Pallade Veneta - EU-Gipfel endet ohne Lösung im Asylstreit

EU-Gipfel endet ohne Lösung im Asylstreit


EU-Gipfel endet ohne Lösung im Asylstreit
EU-Gipfel endet ohne Lösung im Asylstreit / Foto: Ludovic MARIN - AFP

Am Ende stand es 25 gegen zwei: Am Widerstand Polens und Ungarns ist beim EU-Gipfel in Brüssel ein Konsens über die künftige Asylpolitik gescheitert. EU-Ratspräsident Charles Michel stellte am Freitag nach zähen Beratungen fest, es gebe "keine Einheit" unter den 27 Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die geplante Umverteilung von Flüchtlingen und die auch in Deutschland umstrittenen Grenzverfahren "bald Praxis" werden.

Textgröße ändern:

Die Regierungen in Warschau und Budapest wehrten sich bei dem zweitägigen Gipfel erbittert gegen den Asylkompromiss der EU-Innenminister von Anfang Juni, bei dem sie gemäß der geltenden EU-Regeln überstimmt wurden. Danach sollen Mitgliedsländer 20.000 Euro für jeden Geflüchteten zahlen, den sie nicht von Ankunftsländern wie Italien oder Griechenland übernehmen.

Statt einer gemeinsamen Abschlusserklärung zur Migration veröffentlichte Ratspräsident Michel deshalb einen Text, der von allen 25 Ländern außer Polen und Ungarn unterstützt wird. Darin bekundet die große Mehrheit der Länder, die Arbeit in allen Bereichen der Migrationspolitik fortsetzen zu wollen. Distanziert äußern sich die 25 darin zu der Forderung Ungarns und Polens, "dass die Umsiedlung und Neuansiedlung von Geflüchteten auf freiwilliger Basis erfolgen sollte".

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte bei dem Gipfel, seine nationalkonservative Regierung wolle keine Verhältnisse wie in den Pariser Vorstädten. "Jeder kann sehen, welche Risiken es gibt, wenn eine Welle illegaler Migranten nach der anderen in ein Land kommt", sagte er unter Anspielung auf die jüngsten Ausschreitungen in Frankreich. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron musste den Gipfel wegen einer Pariser Krisensitzung vorzeitig verlassen, wie der Elysée-Palast bestätigte.

Der belgische Regierungschef Alexander De Croo bedauerte das Scheitern der gemeinsamen Migrationserklärung. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir bereits getroffene Entscheidungen wieder zurücknehmen", betonte der luxemburgische Ministerpräsident Xavier Bettel in Brüssel. "Der Asylpakt steht", betonte auch der Niederländer Mark Rutte.

Bevor die neuen Asylregeln in Kraft treten können, müssen sich die EU-Staaten mit dem Europaparlament noch auf einen Gesetzestext einigen, was vor der Europawahl in knapp einem Jahr ohnehin als schwierig gilt. In Deutschland gibt es teils scharfe Kritik an den geplanten Schnellverfahren für Migranten an den EU-Außengrenzen, vor allem aus den Reihen der Grünen.

Daneben gab es bei dem Gipfel eine Grundsatzeinigung auf eine Methode, eingefrorene russische Vermögenswerte für die Ukraine zu nutzen. "Wir halten es für gerecht, einen Teil des Geldes zu nutzen, um in die Zukunft der Ukraine zu investieren", sagte EU-Ratspräsident Michel. Im Gespräch ist eine Sondersteuer auf die Zinsgewinne aus den russischen Vermögenswerten. Nach belgischen Angaben könnten so drei Milliarden Euro pro Jahr für den Wiederaufbau der Ukraine genutzt werden.

Die Staats- und Regierungschefs beauftragten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Einzelheiten auszuarbeiten. Scholz äußerte sich zurückhaltend und nannte das Vorhaben "furchtbar kompliziert".

Am Donnerstag hatten die EU-Staaten der Ukraine nach einer Videokonferenz mit Präsident Wolodymyr Selenskyj weitere Militär- und Finanzhilfe in Aussicht gestellt, ohne diese zu konkretisieren.

Eigentlich sollten am zweiten Gipfeltag die Beziehungen der EU zu China im Mittelpunkt stehen. Zu China bekräftigten die Mitgliedsländer nun lediglich, sie wollten sich weniger abhängig machen. "Die EU will sich aber nicht abkoppeln oder nach innen wenden", betonten sie in ihrer gemeinsamen Erklärung.

A.dCosmo--PV

Empfohlen

Proteste erwartet: Frankreichs Rechtspopulisten treffen sich zu Parteitag in Orléans

Frankreichs Rechtspopulisten kommen am Wochenende zu einem Parteitag in Orléans zusammen. Der Chef des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, stellt sich am Samstag ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl. Am Sonntag steht eine Rede von RN-Fraktionschefin Marine Le Pen auf dem Programm. Mit dem Auftritt vor rund 10.000 Anhängern will sie offiziell ihren Präsidentschaftswahlkampf eröffnen. Sechs Monate vor der Wahl liegt Le Pan in Umfragen derzeit weit vorn.

Eine Woche nach Ausschreitungen: Neue landesweite Proteste in Frankreich

Eine Woche nach den gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich finden am Samstag neue landesweite Proteste statt. Nach Angaben des Innenministeriums werden rund 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Für die Demonstrationen gelten strenge Auflagen, in Paris wurde nur ein Protestmarsch genehmigt, dessen Route verkürzt wurde. Die Behörden in Lyon haben Demonstrationen im Stadtzentrum untersagt. In Marseille darf nur eine Gewerkschaftskundgebung stattfinden.

Betrug mit Kryptowährung: Verfahren gegen Argentiniens Staatschef Milei eingestellt

In Argentinien ist das Strafverfahren gegen Präsident Javier Milei und seine Schwester im Zusammenhang mit einem groß angelegten Kryptowährungsbetrug eingestellt worden. "Die gemeldeten Ereignisse stellen keine Straftat dar", entschied der Richter Marcelo Martínez de Giorgi in einem Urteil, das von der Nachrichtenagentur AFP am Freitag eingesehen wurde.

CDU-Außenpolitiker: "Trump steht aktuell auf der Seite Russlands"

US-Präsident Donald Trump hat sich im Ukraine-Krieg nach Ansicht des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen auf die Seite des russischen Staatschefs Wladimir Putin gestellt. Trump wolle "den Konflikt mit einem Deal beenden, für den er zu weitgehenden Konzessionen bereit ist", sagte der Vizevorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstagsausgabe).

Textgröße ändern: