Pallade Veneta - Vorlagen in Polens neuem Parlament zur Liberalisierung von Abtreibungen

Vorlagen in Polens neuem Parlament zur Liberalisierung von Abtreibungen


Vorlagen in Polens neuem Parlament zur Liberalisierung von Abtreibungen
Vorlagen in Polens neuem Parlament zur Liberalisierung von Abtreibungen / Foto: Wojtek Radwanski - AFP

Im neuen polnischen Parlament hat das linke Lager zwei Gesetzesvorlagen zur Liberalisierung des derzeit besonders restriktiven Abtreibungsrechts in Polen vorgelegt. Eine der Vorlagen sehe "die vollständige Legalisierung des Rechts auf einen Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche" vor, sagte die Abgeordnete Anna Maria Zukowska am Dienstag in Warschau der Nachrichtenagentur AFP. In der anderen Vorlage gehe es speziell darum, die Hilfe bei Abtreibungen zu entkriminalisieren.

Textgröße ändern:

Laut Zukowska wurden die Vorlagen bereits zur Parlamentseröffnung am Montag eingebracht. Das Abtreibungsrecht im katholisch geprägten Polen zählt zu den restriktivsten in Europa. 2020 gab das polnische Verfassungsgericht der damaligen rechtsnationalistischen Regierung Recht und erklärte auch Schwangerschaftsabbrüche im Fall eines missgebildeten Fötus für "verfassungswidrig".

Abtreibungen sind in Polen nur im Fall von Vergewaltigung oder Inzest erlaubt oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Auf Verstöße gegen die Abtreibungsgesetze durch Schwangere oder Ärzte stehen bis zu drei Jahre Haft.

Zukowska und ihre Mitstreiter gehören zu dem linksliberalen und pro-europäischen Bündnis, das im neuen polnischen Parlament die Mehrheit hat. Dieses politische Lager streitet einen Monat nach der Parlamentswahl immer noch mit der bisherigen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) um das Recht, die Regierung zu bilden.

Die PiS war bei der Parlamentswahl im Oktober zwar stärkste Kraft geworden, errang aber nur 194 von 460 Mandaten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie mit anderen Partnern eine parlamentarische Mehrheit zustande bekommt.

Dagegen hätten die oppositionelle liberal-konservative Bürgerkoalition des Ex-Regierungschefs und früheren EU-Ratspräsidenten Donald Tusk und ihre beiden Koalitionspartner mit 248 Parlamentssitzen eine Mehrheit.

Dennoch hatte der PiS-nahe Präsident Andrzej Duda vergangene Woche den bisherigen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki von der PiS mit der Regierungsbildung beauftragt.

Die pro-europäische Opposition unterzeichnete am Freitag bereits einen Koalitionsvertrag und erklärte ihre Bereitschaft zur Regierungsübernahme. Die Vereinbarung enthält die Positionen der drei Koalitionspartner zu Themen wie Wirtschaft, Umwelt, Wiederherstellung guter Beziehungen zur EU, eine Reform staatlicher Medien, Trennung von Kirche und Staat sowie Abtreibung.

Eine im März veröffentlichte Umfrage hatte ergeben, dass 83,7 Prozent der Polen für eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts sind. Nur 11,5 Prozent der Befragten wollten die jetzigen Regelungen beibehalten.

F.Abruzzese--PV

Empfohlen

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Wiese warnt Koalition vor "neuen Grundsatzdebatten"

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese hat die schwarz-rote Koalition vor "neuen Grundsatzdebatten" gewarnt. "Nach der Sommerpause müssen wir im Parlament konsequent umsetzen, was wir im Juli verabredet haben", sagte Wiese der "Augsburger Allgemeinen" (Montagausgabe). "Die Menschen erwarten zu Recht Ergebnisse."

Ukraine-Unterstützer beraten über weiteres Vorgehen

Am 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine beraten Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen am Montag über die weitere Unterstützung der Ukraine. Nach Angaben eines EU-Vertreters werden rund zehn Teilnehmer für das Treffen nach Kiew reisen, unter ihnen EU-Ratspräsident António Costa. Auch der neue britische Premierminister Andy Burnham reist nach offiziellen Angaben nach Kiew. Die übrigen Teilnehmer werden dem Treffen virtuell zugeschaltet.

Regierungspartei siegt wie erwartet bei Parlamentswahl in Kasachstan

Die von Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterstützte Regierungspartei hat die Parlamentswahl in Kasachstan wie erwartet gewonnen. Laut am Sonntagabend im Staatsfernsehen veröffentlichten Prognosen kommt die Adilet-Partei auf 70 bis 72 Prozent der Stimmen. Fünf weitere Parteien sind demnach ebenfalls im Parlament vertreten, das nach einer im März verabschiedeten Verfassungsreform nur noch aus einer Kammer besteht. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission bei gut 74 Prozent.

EU-Abgeordneter Glucksmann kandidiert bei Präsidentschaftswahl in Frankreich

Der linksgerichtete EU-Parlamentsabgeordnete Raphaël Glucksmann hat seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich verkündet. Sein Ziel sei es, "Frankreich wieder aufzurichten", sagte der 46-Jährige am Sonntagabend im Fernsehsender TF1. Vorwahlen im sozialdemokratischen Lager im Oktober sollen klären, ob Glucksmann als gemeinsamer Kandidat seiner Partei Place publique und der sozialistischen PS antritt.

Textgröße ändern: