Pallade Veneta - Londoner Gericht erklärt geplante Abschiebungen nach Ruanda für rechtswidrig

Londoner Gericht erklärt geplante Abschiebungen nach Ruanda für rechtswidrig


Londoner Gericht erklärt geplante Abschiebungen nach Ruanda für rechtswidrig
Londoner Gericht erklärt geplante Abschiebungen nach Ruanda für rechtswidrig / Foto: JUSTIN TALLIS - AFP/Archiv

Ein Gericht in London hat die Pläne der Regierung zur Abschiebung von illegal nach Großbritannien eingereisten Flüchtlingen nach Ruanda für rechtswidrig erklärt. Drei Richter des Berufungsgerichts begründeten ihre am Donnerstag verkündete Entscheidung damit, dass das ostafrikanische Land kein sicherer Drittstaat sei. Die Abschiebung von Asylbewerbern nach Ruanda sei rechtswidrig, solange die Mängel im Asylsystem des Landes nicht behoben würden.

Textgröße ändern:

Die Richter folgten damit der Argumentation von Flüchtlingen und Aktivisten, welche die Regierungspläne angefochten hatten. Die Kläger machten unter anderem geltend, dass die britische Regierung nicht garantieren könne, dass nach Ruanda geschickte Asylbewerber nicht in das Land abgeschoben werden, aus dem sie geflohen waren.

Auch die Richter erklärten nun, die Mängel des Asylsystems in Ruanda seien so groß, dass es stichhaltige Gründe "für die Annahme eines realen Risikos gibt", dass die Flüchtlinge aus Ruanda in "ihre Heimatländer zurückgeschickt würden, wo ihnen "Verfolgung oder andere unmenschliche Behandlung" drohe. Eine Abschiebung nach Ruanda stelle somit einen Verstoß gegen die Europäischen Menschenrechtskonvention dar.

Premierminister Rishi Sunak kündigte nach der Entscheidung des Berufungsgerichts an, dass seine Regierung nun vor den Obersten Gerichtshof des Landes ziehen wolle. "Ruanda ist ein sicheres Land. Wir werden nun die Erlaubnis beantragen, gegen diese Entscheidung beim Obersten Gerichtshof Berufung einzulegen", sagte er.

Die ruandische Regierung betonte indes, dass sie weiterhin aus Großbritannien abgeschobene Asylbewerber aufnehmen wolle. Regierungssprecherin Yolande Makolo wies den Vorwurf zurück, dass Ruanda kein sicheres Land für Asylsuchende sei.

Ruanda sei "eines der sichersten Länder der Welt" und vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) für seine "vorbildhafte Behandlung von Flüchtlingen" anerkannt worden, sagte Makolo der Nachrichtenagentur AFP. In Ruanda sei ein "sicheres, geschütztes und menschenwürdiges Umfeld geschaffen worden, in dem Migranten und Flüchtlinge die gleichen Rechte und Chancen haben wie Ruander".

Unter dem früheren Premierminister Boris Johnson hatte Großbritannien ein Abkommen mit Ruanda geschlossen, um Asylsuchende dorthin auszufliegen. Dies sollte Menschen davon abschrecken, die Überfahrt über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu unternehmen.

Die Umsetzung des Vorhabens war bisher jedoch gescheitert. So wurde ein für Juni 2022 geplanter Flug mit Flüchtlingen in das ostafrikanische Land nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kurzfristig gestrichen. Derzeit ist das Vorhaben weiterhin von der britischen Justiz blockiert.

Die britische Regierung steht durch eine Rekordzahl von über den Ärmelkanal einreisenden Migranten unter Druck. Allein im vergangenen Jahr waren fast 45.000 Migranten illegal über den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien gelangt.

E.Magrini--PV

Empfohlen

IAEA: Akw Saporischschja seit mehr als einer Woche ohne externe Stromversorgung

Das russisch besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seit mehr als einer Woche von der externen Stromversorgung abgeschnitten. Die Anlage werde derzeit mit Notstrom-Dieselgeneratoren versorgt, erklärte die Organisation am Samstag. Der vorhandene Dieselvorrat reiche für etwa zehn Tage.

Norwegen trauert um Harald V. - neuer König Haakon VIII. hält Rede an die Nation

Einen Tag nach dem Tod von König Harald V. hat sich Norwegens neuer König Haakon VIII. erstmals in einer Rede an die Nation gewandt. Sein Vater habe die Familie stets daran erinnert, dass jeder seinen eigenen Weg finden müsse, sagte der 53-Jährige am Samstag und fügte an: "Jetzt bin ich an der Reihe." Im ganzen Land trauerten unterdessen zahlreiche Menschen um Harald, mehr als 20.000 hatten bereits am Freitag vor dem Königspalast in Oslo Abschied genommen.

Norwegens neuer König Haakon VIII. würdigt verstorbenen Vater in erster Rede

Norwegens neuer König Haakon VIII. hat sich erstmals seit dem Tod seines Vaters am Freitag an sein Volk gewandt. Der verstorbene König Harald V. sei "seinen Werten und seinen Pflichten immer treu geblieben", sagte Haakon am Samstag in seiner im Fernsehen übertragenen Ansprache. Es spende "Trost und Kraft, dass so viele gemeinsam mit uns trauern", fügte der 53-Jährige hinzu.

Kinderärztin wirft Merz in Bürgergespräch schädliche Politik vor

In der Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ hat die Kinderärztin Bea Merscher den Bundeskanzler scharf kritisiert. Merz wies den Vorwurf eines Bruchs seines Amtseids als persönliche Abwertung zurück.

Textgröße ändern: