Pallade Veneta - Breite Kritik an Unionsvorstoß zur Abschaffung des Individualrechts auf Asyl

Breite Kritik an Unionsvorstoß zur Abschaffung des Individualrechts auf Asyl


Breite Kritik an Unionsvorstoß zur Abschaffung des Individualrechts auf Asyl
Breite Kritik an Unionsvorstoß zur Abschaffung des Individualrechts auf Asyl / Foto: Costas METAXAKIS - AFP/Archiv

Ein Vorstoß aus der Union zur Abschaffung des Individualrechts auf Asyl in der EU ist auf breite Kritik gestoßen. Vertreter der Ampel-Koalition, der Linkspartei und die Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl lehnten die Pläne am Dienstag kategorisch ab.

Textgröße ändern:

Unionsfraktionsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) hatte in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe) statt des Individualrechts auf Asyl eine "Institutsgarantie" gefordert. Eine Antragstellung auf europäischem Boden wäre demnach dann nicht mehr möglich und der Bezug von Sozialleistungen "umfassend ausgeschlossen". Frei schlug vor, stattdessen könne die EU pro Jahr ein Kontingent von 300.000 bis 400.000 Schutzbedürftigen direkt aus dem Ausland aufnehmen.

Frei begründete den Vorstoß mit der geltenden Voraussetzung, dass Asyl auf europäischem Boden beantragt werden muss. Dies führe zu einer Praxis, die "zutiefst inhuman" sei, schrieb er. Denn von ihr profitierten die Starken, die es nach Europa schafften. "Wer zu alt, zu schwach, zu arm oder zu krank ist, ist chancenlos." Frauen und Kinder seien damit "oft faktisch ausgeschlossen".

Mit der Institutsgarantie könne Europa dagegen "sehr genau dort helfen, wo Staaten durch große Flüchtlingsströme destabilisiert werden", schrieb Frei. Zudem könnten Sicherheitsrisiken minimiert und Chancen für Integration maximiert werden.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU) unterstützte den Vorstoß. Er sei "ein wichtiger Beitrag", schrieb er auf Twitter. "Wir müssen neu denken. Seit Jahren gelingt es nicht, irreguläre Migration zu begrenzen".

Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), bezeichnete die Pläne hingegen als "brandgefährlich". "Bisher wurde die Forderung nach Abschaffung des Rechts auf Asyl in der Bundesrepublik nur von Rechtsextremen vertreten“, sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwochausgabe). Freis Vorstoß mache solch radikale Positionen salonfähig und nutze nur der AfD.

Auch FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai wies den Vorschlag zurück. "Nach ihrer katastrophalen Flüchtlingspolitik von 2015 ist die CDU derzeit offenbar auf der Suche nach einem Kurs in der Migrationsdebatte", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Liberale forderte die CDU auf, stattdessen die laufende Reform des gemeinsamen europäischen Asylsystems "mit Ernsthaftigkeit" zu unterstützen.

"Der Vorschlag von Thorsten Frei ist realitätsfremd und geht ins Leere", erklärte der stellvertretenden Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese. "Wer sollte in Bürgerkriegsländern unter welchen Bedingung über das Kontingent entscheiden? Zudem macht sich nicht ein Mensch weniger auf den Weg, der sich in einer Notlage befindet."

Frei lege "die Axt an den internationalen Flüchtlings- und Menschenrechtsschutz", sagte Pro-Asyl-Sprecher Karl Kopp der Nachrichtenagentur AFP. Derartige "Ausstiegskonzepte aus dem bestehenden Völkerrecht" sendeten "ein fatales Signal in die Welt". Es sei "bitter, dass die Union damit die Positionen der Rechtsextremen und Europafeinde übernimmt."

Die Vorstellung Freis, durch die vorgeschlagenen Änderungen das Leid und das Sterben an den EU-Außengrenzen beenden zu können, sei "realitätsfern und verlogen", sagte Kopp. Menschen würden immer fliehen, "wenn ihr Leben von Bomben, Todesstrafe oder Folter bedroht ist". Im Zweifel würden sie sich dann "nur auf noch gefährlichere Routen" begeben.

Die Genfer Flüchtlingskonvention mit dem Individualrecht auf Asyl sei "eine direkte Folge aus dem Versagen der internationalen Staatengemeinschaft angesichts der Verbrechen im Nationalsozialismus und der Shoah" gewesen, erklärte die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger. Freis Vorstoß sei "geschichtsvergessen" und offenbare, "wie weit seine Partei sich nach rechts bewegt hat."

I.Saccomanno--PV

Empfohlen

CDU-Außenpolitiker: "Trump steht aktuell auf der Seite Russlands"

US-Präsident Donald Trump hat sich im Ukraine-Krieg nach Ansicht des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen auf die Seite des russischen Staatschefs Wladimir Putin gestellt. Trump wolle "den Konflikt mit einem Deal beenden, für den er zu weitgehenden Konzessionen bereit ist", sagte der Vizevorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstagsausgabe).

USA und Russland kündigen Waffenruhe für Oleschky in der Ukraine an

Für die von Russland besetzte Stadt Oleschky im Süden der Ukraine ist eine befristete Waffenruhe angekündigt worden. Russland und die Ukraine hätten sich auf eine vorübergehende Einstellung der Kämpfe geeinigt, um Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten zu ermöglichen, erklärte das Weiße Haus am Freitag. Moskau bestätigte die geplante Feuerpause. Die ukrainische Armee sagte ihre Unterstützung für eine humanitäre Mission zu.

Treffen in Istanbul: Außenminister fordern Deeskalation im Iran-Krieg und Hormus-Öffnung

Bei einem Treffen in Istanbul haben Außenminister aus acht Ländern für eine diplomatische Lösung der Konflikte in der Golfregion geworben und die Öffnung der Straße von Hormus gefordert. Es herrsche Einigkeit, "dass Diplomatie und Dialog der einzige Weg nach vorn sind", sagte der türkische Außenminister Hakan Fidan zum Abschluss der Beratungen am Freitag. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) forderte den Iran und die Huthi-Miliz auf, ihre Angriffe auf die internationale Schifffahrt einzustellen.

Sieben Tote bei Anschlag auf Kirche in Jordanien - König droht mit Vergeltung

Bewaffnete Männer haben bei einem Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche im Süden Jordaniens mindestens sieben Menschen getötet und 34 weitere verletzt. Die Angreifer eröffneten am Freitag während eines Trauerzugs in der Ortschaft Hammud in der Provinz Karak das Feuer, wie die Behörden mitteilten. Jordaniens Innenminister Mazen al-Faraya sprach von einem "Terroranschlag einer Gruppe von Extremisten".

Textgröße ändern: