Pallade Veneta - Scholz ruft zu Kompromissbereitschaft bei Mercosur-Abkommen auf

Scholz ruft zu Kompromissbereitschaft bei Mercosur-Abkommen auf


Scholz ruft zu Kompromissbereitschaft bei Mercosur-Abkommen auf
Scholz ruft zu Kompromissbereitschaft bei Mercosur-Abkommen auf / Foto: MICHELE TANTUSSI - AFP

Angesichts der erneuten Blockade beim Freihandelsabkommen Mercosur zwischen Südamerika und der EU hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) alle Seiten zu "Kompromissbereitschaft" aufgerufen. Er sei "überzeugt", dass sich eine Mehrheit in den EU-Gremien finden werde, wenn das Abkommen "erfolgreich zu Ende verhandelt" sei, sagte Scholz am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in Berlin.

Textgröße ändern:

"Ich bitte alle Beteiligten um größtmöglichen Pragmatismus und Kompromissbereitschaft, damit wir das jetzt endlich finalisieren können", sagte Scholz. Deutschland stehe hinter der Absicht, ein solches Abkommen abzuschließen. "Wir glauben, es wäre ein großer Fortschritt", sagte der Kanzler. "Es wäre gut, wenn das auch gelingt zwischen Mercosur und der Europäischen Union."

Scholz verwies in diesem Zusammenhang auf die "sehr guten" bilateralen Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland. Ausdruck davon sei auch eine gemeinsame Absichtserklärung zwischen Deutschland und Brasilien zur Partnerschaft für eine sozial gerechte und ökologische Transformation.

Brasilien sei Deutschlands wichtigster Handelspartner in Südamerika. Während der Regierungskonsultationen sei im Rahmen dieser langjährigen Partnerschaft "gut ein dutzend Abkommen unterzeichnet" worden, unter anderem zu grünem Wasserstoff und zur umweltfreundlichen Gewinnung von Rohstoffen.

Lula seinerseits sprach sich angesichts eines "entscheidenden Moments der Verhandlungen" bei dem Mercosur-Gipfel am Donnerstag in Rio de Janeiro für einen zügigen Abschluss des Handelsabkommens aus. Seit 23 Jahren arbeiteten alle Beteiligten daran. Es wäre "unvernünftig, wenn es nicht zustande käme", sagte Lula. Er habe dem Bundeskanzler gesagt, er hoffe, "dass sich die EU entscheidet, ob sie an dem Vertrag interessiert ist".

Er selbst werde sich für "dafür einsetzen, so lange ich noch in der Lage bin, daran zu glauben, dass es zustande kommt", sagte der brasilianische Staatschef weiter. "Ich gebe nicht auf. Ich bin Brasilianer und Brasilianer geben niemals auf."

Das EU-Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ist bereits seit 2019 fertig ausgehandelt, allerdings noch nicht ratifiziert. Streit gibt es vor allem um Umweltauflagen für südamerikanische Landwirte. Frankreich, Österreich und andere Länder dringen zum Schutz der eigenen Bauern auf strikte Vorgaben. Deutschland setzt sich für eine rasche Ratifizierung ein.

Auf südamerikanischer Seite hatte vor allem der künftige argentinische Präsident Javier Milei das Abkommen mit der EU in seinem Wahlkampf kritisiert und mit dem Rückzug seines Landes daraus gedroht.

Die Zuständigkeit für die Ratifizierung des Abkommens liege bei der EU-Kommission, sagte Scholz. Zustimmen müssten nun die Länder und das EU-Parlament.

Die EU und die südamerikanischen Mercosur-Staaten strebten nach wie vor an, das Abkommen "so bald wie möglich" abzuschließen, sagte der Sprecher der EU-Kommission, Balazs Ujvari, am Montag in Brüssel.

EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis wird jedoch nicht zum Mercosur-Gipfel nach Rio de Janeiro reisen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte ohnehin keine Teilnahme geplant, da sie beim EU-China-Gipfel in Peking ist. Als einzig hochrangiger EU-Vertreter wird Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez erwartet, dessen Land bis Jahresende Europas Ministerräten vorsitzt. Auch Sánchez befürwortet einen schnellen Abschluss der Verhandlungen.

M.Romero--PV

Empfohlen

Schnieder besorgt über mögliche AfD-Beteiligung an Ministerpräsidentenkonferenz

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat vor möglichen Sicherheitsrisiken gewarnt, sollte künftig ein AfD-Regierungschef der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder angehören. "Ich möchte nicht, dass die Tür nach Moskau offen ist, nur weil er jetzt mit am Tisch sitzt", sagte Schnieder am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin" mit Blick auf den möglichen AfD-Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt.

Nach Gewalt bei Protesten: Thailand und Malaysia warnen vor Reisen nach Frankreich

Wegen der Proteste in Frankreich und anderen EU-Staaten rät die Regierung in Thailand von nicht notwendigen Reisen in diese Länder ab. Bei einem Besuch in Italien empfahl Außenminister Sihasak Phungketkeow am Mittwochabend, geplante Aufenthalte vorerst zu verschieben. Wer dennoch nach Europa reise, müsse die Situation genau beobachten, sagte er. Vor allem Frankreich gebe weiterhin Anlass zur Sorge. Auch Malaysia warnte seine Bürger davor, Frankreich zu besuchen.

Arbeitskreis Steuerschätzung gibt Herbstprognose bekannt

Der Arbeitskreis Steuerschätzung gibt am Donnerstagnachmittag seine diesjährige Herbstprognose bekannt. Auf einer Pressekonferenz in Berlin will sich anschließend (15.00 Uhr) Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) dazu äußern. Angesichts etwas verbesserter Wachstumsaussichten könnten die Einnahmeerwartungen leicht nach oben korrigiert werden.

Ministerpräsidentenkonferenz trifft sich in Berlin

Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) der Länder tagt am Donnerstag (09.30 Uhr) unter dem Vorsitz von Rheinland-Pfalz im Bundesrat in Berlin. Die Beratungen finden ohne Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) allein auf Länderebene statt. Um 13.45 Uhr sollen die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Zu den geplanten Themen wollte sich die rheinland-pfälzische Staatskanzlei vorab noch nicht äußern.

Textgröße ändern: