Pallade Veneta - Marinus van der Lubbe tatsächlich auf Leipziger Südfriedhof beigesetzt

Marinus van der Lubbe tatsächlich auf Leipziger Südfriedhof beigesetzt


Marinus van der Lubbe tatsächlich auf Leipziger Südfriedhof beigesetzt
Marinus van der Lubbe tatsächlich auf Leipziger Südfriedhof beigesetzt / Foto: MARCEL ANTONISSE - ANP/AFP/Archiv

Im Grab des von den Nazis als mutmaßlicher Verursacher des Reichstagsbrands von 1933 hingerichteten Marinus van der Lubbe auf dem Leipziger Südfriedhof befinden sich tatsächlich dessen sterbliche Überreste. Das teilte die Stadt Leipzig am Mittwoch unter Berufung auf das Ergebnis eines DNA-Abgleichs mit. Die forensische Untersuchung schafft in dieser Frage demnach nun eindeutige Sicherheit.

Textgröße ändern:

Initiiert worden waren die Analysen gemeinsam von der Stadt Leipzig und der örtlichen Paul-Bennhof-Gesellschaft, die sich dem Erhalt und der Pflege von historischen Gräbern verschrieben hat. Spezialisten hatten das van der Lubbe zugeschriebene fast 90 Jahre altes Grab vor rund einem halben Jahr geöffnet und Proben genommen. Deren DNA-Profil wurde mit dem eines Enkels des Bruders van der Lubbes abgeglichen, wobei es eine vollständige Übereinstimmung gab.

Keine Belege fanden die Experten demnach für die von Zeitzeugen und in der späteren Wissenschaft immer wieder diskutierte These, ob van der Lubbe bei seinem mit dem Todesurteil endenden Prozesses unter Drogen gesetzt worden war. Diese entstand, weil er während der Verhandlungen auffällig apathisch wirkte. In den Proben fanden sich bei toxikologischen Untersuchungen nach Angaben der Leipziger Stadtverwaltung keine Hinweise auf Arzneimittelrückstände.

Allerdings schließt dieses Ergebnis eine Verabreichung von Medikamenten oder Drogen auch nicht aus, weil ein wissenschaftlicher Nachweis dem abschließenden Gutachten zufolge wegen der langen Zeitspanne seit van der Lubbes Tod kaum zu erbringen ist. Zersetzungsprozesse seien "hochgradig wahrscheinlich" und verhinderten, dass die Frage eindeutig bejaht oder verneint werden könne.

Der Brand des Berliner Reichstags vom 27. Februar 1933 und das Schicksal des angeblichen Brandstifters van der Lubbe sind historisch von großer Bedeutung, weil das Geschehen eine wichtige Rolle bei der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur spielte. Der aus den Niederlanden stammende und in linken politischen Gruppierungen der Arbeiterbewegung gegen die Nazis aktive van der Lubbe wurde damals in dem brennenden Gebäude festgenommen.

Die Nationalsozialisten, welche die Macht in Deutschland zum damaligen Zeitpunkt noch nicht vollständig übernommen hatten, stellten den Brand als Beweis für eine staatsgefährdende kommunistische Verschwörung dar. Sie nutzten ihn für Festnahmen politischer Gegner und weitreichende Grundrechtseinschränkungen.

Van der Lubbe wurde später vor dem Leipziger Reichsgericht angeklagt und im Dezember 1933 wegen Hochverrats und Brandstiftung zum Tod verurteilt. Er wurde am 10. Januar 1934 hingerichtet und danach anonym in einem Grab auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt. Das Todesurteil gegen van der Lubbe wurde 2008 von der deutschen Justiz "von Amts wegen" aufgehoben, weil es sich um eine Entscheidung auf Basis nationalsozialistischen Unrechts handelte.

Bis heute ist umstritten, ob van der Lubbe den Brand im Reichstag wirklich allein legte. Es gibt unter Historikern die These, dass er die Tat gestand, um anderen Mitglieder der Arbeiterbewegung zu schützen. Es gibt auch die Theorie, dass er lediglich ein von den Nazis präsentierter Sündenbock war, während das Feuer tatsächlich von diesen gelegt und inszeniert worden war.

A.Tucciarone--PV

Empfohlen

Referendum in Island: Gegner von EU-Beitrittsverhandlungen kurz vor Auszählungsende vorne

Beim Referendum in Island über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union liegen die Gegner kurz vor dem Ende der Auszählungen vorne. Sie lagen am Sonntag laut Online-Auszählung mit 51,8 Prozent vor den Befürwortern, die auf 48,2 Prozent kamen. Es standen nur noch einige Stimmen aus zwei von Islands sechs Wahlkreisen aus.

Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder

Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.

Referendum in Island über EU-Beitrittsverhandlungen beendet

In Island ist das Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beendet. Die Wahllokale in dem Inselstaat im Nordatlantik schlossen in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht. Bis das Ergebnis vorliegt könnten mehrere Stunden vergehen, es wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

Ehemaliger Trump-Unterstützer aus den USA abgeschoben

Die USA haben den ehemaligen Trump-Unterstützer und Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos in sein Heimatland Großbritannien abgeschoben. Der 41-Jährige sei ausgewiesen worden, teilte die US-Regierung am Samstag in Washington mit. Yiannopoulos hatte US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit unterstützt, sich später aber gegen den Rechtspopulisten gewandt. Bis heute verteidigt er allerdings dessen rigorose Abschiebepolitik gegen Migranten.

Textgröße ändern: