Pallade Veneta - Wirtschaftliche Krise der Kliniken verschärft sich wieder

Wirtschaftliche Krise der Kliniken verschärft sich wieder


Wirtschaftliche Krise der Kliniken verschärft sich wieder
Wirtschaftliche Krise der Kliniken verschärft sich wieder / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich wieder verschlechtert. 32 Prozent der Kliniken schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, elf Prozent lagen sogar im "roten Bereich" mit erhöhter Insolvenzgefahr: Zu diesem Befund kommt der am Donnerstag vorgelegte Krankenhaus Report des RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2021. Als Grund für die schlechtere wirtschaftliche Lage der Kliniken wurde vor allem der Rückgang der Ausgleichszahlungen im Rahmen der Corona-Pandemie genannt.

Textgröße ändern:

Im Krankenhaus Report des Vorjahres lag der Anteil der Krankenhäuser mit Jahresverlust bei 22 Prozent, bei sieben Prozent der Kliniken bestand damals erhöhte Insolvenzgefahr. Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser habe sich im Jahr 2021 "wieder verschlechtert", erklärte RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. "Die geplante große Krankenhausreform ist ein notwendiger Schritt, um das deutsche Gesundheitswesen effizienter und damit zukunftsfähig zu machen."

Regional weist die wirtschaftliche Situation der Kliniken erhebliche Unterschiede auf: "Signifikant besser fällt das Rating in Ost-Deutschland aus, am schlechtesten in Bayern und Baden-Württemberg", heißt es in dem Bericht.

Für das Jahr 2022 und das aktuelle Jahr liegen dem Institut noch keine Daten vor. Allerdings erarbeiteten die Expertinnen und Experten anhand der aktuellen Trend eine Projektion, die eine weitere Verschärfung der Lage für die kommenden Jahre erwarten lässt.

Demnach würde der Anteil der insolvenzgefährdeten Kliniken im Jahr 2023 auf 18 Prozent und bis 2030 auf 44 Prozent steigen. Der Anteil der Krankenhäuser mit einem Jahresverlust würde 2023 auf 47 und bis 2030 auf 58 Prozent wachsen. "Daraus würde ein enormer Anpassungsdruck entstehen", resümieren die Fachleute. Das deutsche Gesundheitswesen stehe "vor großen Herausforderungen, für die es aktuell nicht gerüstet ist".

Der Krankenhaus Report weist zudem auf absehbar wachsende Schwierigkeiten bei der Personalausstattung hin. In den kommenden Jahren werde das Arbeitskräftepotenzial "stark sinken", weil besonders geburtenschwache Jahrgänge in den Arbeitsmarkt einträten. "Der daraus resultierenden Knappheit von Fachkräften kann mit qualifizierter Zuwanderung nur bedingt entgegengewirkt werden", heißt es in dem Bericht.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit einer Krankenhausreform die Finanzierung der Kliniken langfristig umstellen. Sie sollen nicht mehr nur pro Fall bezahlt werden; 60 Prozent der Kosten sollen Krankenhäuser stattdessen künftig allein schon dafür erhalten, dass sie Technik und Personal vorhalten. Geplant sind zudem bundeseinheitliche Krankenhaus-Levels, mit der das Leistungsniveau von Kliniken transparenter werden soll.

Dennoch rechnet der Minister mit einer Pleitewelle deutscher Kliniken. "Wir stehen wirklich am Vorabend eines Krankenhaussterbens", sagte Lauterbach kürzlich der Wochenzeitung "Die Zeit". "Es werden leider auch Kliniken sterben, die gar nicht mal schlecht sind."

C.Grillo--PV

Empfohlen

Referendum in Island: Gegner von EU-Beitrittsverhandlungen kurz vor Auszählungsende vorne

Beim Referendum in Island über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union liegen die Gegner kurz vor dem Ende der Auszählungen vorne. Sie lagen am Sonntag laut Online-Auszählung mit 51,8 Prozent vor den Befürwortern, die auf 48,2 Prozent kamen. Es standen nur noch einige Stimmen aus zwei von Islands sechs Wahlkreisen aus.

Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder

Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.

Referendum in Island über EU-Beitrittsverhandlungen beendet

In Island ist das Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beendet. Die Wahllokale in dem Inselstaat im Nordatlantik schlossen in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht. Bis das Ergebnis vorliegt könnten mehrere Stunden vergehen, es wurde mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet.

Ehemaliger Trump-Unterstützer aus den USA abgeschoben

Die USA haben den ehemaligen Trump-Unterstützer und Rechtsaußen-Kommentator Milo Yiannopoulos in sein Heimatland Großbritannien abgeschoben. Der 41-Jährige sei ausgewiesen worden, teilte die US-Regierung am Samstag in Washington mit. Yiannopoulos hatte US-Präsident Donald Trump in dessen erster Amtszeit unterstützt, sich später aber gegen den Rechtspopulisten gewandt. Bis heute verteidigt er allerdings dessen rigorose Abschiebepolitik gegen Migranten.

Textgröße ändern: