Pallade Veneta - Etat-Streit in Koalition geht weiter - Mützenich will Schuldenbremse aussetzen

Etat-Streit in Koalition geht weiter - Mützenich will Schuldenbremse aussetzen


Etat-Streit in Koalition geht weiter - Mützenich will Schuldenbremse aussetzen
Etat-Streit in Koalition geht weiter - Mützenich will Schuldenbremse aussetzen / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die Debatte in der "Ampel" über den Bundeshaushalt 2024 geht ungeachtet des Kompromisses der Koalitionsspitzen weiter. SPD-Bundestagsfraktionschef Rolf Mützenich bekräftigte am Donnerstag die Forderung nach einer Aussetzung der Schuldenbremse auch im nächsten Jahr - ein Schritt, den die FDP derzeit ablehnt. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warnte davor, dass der Etat-Kompromiss in der Koalition doch noch scheitern könnte. Sie warf der FDP vor, von erzielten Vereinbarungen abzurücken.

Textgröße ändern:

Mützenich begründete seine Forderung nach Aussetzung der Schuldenbremse 2024 mit den Ukraine-Milliardenhilfen. Diese dürften nicht auf Kosten des sozialen Friedens in Deutschland gehen, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Donnerstag. Die Etat-Vereinbarung der Koalitionsspitzen provoziere innenpolitische Verteilungskonflikte, warnte er. "Wir begeben uns in die große Gefahr der gesellschaftlichen Spaltung."

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk verteidigte Mützenich am Donnerstagmorgen sein Vorgehen, das den koalitionsinternen Etatstreit neu befeuern könnte. Die Ausgaben für internationale Verpflichtungen dürften "nicht zu Lasten der Menschen hier" gehen, sagte der SPD-Politiker. Er finde, zu dieser Diskussion dürfe "auch ein Fraktionschef immerhin der größten Regierungsfraktion etwas beitragen".

Dass die Ampel-Parteien wirklich froh über den Haushaltskompromiss der Koalitionsspitzen seien, wolle er "ein bisschen bezweifeln", fügte Mützenich hinzu. Diese Skepsis bezüglich des Kompromisses liege auch daran, dass "die, die daran beteiligt waren, das relativ schnell wieder in Frage gestellt haben".

Diesen Punkt sprach am Donnerstag auch Grünen-Fraktionschefin Dröge an: Sie warf der FDP vor, sich von bereits vereinbarten Haushaltsmaßnahmen im Nachhinein wieder zu distanzieren. Aus der Haushalts-Einigung könnten nicht "einzelne Bausteine" herausgezogen werden - "dann stürzt das gesamte Paket zusammen", sagte sie den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Sie betonte, dass alle Vorschläge mit Christian Lindner (FDP) als Finanzminister verhandelt worden seien.

Die FDP hatte nach der Einigung der Koalitionsspitzen Widerstand gegen die anvisierte Streichung der Agrardiesel-Subvention und der Kfz-Steuerbefreiung angekündigt. Dröge wies darauf hin, dass auch die Fraktionsvorsitzenden diese Vorschläge gesehen und im Koalitionsausschuss Mitverantwortung übernommen hätten. "Es erweckt kein Vertrauen, wenn man so tut, als hätte man mit seinen eigenen Entscheidungen nichts tun."

SPD-Chef Lars Klingbeil mahnte die Koalition zu mehr Verantwortungsgefühl. "Wir müssen Deutschland durch herausfordernde Zeiten führen und international stark positionieren", sagte er dem "Tagesspiegel". "Alle sollten sich über die Weihnachtsfeiertage Gedanken machen, wie sie dieser Verantwortung besser gerecht werden."

Die Ampel-Koalition trage die Verantwortung für die stärkste Volkswirtschaft Europas. "Ich will keine Horrorszenarien an die Wand malen, aber wir müssen uns dieser Verantwortung bewusst werden", betonte Klingbeil. Weiter sagte er: "Ich bin genervt davon, wie spielerisch manche mit politischen Konflikten umgehen."

Die Union kritisierte Mützenichs Vorstoß zu einer Aussetzung der Schuldenbremse. "Herr Mützenich hat die vom Bundesverfassungsgericht gesteckten Grenzen der Schuldenbremse offensichtlich immer noch nicht begriffen", sagte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende, Mathias Middelberg (CDU), am Donnerstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Schuldengrenze könne nur dann ausgesetzt werden, wenn eine neue Krisen- oder Notsituation eintrete, deren Folgen im Haushalt nicht eingeplant werden konnten und die den Haushalt erheblich belasten. "Auch der grausame Krieg in der Ukraine hat sich mittlerweile zu einer bleibenden Herausforderung entwickelt. Entsprechende Mittel müssen vom Haushaltsgesetzgeber deshalb grundsätzlich regulär mit eingeplant werden", argumentierte Middelberg.

B.Cretella--PV

Empfohlen

Palästinensergebiete: Frühere Diplomaten fordern Paris und London zum Handeln auf

Dutzende frühere französische und britische Diplomaten haben ihre Regierungen dazu aufgerufen, in den Palästinensergebieten das Völkerrecht zu verteidigen. Das Engagement Frankreichs und Großbritanniens sei angesichts der historischen Rolle der beiden Länder im Nahen Osten und ihres Status als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat unverzichtbar, erklärten die 102 Unterzeichner eines am Samstag in der französischen Zeitung "Le Monde" veröffentlichten offenen Briefs.

Wadephul wirft Russland bei Ukraine-Besuch "wahllosen Mord an Zivilisten" vor

Wenige Stunden nach einem tödlichen russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Ukraine hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Kiew besucht und Russland "wahllosen Mord an Zivilisten" vorgeworfen. Der Ukraine sagte er bei dem Besuch am Samstag weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu. Mit US-Außenminister Marco Rubio wolle er zudem über zusätzliche Luftverteidigung für die Ukraine beraten.

Nach BSW-Streit um Koalition: Thüringer CDU bestätigt Voigt als Parteichef

Unter dem Eindruck eines BSW-internen Streits um den Verbleib in der Thüringer Regierungskoalition hat die CDU ihren Ministerpräsidenten Mario Voigt als Landesparteichef bestätigt. Auf einem Parteitag in Eisenach erhielt Voigt am Samstag 84,1 Prozent der Stimmen, wie die CDU mitteilte. Voigt ist seit 2022 Landesvorsitzender der CDU Thüringen und seit 2024 Regierungschef einer Koalition mit SPD und BSW.

Wadephul kündigt bei Ukraine-Besuch weitere deutsche Hilfe und Gespräch mit Rubio an

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat der Ukraine bei einem Besuch in Kiew zusätzliche Unterstützung zugesagt. "Deutschland stellt jetzt zusätzliche 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung", sagte Wadephul am Samstag bei einer Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha in Kiew. Zugleich kündigte der Minister weitere Gespräche über zusätzliche Luftverteidigungssysteme für die Ukraine an. Anfang der Woche wolle er mit US-Außenminister Marco Rubio über diese Frage und die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges sprechen.

Textgröße ändern: