Pallade Veneta - Kein Konsens zu Ukraine-Krieg bei EU-Lateinamerika-Gipfel

Kein Konsens zu Ukraine-Krieg bei EU-Lateinamerika-Gipfel


Kein Konsens zu Ukraine-Krieg bei EU-Lateinamerika-Gipfel
Kein Konsens zu Ukraine-Krieg bei EU-Lateinamerika-Gipfel / Foto: Jean-Christophe VERHAEGEN - AFP

Der EU-Lateinamerika-Gipfel ist ohne gemeinsame Ächtung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zu Ende gegangen. Das mit Russland verbündete Nicaragua verhinderte einen Text aller 60 versammelten Länder, wie Teilnehmer des Brüsseler Treffens am Dienstag berichteten. Auch der ursprünglich erhoffte Durchbruch für das Freihandelsabkommen mit Mercosur-Staaten wie Brasilien und Argentinien blieb aus.

Textgröße ändern:

In Brüssel kamen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder erstmals seit acht Jahren mit den 33 Staaten der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) zusammen. Sie verabschiedeten zum Abschluss eine Erklärung, in der 59 Länder ohne Nicaragua ihre "tiefe Besorgnis über den anhaltenden Krieg gegen die Ukraine zum Ausdruck" bringen. Weder Russland noch sein Angriff werden in dem Dokument ausdrücklich erwähnt.

Nicaragua unterhält unter dem autoritär regierenden Präsidenten Daniel Ortega enge Beziehungen zu Russland. Diplomaten zufolge hatten sich anfangs auch die sozialistisch regierten Länder Kuba und Venezuela gegen die gemeinsame Gipfelerklärung gestemmt.

Der Text sei dennoch "ein großer Fortschritt", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach den Beratungen. Die internationale Bewertung Russlands verschiebe sich gerade. "Russland zeigt allen, dass es ein imperiales Interesse hat", betonte der Kanzler.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lobte die "klare Sprache" zum Ukraine-Krieg, die "alle Länder außer Nicaragua" teilten. Der amtierende Celac-Präsident Ralph Gonsalves warnte davor, die Differenzen zwischen den lateinamerikanischen Ländern überzubewerten. "Man darf nicht immer alles dramatisieren", sagte der Regierungschef des kleinen Karibikstaats St. Vincent und die Grenadinen.

Der österreichische Kanzler Karl Nehammer lobte, auch die Geschichte der Sklaverei in Lateinamerika und der Karibik sei bei dem Gipfel "offen angesprochen worden". In der Gipfelerklärung der 59 Länder heißt es dazu: "Wir anerkennen und bedauern zutiefst das unsägliche Leid, das Millionen von Männern, Frauen und Kindern durch den transatlantischen Sklavenhandel zugefügt wurde." Die Sklaverei sei "eine entsetzliche Tragödie in der Geschichte der Menschheit".

Verhärtet blieben die Fronten mit Bezug auf das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte, er hoffe nun auf eine Einigung bis zum Jahresende. Scholz bekräftigte seine Einschätzung, dass die Verhandlungen durch den Gipfel "so viel Schwung gewonnen" hätten, dass "bald" ein Ergebnis möglich sei.

Die EU will mit den vier Ländern Südamerikas die größte Freihandelszone der Welt schaffen, worauf vor allem die deutsche Wirtschaft hofft. Frankreich, Österreich und andere Länder dringen aber auf strikte Umweltauflagen für südamerikanische Landwirte. Sie wollen ihre eigenen Bauern damit auch vor deutlich billigeren Produkten wie etwa Rindfleisch schützen.

Mit Chile unterzeichnete die EU am Rande des Gipfels eine Absichtserklärung für ein Rohstoffabkommen. Die Europäer erhoffen sich vor allem Zugang zu den umfangreichen Lithium-Vorkommen Chiles. Der Rohstoff wird für Batterien verwendet, etwa für Handys und Elektroautos. Die EU will sich mit solchen Abkommen unabhängiger von China machen.

E.M.Filippelli--PV

Empfohlen

CDU-Außenpolitiker: "Trump steht aktuell auf der Seite Russlands"

US-Präsident Donald Trump hat sich im Ukraine-Krieg nach Ansicht des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen auf die Seite des russischen Staatschefs Wladimir Putin gestellt. Trump wolle "den Konflikt mit einem Deal beenden, für den er zu weitgehenden Konzessionen bereit ist", sagte der Vizevorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstagsausgabe).

USA und Russland kündigen Waffenruhe für Oleschky in der Ukraine an

Für die von Russland besetzte Stadt Oleschky im Süden der Ukraine ist eine befristete Waffenruhe angekündigt worden. Russland und die Ukraine hätten sich auf eine vorübergehende Einstellung der Kämpfe geeinigt, um Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten zu ermöglichen, erklärte das Weiße Haus am Freitag. Moskau bestätigte die geplante Feuerpause. Die ukrainische Armee sagte ihre Unterstützung für eine humanitäre Mission zu.

Treffen in Istanbul: Außenminister fordern Deeskalation im Iran-Krieg und Hormus-Öffnung

Bei einem Treffen in Istanbul haben Außenminister aus acht Ländern für eine diplomatische Lösung der Konflikte in der Golfregion geworben und die Öffnung der Straße von Hormus gefordert. Es herrsche Einigkeit, "dass Diplomatie und Dialog der einzige Weg nach vorn sind", sagte der türkische Außenminister Hakan Fidan zum Abschluss der Beratungen am Freitag. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) forderte den Iran und die Huthi-Miliz auf, ihre Angriffe auf die internationale Schifffahrt einzustellen.

Sieben Tote bei Anschlag auf Kirche in Jordanien - König droht mit Vergeltung

Bewaffnete Männer haben bei einem Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche im Süden Jordaniens mindestens sieben Menschen getötet und 34 weitere verletzt. Die Angreifer eröffneten am Freitag während eines Trauerzugs in der Ortschaft Hammud in der Provinz Karak das Feuer, wie die Behörden mitteilten. Jordaniens Innenminister Mazen al-Faraya sprach von einem "Terroranschlag einer Gruppe von Extremisten".

Textgröße ändern: