Pallade Veneta - Großbritanniens Konservative verteidigen nur einen von drei Wahlkreisen

Großbritanniens Konservative verteidigen nur einen von drei Wahlkreisen


Großbritanniens Konservative verteidigen nur einen von drei Wahlkreisen
Großbritanniens Konservative verteidigen nur einen von drei Wahlkreisen / Foto: JUSTIN TALLIS - AFP

Großbritanniens konservative Tories haben den Wahlkreis des ehemaligen Premierministers Boris Johnson bei Nachwahlen zum Parlament knapp verteidigt - aber in zwei anderen Wahlkreisen herbe Niederlagen erlitten. Mit dem Sieg am Donnerstag in Johnsons Ex-Wahlkreis Uxbridge und South Ruislip bleibt seinem Nachfolger Rishi Sunak zumindest die Schmach erspart, als erster Regierungschef seit Jahrzehnten drei Parlamentssitze an einem Tag zu verlieren.

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Die Nachwahlen in den drei Wahlkreisen, die bisher fest in der Hand der Tories waren, galten als wichtiger Stimmungstest für die Konservativen. Die Tories sind seit 13 Jahren in Großbritannien an der Macht, haben aber nach diversen Skandalen und Führungswechseln deutlich an Zustimmung eingebüßt. In aktuellen Umfragen liegen sie mit großem Abstand hinter Labour.

"Nachwahlen in der Mitte der Legislaturperiode sind für eine amtierende Regierung immer schwierig, sie gewinnen sie nur selten", sagte Sunak am Freitag vor Reportern bei einem Besuch in Uxbridge and South Ruislip im Westen Londons. In Johnsons Ex-Wahlkreis gewannen die Tories mit lediglich 495 Stimmen Vorsprung vor der sozialdemokratischen Labour Party. Der konservative Kandidat Steven Tuckwell kam auf 13.965 Stimmen, Labour-Kandidat Danny Beales auf 13.470 Stimmen.

Wahlentscheidend in diesem Wahlkreis war mutmaßlich die umstrittene Ausweitung der Umweltzone auf den Großraum London und damit auch auf Uxbridge. Sie war vom Londoner Labour-Bürgermeister Sadiq Khan, einem Labour-Politiker, durchgesetzt worden.

Uxbridge and South Ruislip ist seit Jahrzehnten eine Hochburg der Tories von Johnson und Sunak. Johnson musste im vergangenen Sommer als Premierminister zurücktreten. Er stürzte unter anderem über den "Partygate"-Skandal um illegale Feiern in der Downing Street während des Corona-Lockdowns. Im Juni dieses Jahres kam ein Bericht zu dem Schluss, dass Johnson das Parlament in diesem Zusammenhang absichtlich belogen habe. Daraufhin legte er sein Mandat nieder und entging so demütigenden Sanktionen.

Den Wahlkreis Somerton and Frome im Südwesten Englands gewannen die Liberaldemokraten mit deutlichem Vorsprung. Ihre Kandidatin Sarah Dyke siegte mit 21.187 Stimmen. Der Tory-Abgeordnete David Warburton, der Kokainkonsum zugegeben hatte, kam nur auf 10.179 Stimmen. Vorher hatte seine Partei in dem Wahlkreis noch eine Mehrheit von 19.000 Stimmen. Dyke nannte ihren Sieg "überwältigend und historisch".

Im dritten Wahlkreis Selby and Ainsty im nordenglischen Yorkshire verloren die Konservativen ihre bisherige Mehrheit von 20.000 Stimmen. Dort hatte der Johnson-Verbündete Nigel Adams sein Mandat niedergelegt und somit eine Nachwahl erforderlich gemacht.

Der 25-jährige Labour-Kandidat Keir Mather gewann in diesem Wahlkreis mit 16.456 Stimmen, gegenüber 12.295 Stimmen für die Tories. Er verzeichnete damit einen der größten Umschwünge zugunsten der Labour-Partei in einer Nachwahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Selby and Ainsty hätten "Geschichte geschrieben", schrieb Labour-Chef Keir Starmer im Onlinedienst Twitter. "Dieses unglaubliche Ergebnis zeigt, wie stark die Nachfrage nach Veränderungen ist."

Sunak sagte, er nehme von den Nachwahlen die Botschaft mit, dass die Partei ihre Anstrengungen verdoppeln, "sich an ihren Plan halten und für die Menschen etwas erreichen" sowie das Vertrauen der Wähler für die nächste Wahl gewinnen müsse. Sollten sich der Trend aus den Nachwahlen fortsetzen, sehen die Tories einer Niederlage entgegen.

Sunaks Bemühungen um eine Trendwende wurden bislang durch die anhaltend hohe Inflation, Massenstreiks gegen das marode Gesundheitssystem und hohe Lebenshaltungskosten im Land behindert - zwei Drittel der Briten haben Umfragen zufolge eine negative Einstellung zum aktuellen Premierminister.

L.Bufalini--PV

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