Pallade Veneta - Ukrainischer Präsident Selenskyj setzt Armeechef Saluschnyj ab

Ukrainischer Präsident Selenskyj setzt Armeechef Saluschnyj ab


Ukrainischer Präsident Selenskyj setzt Armeechef Saluschnyj ab
Ukrainischer Präsident Selenskyj setzt Armeechef Saluschnyj ab / Foto: Handout - UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE/AFP/Archiv

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Armeechef Walerij Saluschnyj nach wochenlangen Spekulationen von seinem Posten abgesetzt. Als Nachfolger ernannte Selenskyj am Donnerstag den bisherigen Kommandeur des ukrainischen Heeres, Oleksandr Syrskyj. Er habe Saluschnyj jedoch gebeten, weiterhin "im Team" zu bleiben, schrieb der ukrainische Präsident im Onlinedienst X, vormals Twitter. Der Wechsel ist die bedeutendste Neubesetzung in der militärischen Führungsebene der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen das Land.

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Über eine Absetzung Saluschnyjs war seit längerem spekuliert worden. Seit Wochen gab es Spannungen zwischen dem Armeechef und dem Präsidenten. Nach Angaben hochrangiger ukrainischer Kreise warf Selenskyj dem weithin beliebten Saluschnyj vor, dass es für die Ukraine an der Front gegen Russland bereits seit Ende 2022 nicht mehr wirklich vorwärts geht. Insbesondere das Scheitern einer groß angekündigten ukrainischen Gegenoffensive im vergangenen Sommer ließ das Vertrauen Selenskyjs schwinden.

Der Präsident erklärte nun, ein "neues Führungsteam" werde die Leitung der ukrainischen Streitkräfte übernehmen. Er habe die Erneuerung der Armeeführung mit Saluschnyj besprochen. Die Ukraine brauche einen "realistischen" Schlachtplan für 2024. Der neue Armeechef Syrskyj sei der "General mit der größten Erfahrung" in der ukrainischen Armee.

Der neue Armeechef Syrskyj war im Spätsommer und Herbst 2022 für die erfolgreiche ukrainische Gegenoffensive im Osten und Süden der Ukraine verantwortlich. Damals eroberte die Armee Gebiete in der ostukrainischen Region Charkiw sowie unter anderem die südukrainische Stadt Cherson von den russischen Besatzern zurück.

Saluschnyj räumte nach dem Treffen mit Präsident Selenskyj ein, dass die Militärstrategie der Ukraine sich "ändern" müsse. Die Aufgaben seien 2022 "anders" gewesen als im Jahr 2024, erklärte er. Alle müssten sich "an die neuen Realitäten anpassen", um "zusammen zu gewinnen".

Präsident Selenskyj schrieb nach dem Treffen aber auch, er habe Saluschnyj angeboten, weiterhin Teil des "Teams des ukrainischen Staats" zu sein. "Ich wäre dankbar für seine Zustimmung", schrieb Selenskyj weiter.

Der nun ausgetauschte Militärchef genießt in der Ukraine hohes Ansehen, seit die Armee in den ersten Kriegsmonaten die scheinbar übermächtigen russischen Truppen zurückdrängte. Auch in der Truppe ist der 2021 ernannte Saluschnyj weithin beliebt, viele Soldaten sehen in ihm eine Vaterfigur.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Selenskyj und Saluschnyj waren im vergangenen Herbst deutlich geworden. Im November hatte der Präsident dem Militärchef öffentlich widersprochen. Bei einer Pressekonferenz zusammen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Kiew wies er die Aussage Saluschnyjs zurück, es gebe an der Front eine "Pattsituation".

Saluschnyj hatte kurz zuvor in einem Interview mit dem "Economist" gesagt, es gebe entlang der Frontlinie einen Abnutzungs- und Stellungskrieg. "Wie im Ersten Weltkrieg haben wir ein technologisches Niveau erreicht, das uns in eine Pattsituation bringt", sagte der General. Es werde "sehr wahrscheinlich" keinen "tiefen" Durchbruch geben.

Anfang 2024 forderte Saluschnyj in einem Gastbeitrag für das Online-Portal des US-Nachrichtensenders CNN die Modernisierung der Gesetzgebung zum Militär in der Ukraine. Zudem müssten "unpopuläre" Entscheidungen getroffen werden, um mehr Soldaten zu mobilisieren.

Mehrere ukrainische Medien berichteten zudem, Selenskyj blicke mit Argwohn auf die große Beliebtheit des Armeechefs.

Dessen 58 Jahre alten Nachfolger Syrskyj spielte im Jahr 2022 in den ersten Kriegswochen wie Saluschnyj selbst eine wichtige Rolle beim Zurückdrängen des russischen Versuchs, die ukrainische Hauptstadt Kiew zu erobern. Anders als sein Vorgänger ist Syrskyj aber vielen Menschen im Land kein Begriff. In einer im Dezember 2023 veröffentlichten Umfrage gaben 48 Prozent der Befragten an, noch nie von ihm gehört zu haben.

Zudem haftet dem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Kommandeur ihn Teilen der Truppe der Ruf an, bei der Verfolgung strategischer Ziel wenig Rücksicht auf Verluste in den eigenen Reihen zu nehmen.

G.Riotto--PV

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