Pallade Veneta - Entscheidung des französischen Verfassungsrats zum Einwanderungsgesetz erwartet

Entscheidung des französischen Verfassungsrats zum Einwanderungsgesetz erwartet


Entscheidung des französischen Verfassungsrats zum Einwanderungsgesetz erwartet
Entscheidung des französischen Verfassungsrats zum Einwanderungsgesetz erwartet / Foto: Ludovic MARIN - AFP/Archiv

In Frankreich haben sich am Donnerstag alle Blicke auf den Verfassungsrat gerichtet, der am Nachmittag eine Entscheidung zum umstrittenen Einwanderungsgesetz treffen sollte. Die neun "Weisen" können das im Dezember verabschiedete, aber noch nicht in Kraft getretene Gesetz ganz oder teilweise kassieren, wenn es nicht mit der französischen Verfassung vereinbar ist, oder einzelne Artikel nichts mit dem ursprünglichen Ziel des Gesetzes zu tun haben. In den vergangenen Wochen waren zehntausende Gegner des Gesetzes auf die Straße gegangen.

Textgröße ändern:

Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron hatte das von der rechten Opposition stark verschärfte Gesetz mit den Stimmen der Rechtspopulisten durchgebracht. Für Macron sollte das Gesetz eine Schlüsselreform seines zweiten und letzten Mandats werden, mit dem er sowohl das Abschieben abgelehnter Asylbewerber erleichtern als auch die Integration arbeitender Migranten in Frankreich fördern wollte.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes hatte er dann offen bekannt, dass er mit einer Korrektur durch den Verfassungsrat rechne - und in einem ungewöhnlichen Schritt selbst das höchste Verfassungsgremium des Landes eingeschaltet.

Von den 86 Artikeln des Gesetzes sind etwa 50 umstritten. Das neue Gesetz sieht unter anderem vor, dass Nicht-EU-Ausländer in Frankreich manche Sozialleistungen erst nach fünf Jahren Aufenthalt erhalten können.

Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) hatte dies als einen "ideologischen Sieg" gefeiert, weil sie darin das Prinzip der "nationalen Bevorzugung" festgeschrieben sah. Manche Verfassungsrechtler sehen darin hingegen einen Verstoß gegen das Gleichheitsgebot.

Umstritten ist auch die geplante Kaution, die Studierende aus Nicht-EU-Ländern hinterlegen sollen für den Fall, dass sie abgeschoben werden sollen. Gekippt werden könnten auch die verschärften Bedingungen für einen Familiennachzug.

All diese Bestimmungen hatte die rechtskonservative Opposition im Senat zum Gesetz hinzugefügt. Die Nationalversammlung hatte den verschärften Text zunächst komplett zurückgewiesen. Schließlich aber wurde das Gesetz mit den Stimmen der gesamten RN-Fraktion verabschiedet, was Macron heftige Kritik im eigenen Lager einbrachte.

Aus Protest gegen das Einwanderungsgesetz war der damalige Gesundheitsminister zurückgetreten. Mehrere Regierungsmitglieder, die das Gesetz heftig kritisiert hatten, verloren bei der jüngsten Regierungsumbildung ihren Posten.

Am vergangenen Sonntag protestierten landesweit erneut Zehntausende gegen das Gesetz. "Einwanderung ist eine Chance für Frankreich", war auf Plakaten zu lesen. Zahlreiche Prominente, unter ihnen Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux, forderten Macron auf, das Gesetz nicht in Kraft treten zu lassen.

Macron verteidigte das Gesetz als ein Mittel, den Rechtspopulisten das Wasser abzugraben. "Es wird uns helfen, gegen das zu kämpfen, was dem RN Stimmen einbringt", sagte Macron kürzlich. "Wir müssen zeigen, dass wir im republikanischen Lager eine Antwort darauf haben, die unseren Werten entspricht", fügte er hinzu. Das Gesetz sei "der Schutzschild, das uns fehlte".

Ursprünglich hatte Macron das Ziel ausgegeben, ein "ausgewogenes" Einwanderungsgesetz zu verabschieden. Der mehrheitlich rechte Senat hatte jedoch einen zentralen Artikel gekippt, wonach Migranten ein Bleiberecht erhalten sollen, wenn sie in Branchen mit Personalmangel arbeiten.

Der von Macron eingeschaltete Verfassungsrat ist nur begrenzt mit dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vergleichbar. Zu den neun Mitgliedern zählen mehrere ehemalige Regierungsmitglieder und Juristen, es sind sechs Männer und drei Frauen.

Der Vorsitzende des Verfassungsrates, der sozialistische Ex-Premierminister Laurent Fabius, hatte sich kürzlich gegen eine politische Vereinnahmung der Institution verwehrt. Der Verfassungsrat sei nicht "das Berufungsgericht des Parlaments", hatte Fabius erklärt.

A.Tucciarone--PV

Empfohlen

Ukraine-Koalition berät am Montag - Teilnehmer treffen sich in Kiew

Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen werden am Montag über die weitere Unterstützung für die Ukraine beraten. Wie der Élysée-Palast in Paris am Freitag mitteilte, wird das Treffen im "hybriden Format" stattfinden - also mit einigen Teilnehmern vor Ort und anderen per Video zugeschaltet. Ein EU-Vertreter erklärte, rund zehn Teilnehmer würden für das Treffen nach Kiew reisen, unter ihnen EU-Ratspräsident António Costa.

"Wirtschaftskrieg" gegen Teheran: China lehnt "illegale einseitige Sanktionen" ab

Als einer der wichtigsten Handelspartner des Iran hat China den von den USA angekündigten "Wirtschaftskrieg" gegen Teheran als unangemessen zurückgewiesen. "Sanktionen und Druck werden nicht dazu beitragen, das Problem zu lösen", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, am Freitag in Peking. Derweil sagte der iranische Präsident Massud Peseschkian, er sehe sein Land derzeit in einer "Position der Stärke".

Merz besucht Hürtgenwald

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will am Samstag die Gemeinde Hürtgenwald besuchen, in der ein großer und folgenschwerer Waldbrand in den letzten Tagen die Feuerwehr in Atem hielt. Merz wolle sich bei den Einsatzkräften bedanken, die den Brand bekämpft haben, teilte ein Regierungssprecher am Freitag mit. Er werde sich mit den Helferinnen und Helfern austauschen und sich über den Einsatzverlauf sowie die Lage vor Ort informieren.

IStGH-Präsidentin warnt nach US-Sanktionen vor "Niedergang des Völkerrechts"

Die vor drei Tagen mit US-Sanktionen belegte Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) hat vor einem "Niedergang des Völkerrechts" gewarnt. Sie habe erwartet, dass es dieses Mal sie selbst treffen würde, teilte Tomoko Akane am Freitag in einer Erklärung im Onlinedienst X mit, die von ihrem Verlag Bungei Shunju veröffentlicht wurde. Sie sei deshalb nicht überrascht. "Das Wichtigste ist, nicht zuzulassen, dass dies der Beginn des Niedergangs des Völkerrechts ist", schrieb Akane.

Textgröße ändern: