Pallade Veneta - Vor Haushaltsdebatte Kritik an Einschnitten im Sozialbereich

Vor Haushaltsdebatte Kritik an Einschnitten im Sozialbereich


Vor Haushaltsdebatte Kritik an Einschnitten im Sozialbereich
Vor Haushaltsdebatte Kritik an Einschnitten im Sozialbereich / Foto: INA FASSBENDER - AFP/Archiv

Vor der Haushaltsberatung ab Dienstag im Bundestag gibt es Kritik an geplanten Einschnitten im Sozialbereich. Der Etatentwurf müsse im parlamentarischen Verfahren grundlegend verändert werden, verlangte der Sozialverband Arbeiterwohlfahrt (AWO). Grundsätzliche Bereitschaft zu Korrekturen signalisierten die Grünen.

Textgröße ändern:

Wenn die Haushaltspläne nicht geändert würden, werde es im Sozialstaat wortwörtlich "zappenduster", warnte AWO-Präsident Michael Groß. Konkret kritisiert die Arbeiterwohlfahrt Kürzungen bei Freiwilligendiensten, wodurch 35.000 Plätze dort gefährdet seien. Zudem stehe wegen der Einschnitte "jede dritte Migrationsberatungsstelle vor dem Aus".

"Auch bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, der psychosozialen Betreuung von Geflüchteten und der Demokratieförderung an Schulen bedrohen die Kürzungen zahlreiche Angebote und Einrichtungen", kritisierte der Sozialverband. Groß warnte davor, verschiedene gesellschaftliche Ziele gegeneinander auszuspielen. Er mahnte stattdessen "Ideen zur Stärkung der staatlichen Einnahmen" an, entweder "durch eine gerechte Steuerpolitik oder eine Reform der Schuldenbremse".

Von einem "Kürzungshammer" sprach mit Blick auf den Etatentwurf Linken-Parteichef Martin Schirdewan. Er sagte in Berlin, die Ampel-Koalition lege durch ihre "grauenhafte Kürzungspolitik" die "Axt an sozialen Zusammenhalt und die Demokratie im Land". Der Linken-Parteichef forderte eine "Investitionswende" und eine Abkehr von der Schuldenbremse.

In die Krise hineinzusparen sei "in dieser Situation völlig falsch", sagte auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Lindners Haushaltsentwurf werde "die Schieflage im Land erhöhen" und gehe "zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger".

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann deutete mögliche Änderungen des Entwurfs an. In den Haushaltsberatungen im Parlament werde neben der ökologischen Modernisierung "auch das Soziale ganz zentral sein", sagte sie in Berlin. Es sei den Grünen "ein großes Anliegen, auch hier Akzente zu setzen als Koalition".

Sie kündigte "intensive inhaltliche Gespräche" in den Ausschüssen zu allen Einzelplänen an. Dabei gehe es auch um "die Stärkung der Demokratie". Um Spielräume zu vergrößern, werde "sicher auch die Frage umweltschädlicher Subventionen eine Rolle spielen".

Auf die bevorstehenden parlamentarischen Beratungen verwies auch SPD-Chefin Saskia Esken. Es werde in den Verhandlungen darum gehen "Innovationsbereitschaft zu stärken", aber auch "was wir uns gesellschaftlich vorgenommen haben, weiter voranzubringen", sagte sie, ohne auf Details der Etatplanung einzugehen.

Aus Ländern und Kommunen kamen Forderungen nach einer "fairen Lastenverteilung" bei dem von der Regierung geplanten Wachstumschancengesetz. Dieses sieht steuerliche Entlastungen für die Wirtschaft von gut sieben Milliarden Euro jährlich vor, von denen der Bund aber nur den kleineren Teil übernehmen würde.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) drohte deswegen in der "Welt" mit einem Nein im Bundesrat. Gegen Belastungen für die Kommunen wandte sich in der Mediengruppe Bayern der Deutsche Städtetag.

Der Etatentwurf von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sieht harte Einschnitte vor, um die Schuldenbremse trotz steigender Kosten in unterschiedlichen Bereichen einhalten zu können. Deutliche Kürzungen sind bei den staatlichen Zuschüssen für die gesetzlichen Sozialversicherungen vorgesehen. Auch dagegen gibt es Proteste von Seiten mehrerer Sozialverbände. Gewarnt wird vor steigenden Beiträgen und einer Verlagerung von Lasten in die Zukunft.

Die Haushaltsberatung im Bundestag beginnt am Dienstag mit der Einbringung des Entwurfs durch Lindner. Danach stehen bis Freitag die Einzelpläne der Ministerien zur Debatte. Am Mittwoch findet in Verbindung mit der Beratung des Etats des Kanzleramts die traditionelle Generaldebatte statt.

E.M.Filippelli--PV

Empfohlen

Frankreichs Präsidentschaftskandidaten streiten über Wirtschaftspolitik

Französischer Präsidentschaftswahlkampf auf dem Center Court: Im Pariser Tennis-Stadion Roland Garros haben am Donnerstag zwei Kandidatinnen und fünf Kandidaten über die Frage debattiert, wie Frankreich sich wirtschaftlich wieder erholen kann. Der 74 Jahre alte Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon bekräftigte seine Forderung, sowohl die Gehälter als auch den Mindestlohn zu erhöhen. "Anderenfalls geraten wir in eine Rezession", sagte Mélenchon während der vom französischen Unternehmerverband organisierten Debatte. "Sie werden sich noch wundern, wenn Sie den Wohlstand nicht gerechter verteilen", fügte er hinzu.

Trump: Russland "wird kein Nato-Gebiet angreifen"

US-Präsident Donald Trump hat Medienberichte über mögliche Angriffspläne auf Nato-Territorium zurückgewiesen. Er habe gute Gespräche mit Kreml-Chef Wladimir Putin geführt, sagte Trump am Donnerstag vor Journalisten im Weißen Haus. "Er wird kein Nato-Gebiet angreifen."

"Schlächter von Bosnien": Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist tot

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic ist tot. Der Kriegsverbrecher, der als "Schlächter von Bosnien" in die Geschichte einging, starb am Donnerstag nach jahrelanger Haft in einem Krankenhaus in Den Haag, wie der Rechtsnachfolger des Haager Tribunals mitteilte. Das Gericht hatte Mladic 2017 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Vor Wahl in Sachsen-Anhalt: Merz schließt Zusammenarbeit mit AfD kategorisch aus

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt hat Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz jede Zusammenarbeit seiner Partei mit der AfD mit deutlichen Worten ausgeschlossen. Die Positionen der AfD unterschieden sich "so fundamental" von denen der CDU, "dass es da keine Kompromisse gibt", sagte Merz am Donnerstag in der RTL-Sendung "Am Tisch mit Friedrich Merz". Die AfD sei eine Partei, die durch ihre Nähe zu Russland "auch die innere und äußere Sicherheit unseres Landes gefährdet".

Textgröße ändern: