Pallade Veneta - Pistorius zurückhaltend zu Ringtausch bei Taurus-Marschflugköpern

Pistorius zurückhaltend zu Ringtausch bei Taurus-Marschflugköpern


Pistorius zurückhaltend zu Ringtausch bei Taurus-Marschflugköpern
Pistorius zurückhaltend zu Ringtausch bei Taurus-Marschflugköpern / Foto: SERGEY BOBOK - AFP

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich zurückhaltend zu Plänen für einen Ringtausch geäußert, bei dem Deutschland Großbritannien Taurus-Marschflugkörper überlassen und die Ukraine dafür britische Storm-Shadows-Systeme erhalten würde. Er kenne ein entsprechendes Angebot nicht, sagte Pistorius in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung, Welt TV und dem Online-Magazin Politico am Donnerstag. Falls es Gespräche dazu mit dem Kanzleramt geben sollte, müssten diese ergeben, "ob das tragfähig ist oder nicht".

Textgröße ändern:

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, London habe der Bundesregierung vor einigen Wochen vorgeschlagen, deutsche Taurus-Marschflugkörper an Großbritannien zu liefern. Im Gegenzug würden die Briten dann Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow an die Ukraine abgeben.

Großbritannien hat ebenso wie Frankreich bereits solche Marschflugkörper an die Ukraine geliefert. Sie haben aber eine deutlich geringere Reichweite als Taurus mit mehr als 500 Kilometern. In Berlin wird befürchtet, dass die Ukraine mit Taurus auch russisches Staatsgebiet angreifen könnte.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt die von der Ukraine seit Monaten geforderte Lieferung bisher ab. Pistorius betonte nun, Taurus sei ein Waffensystem, das nicht mit Marschflugkörpern anderer Nationen vergleichbar sei. "Und deswegen muss sehr sorgfältig abgewogen werden, unter welchen Bedingungen man das tut. Und im Augenblick gibt es keinen neuen Stand dazu."

Der Bundesverteidigungsminister schloss eine Änderung in der Haltung Berlins in der Zukunft aber auch nicht aus. Er wisse natürlich von dem großen Interesse der Ukraine an Taurus, sagte er "Bild", Welt TV und Politico. "Und deswegen wird es dem weiteren Verlauf der Gespräche überlassen bleiben müssen, ob es am Ende Auslieferungen gibt oder nicht."

Auf Kritik stießen die Ringtausch-Pläne bei der Union. "Für Deutschland ist es peinlich, wenn Großbritannien sich Gedanken macht, wie man dem Bundeskanzler aus der Patsche helfen kann", sagte der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Die Briten sind zu dem Schluss gekommen, dass die Koalition in Berlin aus eigenen Kräften nicht zu einer Entscheidung kommen wird. Das sagt leider alles über das internationale Ansehen der Bundesregierung."

Ablehnung zu den Überlegungen kam auch aus der Ampel-Koalition. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) betonte, die Ukraine brauche Taurus "sofort". Was ein Ringtausch bringen solle, erschließe sich ihr nicht, sagte sie dem "Handelsblatt". "Dann ist Taurus für die Bundeswehr nicht mehr vorhanden und die Ukraine hat trotzdem keine. Storm Shadow ist kein gleichwertiger Ersatz." Insofern sei der Vorschlag "untauglich", betonte Strack-Zimmermann.

Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), sieht den Ringtausch nur als zweitbeste Option. "Bevor die Ukraine gar keine Marschflugkörper zur Verfügung gestellt bekommt, ist es immer noch besser, wenn in Form eines Ringtauschs zumindest Storm Shadow geliefert werden", sagte Hofreiter der "Rheinischen Post" (Freitagausgabe). Komme der Ringtausch zustande, dann müsse es aber Großbritannien auch "freistehen, selbst über die Lieferung der Taurus an die Ukraine zu entscheiden".

A.Graziadei--PV

Empfohlen

Nach massiven Ausschreitungen: Neue nächtliche Ausgangssperren in französischen Städten

Nach den landesweiten Gewaltausbrüchen am Wochenende in Frankreich sind die nächtlichen Ausgangssperren in Paris und mehreren anderen Städten verlängert worden. In Paris gelten die Einschränkungen von Dienstag 23.00 Uhr bis Mittwoch 06.00 Uhr rund um die Place de la République und für das Einkaufsviertel Les Halles, wie die Polizeipräfektur in der Hauptstadt mitteilte.

UNO verurteilt Gewalt bei Protesten in europäischen Städten

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat sich besorgt gezeigt angesichts der Gewalt in der Folge von Protesten in mehreren europäischen Städten. "Die großen Demonstrationen in Albanien, Belgien, Frankreich, Italien und Portugal sorgen für Beunruhigung bezüglich der Menschenrechte", erklärte Türk am Dienstag. "Ich verurteile alle Gewalttaten und rufe alle beteiligten Parteien auf, die Spannungen zu senken und jegliche neue Gewalt zu verhindern."

Merz würdigt Beitrag türkischer Gastarbeiter für Entwicklung Deutschlands

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat anlässlich des 65. Jahrestags des Abschlusses des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens die Lebensleistung der Eingewanderten gewürdigt. "Türkische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter haben die industrielle Substanz unseres Landes mitaufgebaut", sagte Merz am Dienstag in Berlin bei einem Festakt zum Jahrestag. Sie hätten "die Infrastruktur des Wohlstandes geschaffen, in der wir heute leben", zudem "das kulturelle Gesicht der Bundesrepublik Deutschland tiefgreifend mitgestaltet".

AfD bestätigt Angriff auf E-Mail-Postfächer: "Große Datenmengen abgeflossen"

Bei einem Hackerangriff auf einen Dienstleister der AfD sind nach Angaben der Partei Daten aus mehreren E-Mail-Postfächern abgegriffen worden. Wie die Bundespartei am Dienstag in Berlin erklärte, wurden zwar "nur wenige Mail-Postfächer" rechtswidrig kopiert. Dabei seien jedoch "große Datenmengen abgeflossen". Die meisten der betroffenen Postfächer sind demnach seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Aktuelle Postfächer des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen.

Textgröße ändern: