Pallade Veneta - Klimaschützer kritisieren Einigung beim Heizungsgesetz scharf

Klimaschützer kritisieren Einigung beim Heizungsgesetz scharf


Klimaschützer kritisieren Einigung beim Heizungsgesetz scharf
Klimaschützer kritisieren Einigung beim Heizungsgesetz scharf / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP/Archiv

Die Einigung der Ampel-Koalition beim Heizungsgesetz stößt auf scharfe Kritik von Klimaschützern. "Mit diesem aufgeweichten Heizungsgesetz rückt das Erreichen der Regierungsziele beim Klimaschutz in weite Ferne", erklärte Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling am Mittwoch. "Wenn zunächst die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen werden soll, dann werden bis 2028 in den meisten Kommunen weiter klimaschädliche Gasheizungen eingebaut."

Textgröße ändern:

Insbesondere "der absurde FDP-Fetisch vermeintlicher Technologieoffenheit" empört Böhling. Dieser werde viele Haushalte "in eine Kostenfalle" treiben. "Wer sich im Irrglauben an wasserstoff-fähige Gasheizungen jetzt noch eine Verbrennerheizung zulegt, wird künftig jeden Monat bis zu doppelt so viel zahlen, wie ein vergleichbarer Haushalt mit Wärmepumpe", warnte der Energieexperte. Er forderte Nachbesserungen an dem Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren.

Der Politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, beklagte ebenfalls, die Koalition verschiebe "das Handeln im Gebäudebestand um Jahre und lässt den Einbau von Gasheizungen zunächst noch zu". Das das Erreichen der Emissionsminderungsziele für 2030 "rückt in weite Ferne".

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Koalitionseinigung beim Gebäudeenergiegesetz (GEG) sei "ein schlechter Witz". Sie sprach von einer "Entkernung des GEGs". Auch Neubauer attackierte vor allem die FDP: Diese "zockt mit unseren Chancen, die Klimaziele einzuhalten".

Dagegen verteidigte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge die Einigung. "Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass wir etwas früher zu der Entscheidung gekommen wären", räumte sie am Dienstagabend in den ARD-"Tagesthemen" ein. Nun werde das GEG aber wirklich vorangebracht und dadurch ein "Meilenschritt" für den Klimaschutz geschafft.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Irene Mihalic, sagte am Mittwoch in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart", die Einigung sei letztlich durch ein Geben und Nehmen innerhalb der Koalition zustande gekommen. "Die FDP hat uns zugestanden, dass es eine verpflichtende kommunale Wärmeplanung gibt, und wir haben uns im Bereich der Technologien und bei den Übergangsfristen auf die FDP zubewegt." Das Wichtige sei, "dass wir endlich die Wärmewende einleiten", urteilte Mihalic.

Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, sprach im Radiosender Bayern 2 von einem "guten Kompromiss". Der Gesetzentwurf sei "vom Kopf auf die Füße gestellt" worden. Den Vorwurf, der Klimaschutz im GEG werde geschwächt, wies Vogel zurück: "Das fossile Verbrennen wird in jedem Fall verboten. Die Perspektive ist klar: bis 2045 müssen wir klimaneutral sein. Und die Regel dafür ist hart gesetzt, ohne Schlupflöcher. Aber die Technik können die Menschen sich selbst aussuchen."

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte den Funke-Zeitungen, die Einigung vom Dienstag bedeute "eine vollständige Abkehr von den ursprünglichen Vorstellungen" des Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne). Die neuen Vereinbarungen "spiegeln fast vollständig das wider, was sich die Freien Demokraten schon bei der ersten Version des GEG gewünscht hätten".

Die Koalition hatte am Dienstag nach monatelangem Kräftemessen ihren Streit um das Heizungsgesetz beigelegt. Das ursprünglich vorgesehene Verbot des Einbaus von Öl- und Gasheizungen ab 1. Januar 2024 ist damit vom Tisch, die Einigung sieht jahrelange Übergangsfristen für Bestandsbauten vor. Das Gesetz soll nun schnell verabschiedet werden.

F.M.Ferrentino--PV

Empfohlen

Referendum in Island: Gegner von EU-Beitrittsverhandlungen kurz vor Auszählungsende vorne

Beim Referendum in Island über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union liegen die Gegner kurz vor dem Ende der Auszählungen vorne. Sie lagen am Sonntag laut Online-Auszählung mit 51,8 Prozent vor den Befürwortern, die auf 48,2 Prozent kamen. Es standen nur noch einige Stimmen aus zwei von Islands sechs Wahlkreisen aus.

Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder

Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.

Referendum in Island über EU-Beitrittsverhandlungen beendet

In Island ist das Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beendet. Die Wahllokale in dem Inselstaat im Nordatlantik schlossen in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht. Bis das Ergebnis vorliegt könnten mehrere Stunden vergehen, es wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

Ehemaliger Trump-Unterstützer aus den USA abgeschoben

Die USA haben den ehemaligen Trump-Unterstützer und Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos in sein Heimatland Großbritannien abgeschoben. Der 41-Jährige sei ausgewiesen worden, teilte die US-Regierung am Samstag in Washington mit. Yiannopoulos hatte US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit unterstützt, sich später aber gegen den Rechtspopulisten gewandt. Bis heute verteidigt er allerdings dessen rigorose Abschiebepolitik gegen Migranten.

Textgröße ändern: