bis zuletzt offen. "Wir planen weiter zweigleisig - mit ukrainischer Präsenz vor Ort oder im Videocall", sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden, dem "Tagesspiegel".

Vor anderthalb Wochen hatte die Berliner Polizei nach einem entsprechenden Zeitungsbericht bestätigt, dass sie sich auf einen Besuch Selenskyjs in Berlin an diesem Wochenende vorbereite. Weil in dem Zeitungsartikel vertrauliche Details der Einsatzplanung wiedergegeben wurden, leitete die Polizei inzwischen Ermittlungen wegen des Verdachts des Geheimnisverrats ein.

Die Bundesregierung verkündete am Samstag ein umfangreiches Rüstungspaket für Kiew. Laut Verteidigungsministerium bekommt die Ukraine unter anderem 30 Panzer vom Typ Leopard 1 A5 und 20 vom Typ Marder. Das Paket umfasst außerdem vier weitere Iris-T-Flugabwehrsysteme, 18 Radhaubitzen, mehr als 100 gepanzerte Gefechtsfahrzeuge und mehr als 200 Aufklärungsdrohnen. Auch Artilleriemunition und Lenkflugkörper für die von Deutschland zur Verfügung gestellten Luftverteidigungssysteme werden zugesagt.

"All dies und mehr kommt aus Industriebeständen beziehungsweise der Industrieproduktion", also nicht aus Beständen der Bundeswehr, teilte das Ministerium weiter mit. "Die Umsetzung dieser von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen ist eingeleitet." Einen Zeitrahmen für die Lieferungen nannte das Ministerium nicht. Laut "Spiegel" handelt es sich um das bisher größte deutsche Waffenpaket für die Ukraine seit Kriegsbeginn.

"Mit diesem wertvollen Beitrag an dringend benötigtem militärischen Material zeigen wir einmal mehr, dass es Deutschland mit seiner Unterstützung ernst ist", erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Deutschland werde "jede Hilfe leisten, die es leisten kann - as long as it takes".

Aus der Ukraine kamen positive Reaktionen. "Was mir an diesem Paket wirklich gefällt, ist, dass Deutschland die Führung übernimmt", sagte Präsidentenberater Mychailo Podoljak der "Welt am Sonntag" laut Vorabmeldung vom Samstag. Die Entscheidung zeige, "dass Deutschland den Moment der Geschichte versteht, dass die richtigen Entscheidungen jetzt gefällt werden müssen."

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko sagte der Zeitung, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) "demonstriert mit diesem historischen Paket, dass die militärische Unterstützung fortgesetzt wird, solange es notwendig ist". Nun könne jeder sehen, wie entschlossen Deutschland wirklich an der Seite der Ukraine stehe.

Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, nannte die Entscheidung für das Paket einen "Sprung nach vorn". Es sei jedoch zu bedauern, dass keine Marschflugkörper vom Typ Taurus geliefert würden, die feindliche Ziele im russischen Hinterland unschädlich machen könnten. Die Bundesregierung müsse "massiv und schnell" nachlegen, sagte der heutige ukrainische Vize-Außenminister der "Welt am Sonntag".

G.Riotto--PV

Empfohlen

Bundesaußenminister Wadephul zu Besuch nach Tunesien aufgebrochen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) ist zu einem Besuch in den nordafrikanischen Mittelmeeranrainern Tunesien und Algerien aufgebrochen. "Mit Tunesien und Algerien teilen wir zentrale wirtschaftliche und sicherheitspolitische Anliegen", erklärte Wadephul am Montagmorgen vor seinem Abflug in Berlin. "Gemeinsam können wir das Mittelmeer zu einem Raum der Stärke zwischen unseren Kontinenten machen", fügte er hinzu.

Grüne fordern Merz zu mehr Entschlossenheit gegenüber Russland auf

Die Grünen haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einem entschlosseneren Handeln gegen Russland wegen des Leipziger Drohnenvorfalls aufgefordert. "Die Bundesregierung muss endlich aufhören, zögerlich, verdruckst und verzagt zu sein", sagte Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Montag. Die Bundesregierung hat sich bislang nicht klar zur Urheberschaft der Leipziger Drohnenattacke geäußert, der Verdacht richtet sich vor allem gegen Russland.

Präsidenten Russlands, Chinas und des Iran bei Gipfel in Kirgistan

In Kirgistan beginnt am Montag ein Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, zu dem unter anderen der russische Präsident Wladimir Putin, sein chinesischer Kollege Xi Jinping sowie der iranische Präsident Massud Peseschkian erwartet werden. Etwa ein Dutzend Staatenlenker wollen bei dem zweitägigen Treffen in der Hauptstadt Bischkek das 25-jährige Bestehen des Bündnisses begehen.

Erstes Ministertreffen von neuem Verteidigungsbündnis in Istanbul

Minister des neuen Militärbündnisses aus Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan kommen am Montag erstmals zu Beratungen in Istanbul zusammen. Bei dem Treffen soll nach Angaben der türkischen Regierung ein mit den Außen- und Verteidigungsministern sowie Militärchefs der drei Länder besetzter gemeinsamer verteidigungspolitischer "Strategie-Ausschuss" gebildet werden. Zudem soll über eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten, Kooperationen in der Rüstungsindustrie und die Kompatibilität der Armeen beraten werden.

Textgröße ändern: