Pallade Veneta - Geteiltes Echo auf Faesers Pläne für verschärfte Abschieberegeln

Geteiltes Echo auf Faesers Pläne für verschärfte Abschieberegeln


Geteiltes Echo auf Faesers Pläne für verschärfte Abschieberegeln
Geteiltes Echo auf Faesers Pläne für verschärfte Abschieberegeln / Foto: FETHI BELAID - AFP

Die Pläne von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) für verschärfte Abschieberegeln sind auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während der Deutsche Landkreistag die Vorschläge begrüßte, kam am Donnerstag Kritik aus der Opposition und von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Grünen warfen Faeser unterdessen vor, gegen Absprachen in der Ampel-Koalition zu verstoßen.

Textgröße ändern:

Das Bundesinnenministerium hatte am Mittwoch Vorschläge für wirksamere Abschiebungen veröffentlicht. Demnach sollen unter anderem der Ausreisegewahrsam von zehn auf 28 Tage verlängert und Verstöße gegen Einreise- und Aufenthaltsverbote ein eigenständiger Haftgrund werden. Diese und weitere Maßnahmen sollen nun mit Ländern und Kommunen diskutiert werden, bevor ein Gesetzgebungsverfahren eingeleitet wird.

"Wir begrüßen es, dass die Rückführungsoffensive nun Gestalt annimmt", sagte der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, der Nachrichtenagentur AFP. "Sinnvoll" sei auch, "dass die vorherige Ankündigung geplanter Rückführungen künftig weitgehend entfallen soll".

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) bezeichnete Faesers Vorschläge als "ersten Schritt". Dieser reiche alleine aber nicht aus, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Funke Mediengruppe. "Neben den begrüßenswerten Rechtsänderungen, die eine längere Abschiebehaft ermöglichen, braucht es dringend auch eine Beschleunigung der Gerichtsverfahren bei aufenthaltsrechtlichen Fragen."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) befürwortete Faesers Vorschlag. Er unterstütze das Vorhaben, "die verstärkte Rückführung ausreisepflichtiger Personen, insbesondere von Mehrfach- und Intensivstraftätern, endlich in Schwung zu bringen", sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Sven Hüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es liegt doch auf der Hand, dass konsequente Rückführungen zu weniger schweren Straftaten und damit zu weniger Leid und Schmerz führen."

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) bezeichnete Faesers Pläne hingegen als "nicht zielführend". "Der beste Schutz vor illegaler Migration ist eine wirksame Kontrolle an den Grenzen und eine bessere Ausstattung der Polizei" im Kampf gegen eine hohe Schleuserkriminalität, erklärte der Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt.

Die vorgesehenen Pläne seien "konkret, lösungsorientiert und basieren auf Erfahrungswerten", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese. Sie verschafften den Behörden "mehr Zeit, um Rückführungen vorzubereiten".

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lamya Kaddor, warf Faeser vor, aus politischen Motiven gegen Absprachen in der Ampel-Koalition zu verstoßen. Es sei "verwunderlich", dass Faeser trotz eines abgestimmten Verfahrens nun "restriktive Aspekte" vorziehen wolle, sagte sie den Funke-Medien. "Wir erwarten von der Bundesinnenministerin, dass sie Vereinbarungen einhält - unabhängig von ihrer Kandidatur." Faeser tritt als SPD-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Hessen im Oktober an.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann bezeichnete die Verlängerung der Abschiebehaft als grundsätzlich richtig. Die Union habe das schon lange angemahnt, sagte er dem Sender Welt. Er warf Faeser aber vor, zu langsam zu agieren. "Sie kündigt an, es wird nicht umgesetzt." Linnemann verwies darauf, dass der Flüchtlingsgipfel von Bund und Ländern schon im Mai entsprechende Schritte gefordert habe.

Die Pläne der Bundesregierung erfassten "nur kleinere Stellschrauben", erklärte der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Gottfried Curio. Er ändere nichts an der grundlegenden Problematik, dass nur ein Bruchteil ausreisepflichtiger Ausländer abgeschoben werde.

U.Paccione--PV

Empfohlen

"Marsch auf Washington": Hunderte demonstrieren gegen Wahlrechtseinschränkungen durch Trump

In der US-Hauptstadt Washington haben hunderte Menschen gegen Wahlrechts-Einschränkungen unter Präsident Donald Trump demonstriert. Zu der Kundgebung unter dem Motto "Defend the vote" (Verteidigt das Wahlrecht) hatten Bürgerrechtsaktivisten und Oppositionspolitiker aufgerufen. Der sogenannte "Marsch auf Washington" fand am 63. Jahrestag der Rede von Martin Luther King statt, in der er mit den Worten "I have a dream" (Ich habe einen Traum) Gleichstellung eingefordert hatte.

Ostsee-Anrainer vereinbaren gemeinsame Task Force gegen hybride Bedrohungen

Mit einer gemeinsamen Sicherheits-Taskforce wollen die Anrainerstaaten der Ostsee hybriden Bedrohungen besser entgegentreten. Derartige Bedrohungen hätten zuletzt deutlich zugenommen, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitagnachmittag nach einem Ministertreffen in Flensburg. "Die hybriden Aktivitäten, denen unsere Länder ausgesetzt sind, deuten auf eine weitere Eskalation hin", warnte er.

Linke-Spitzenkandidatinnen: Ostdeutscher Wahlkampf ist emotional geprägt

Im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern betonen die Spitzenkandidatinnen der Linken Partei die emotionale Dimension des Wahlkampfs. Eva von Angern kritisiert, dass die extreme Rechte mit Ängsten spiele, während sie gemeinsam mit Simone Oldenburg und Elif Eralp nach gemeinsamen Lösungen für strukturelle Probleme sucht.

Grüne fordern Pflanzung einer Million Bäume und mehr Hitzeschutz

Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise fordern die Grünen, den Schutz vor extremer Hitze stärker als bisher zur Priorität zu machen. "Wir wollen die Neupflanzung von mindestens einer Million zusätzlicher Straßenbäume in unseren Städten und Gemeinden bis 2030 aus Bundesmitteln finanzieren", heißt es in einem Beschluss des Bundesvorstands auf dessen Klausurtagung am Freitag in Berlin.

Textgröße ändern: