Pallade Veneta - Ukraine evakuiert tausende Menschen nach Zerstörung des Kachowka-Staudamms

Ukraine evakuiert tausende Menschen nach Zerstörung des Kachowka-Staudamms


Ukraine evakuiert tausende Menschen nach Zerstörung des Kachowka-Staudamms
Ukraine evakuiert tausende Menschen nach Zerstörung des Kachowka-Staudamms / Foto: STRINGER - AFP

In der Ukraine wächst nach der teilweisen Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Süden des Landes die Angst angesichts der Überschwemmungen und der Gefahr eines möglichen Atom-Unfalls. Ukrainische Behörden leiteten am Dienstag die Evakuierung von rund 17.000 Menschen ein. Auf der von Russland besetzten Seite des Flusses Dnipro sollten weitere 25.000 Anwohner fortgebracht werden. Der Chef der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, warnte vor den Folgen für die Kühlung des Atomkraftwerks Saporischschja.

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Der in russisch besetztem Gebiet liegende Kachowka-Staudamm am Dnipro war bei einer Explosion in der Nacht zum Dienstag teilweise zerstört worden, große Mengen Wasser traten aus. Nach Angaben des ukrainischen Innenministers, Igor Klymenko, wurden 24 Ortschaften überschwemmt.

Russland und die Ukraine machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, den Staudamm "vermint" und dann "gesprengt" zu haben. Damit habe Russland auch einen "Ökozid" begangen, fügte er mit Blick auf die Umweltauswirkungen hinzu. Der Kreml sprach von einer "vorsätzlichen Sabotage" Kiews.

Der ukrainische Generalstaatsanwalt Andrij Kostin erklärte in Online-Netzwerken, für Gegenden mit insgesamt mehr als 40.000 Einwohnern bestehe Überflutungsgefahr. Aus Angst vor den Wassermassen begannen Anwohner, ihre Habseligkeiten zu packen und in Sicherheit zu bringen.

Die von Russland besetzte Stadt Nowa Kachowka im Süden der Ukraine wurde russischen Angaben zufolge überflutet. Der von Moskau eingesetzte Bürgermeister der Stadt, Wladimir Leontjew, sagte russischen Medien, das Wasser steige. Demnach sollten die Einwohner in Sicherheit gebracht werden. Der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef der Region Cherson, Andrej Aleksejenko, erklärte, der Wasserpegel sei nach Angaben der Rettungsdienste um bis zu vier Meter angestiegen.

International wuchs die Sorge, dass auch die Kühlung des Atomkraftwerks Saporischschja durch den Dammbruch in Gefahr sein könnte. IAEA-Chef Grossi warnte, in "ein paar Tagen" könne der Pegel des Stausees so niedrig sein, dass das Wasser nicht mehr zum Kraftwerk gepumpt werden könnte. Der Dnipro versorgt das Atomkraftwerk mit Kühlwasser. UN-Generalsekretär António Guterres warnte ebenfalls vor einem "erhöhten Risiko" eines Atomunfalls.

Guterres sprach von einer "weiteren zerstörerischen Folge der russischen Invasion in der Ukraine". Zugleich hob er hervor, die UNO habe "keinen Zugang zu unabhängigen Informationen über die Umstände, die zu der Zerstörung" des Dammes führten.

Selenskyj berief nach der Explosion an dem Staudamm am frühen Dienstagmorgen den Nationalen Sicherheitsrat ein. "Die Welt muss reagieren", forderte er im Onlinedienst Telegram.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem folgenschweren Angriff. Die Ukraine bringe "die Frage des russischen Terroraktes" zudem vor den Gouverneursrat der IAEA, erklärte er.

Von Moskau eingesetzte Behörden meldeten, der Staudamm sei "durch mehrere Angriffe" der Ukraine teilweise zerstört worden. Der Kreml erklärte, die Ukraine habe die Krim von der Wasserversorgung abschneiden wollen. Das russische Außenministerium forderte die internationale Gemeinschaft auf, "die kriminellen Taten der ukrainischen Behörden zu verurteilen".

Der Staudamm liegt in dem von Russland kontrollierten Teil der Region Cherson. Den Staudamm hatten die russischen Truppen bereits in den ersten Kriegstagen im vergangenen Jahr besetzt.

International wurde die Zerstörung des Kachowka-Damms scharf kritisiert. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einer "neuen Dimension" im Krieg. Die Beschädigung sei etwas, "das zu der Art und Weise passt, wie Putin diesen Krieg führt", sagte Scholz in Berlin. Bundesaußenministern Annalena Baerbock (Grüne) warf Russland vor, einen "Staudamm in der Nähe eines Kernkraftwerks als Kriegswaffe" zu missbrauchen.

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte den Angriff scharf. Die Zerstörung gefährde tausende Zivilisten und verursache schwere Umweltschäden, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. EU-Ratspräsident Charles Michel schrieb: "Die Zerstörung ziviler Infrastruktur gilt klar als Kriegsverbrechen - und wir werden Russland und seine Stellvertreter zur Verantwortung ziehen."

Der ukrainische Präsidentenberater Michailo Podoljak warf Russland vor, das Gebiet überfluten und so die geplante ukrainische Gegenoffensive behindern zu wollen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu warf seinerseits der Ukraine vor, durch die Zerstörung des Dammes "offensive Aktionen der russischen Armee in diesem Bereich der Front" verhindern zu wollen.

In einem seltenen Schritt gab Schoigu zudem den Tod von 71 russischen Soldaten bei Einsätzen zur Abwehr ukrainischer Angriffe bekannt. Die Ukraine habe "eine lange versprochene Offensive" gestartet, hieß es. Über den Beginn einer erwarteten ukrainischen Gegenoffensive wird seit längerem spekuliert.

F.Abruzzese--PV

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