Pallade Veneta - OECD: Schere bei Berufsbildung geht in Deutschland auseinander

OECD: Schere bei Berufsbildung geht in Deutschland auseinander


OECD: Schere bei Berufsbildung geht in Deutschland auseinander
OECD: Schere bei Berufsbildung geht in Deutschland auseinander / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

In Deutschland geht die Schere bei der beruflichen Bildung junger Erwachsener stärker auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Studie "Bildung auf einen Blick 2023" nahm dabei besonders die Lage der beruflichen Ausbildung in den Blick.

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Demnach nahm das Interesse an einer beruflichen Ausbildung hierzulande ab. Unter den 25- bis 34-Jährigen hatten 2022 rund 38 Prozent einen Abschluss im beruflichen Sekundarbereich II, also etwa an einem beruflichen Gymnasium. Ihr Anteil hatte 2015 noch bei 51 Prozent gelegen. Der Rückgang von 13 Prozentpunkten sei der größte unter allen OECD-Ländern, hieß es.

Gleichzeitig stehe Deutschland aber mit seinem System der dualen Berufsausbildung besonders gut da. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung waren demnach zwei Jahre nach Abschluss 94 Prozent der Absolventen erwerbstätig. Nur Island verzeichnete unter den OECD-Ländern eine höhere Quote.

Statt in die Ausbildung strebten junge Erwachsenen der Studie zufolge stärker in höhere Bildungsabschlüsse. Unter den 25- bis 34-Jährigen verfügten 2022 rund 37 Prozent über einen tertiären Abschluss - also einen akademischen Abschluss oder einen Meister-, Techniker- oder Fachschulabschluss. 2015 hatte der Anteil nur bei 30 Prozent gelegen.

Gleichzeitig stieg der Anteil derer, die gar keine abgeschlossene Ausbildung vorweisen konnten. Ihr Anteil bei den 25- bis 34-Jährigen kletterte zwischen 2015 und 2022 von 13 auf 16 Prozent. Damit überstieg der Anteil der jungen Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss den OECD-Durchschnitt um zwei Prozentpunkte. Dieser lag demnach bei 14 Prozent.

Eine Ursache sei, dass das Schulsystem hierzulande mit Blick auf Migration und Lehrkräftemangel einem "besonderen Druck" ausgesetzt ist, sagte Nicola Brandt, Leiterin des OECD Berlin Centre. Hier sei politisches Handeln nötig. Eine entsprechende Förderung müsse vor allem "in den jüngsten Jahren ansetzten, um zu verhindern, dass junge Leute zurückfallen".

Die Bildungsgewerkschaft GEW mahnte zusätzliche Mittel und Reformen für den Übergang der jungen Menschen von der Schule in die Ausbildung an. "Das Berufsbildungssystem steckt in der Krise, es ist strukturell unterfinanziert", erklärte GEW-Vorstand Ralf Becker.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sah Handlungsbedarf aufseiten des Bunds, um "wichtige Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag" auf den Weg zu bringen, wie die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack betonte. "Deutschland gibt nach wie vor zu wenig für Bildung aus" und liege mit einer Quote von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts "deutlich unter dem OECD-Durchschnitt".

In diesem Zusammenhang verwies der Parlamentarische Staatsekretär im Bundesbildungsministerium, Jens Brandenburg (FDP), auf das sogenannte Startchancen-Programm. "Damit wollen wir den großen Hebel ansetzen, um den noch immer starken Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft aufzubrechen." Mit dem Programm sollen 4000 Schulen in sozial benachteiligter Lage ab dem Schuljahr 2024/2025 gefördert werden.

Das Handwerk drang auf eine "Bildungswende". Die berufliche Bildung müsse bei der Berufsorientierung an Gymnasien stärker berücksichtigt werden, unterstrich Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Eine "zielgerichtete und ausgewogene Berufsorientierung" mahnte auch der Vizechef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Achim Dercks, an.

O.Merendino--PV

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