Pallade Veneta - Ermittlungen nach mutmaßlichem Tod von Wagner-Chef bei Flugzeugabsturz

Ermittlungen nach mutmaßlichem Tod von Wagner-Chef bei Flugzeugabsturz


Ermittlungen nach mutmaßlichem Tod von Wagner-Chef bei Flugzeugabsturz
Ermittlungen nach mutmaßlichem Tod von Wagner-Chef bei Flugzeugabsturz / Foto: Olga MALTSEVA - AFP

Nach dem mutmaßlichen Tod des Chefs der russischen Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, bei einem Flugzeugabsturz haben die russischen Behörden Ermittlungen aufgenommen. Das für schwere Straftaten zuständige Untersuchungskomitee erklärte am Donnerstag, wegen "Verstoßes gegen die Sicherheitsvorschriften im Luftverkehr" zu ermitteln. Das Komitee schickte demnach ein Ermittlerteam an die Absturzstelle. Unterdessen schienen selbst einflussreiche Kreml-Unterstützer zu vermuten, dass es sich um ein Attentat gehandelt haben könnte.

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Kreml-Chef Wladimir Putin und andere hochrangige russische Vertreter äußerten sich zunächst nicht öffentlich zu dem Flugzeugabsturz. US-Präsident Joe Biden sagte: "Ich weiß nicht genau, was passiert ist. (...) In Russland passiert nicht viel, hinter dem Putin nicht steht."

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte, es sei "kein Zufall, dass die ganze Welt auf den Kreml schaut". Zahlreiche Kritiker der russischen Führung wurden ermordet oder waren Ziel von Mordversuchen. Der Kreml hat eine Beteiligung stets zurückgewiesen.

Die Putin-Verbündete und Chefin des staatlichen Medienunternehmens RT, Margarita Simonjan, schien zu vermuten, dass es sich um ein Attentat gehandelt haben könnte. Zu Gerüchten im Internet, es könne ein Verschwinden Prigoschins "inszeniert" worden sein, sagte sie in Onlinemedien: "Aber ich persönlich neige zu der offensichtlicheren Variante."

Das Flugzeug war am frühen Mittwochabend in der russischen Region Twer abgestürzt. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums überlebte keiner der zehn Insassen. Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiatsija bestätigte, dass sich Prigoschin an Bord des Flugzeugs auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg befunden habe. Die Behörden gaben den Tod des Wagner-Chefs jedoch nicht formell bekannt, die Leichen seien noch nicht identifiziert worden.

Über die anderen Passagiere war zunächst nur wenig bekannt, russischen Medien zufolge waren die meisten Wagner-Söldner. Unter den mutmaßlichen Toten war den Angaben von Rosawiatsija zufolge auch Prigoschins rechte Hand, Dmitri Utkin. Von den Behörden hieß es, bei dem nahe des Dorfes Kuschenkino abgestürzten Flugzeug habe es sich um einen Privatjet vom Typ Embraer Legacy gehandelt.

Auf mehreren mit der Wagner-Gruppe in Verbindung stehenden Kanälen des Onlinedienstes Telegram wurden angebliche Videos des Absturzes verbreitet, deren Echtheit die Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht verifizieren konnte. Sie zeigten brennende Trümmer auf einem Feld oder ein vom Himmel fallendes Flugzeug.

Vor dem Wagner-Hauptquartier in St. Petersburg legten Menschen Blumen, Kerzen und Aufnäher mit dem Wagner-Logo nieder. "Es ist, als würde man einen Vater verlieren", sagte ein Mann.

In der Ukraine, wo Wagner-Truppen lange gekämpft hatten, herrschte hingegen Freude über den mutmaßlichen Tod Prigoschins. "Ich bin wirklich froh darüber, dass diese Person gestorben ist, wenn es stimmt", sagte eine Regierungsmitarbeiterin im Zentrum von Kiew. "Hoffen wir, dass es so ist."

Bis zu einer kurzzeitigen Rebellion vor zwei Monaten gegen die russische Armeeführung hatte die Wagner-Gruppe eine große Rolle für die russische Offensive in der Ukraine gespielt. Zugleich trat Prigoschins Konflikt mit den russischen Militärspitzen offen zutage.

Am 23. Juni besetzten Wagner-Söldner dann militärische Einrichtungen im Süden Russlands und marschierten anschließend in Richtung Moskau. Die Rebellion richtete sich gegen den russischen Generalstab und Verteidigungsminister Sergej Schoigu, denen Prigoschin Versagen im Ukraine-Konflikt vorwarf.

Den Aufstand blies Prigoschin zwar schon nach einem Tag ab. Mit der kurzzeitigen Rebellion hatte der Wagner-Chef jedoch die Autorität von Staatschef Putin in Frage gestellt. Ohne ihn namentlich zu nennen, brandmarkte Putin den Wagner-Chef damals als Verräter. Bis zu dem Aufstand hatte Prigoschin lange als enger Vertrauter Putins gegolten.

In den Wochen nach der Wagner-Rebellion war Prigoschins Schicksal ungewiss. Am vergangenen Montag tauchte er dann in einem von Wagner-nahen Gruppierungen verbreiteten Video auf. Darin berichtete er, sich in Afrika zu befinden. Die Wagner-Gruppe ist auch in mehreren afrikanischen Ländern aktiv.

A.Rispoli--PV

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